Zwei Jungs, ein Mädel. Ein Drum Kit, eine Gitarre und ein Cello. Wer denkt, dass dabei nur seichtes Geplänkel rauskommen kann, irrt: The Lumineers, die Zwei-Jungs-ein-Mädel-Combo aus Denver, ist alles andere als nette, melancholische Begleitmusik. Sie haben sich dem ehrlichen Folk verschrieben, stampfen mit ihren Boots im Takt auf den Boden und singen sich ihre Seele aus dem Leib.

Das Besondere am selbst betitelten Album der Lumineers ist die Vertrautheit: Man denkt sofort, man kennt die Band persönlich. Es sind Songs zum Mitklatschen und Mitsingen, die  zuhause die Atmosphäre eines spaßigen Abends in einer Bar vermitteln. Das liegt sicher auch daran, dass Sänger Wesley, Schlagzeuger Jeremiah und Cellistin Neyla wie jede anständige Folk-Band von der Liebe und deren Verlust singen. Sie haben mit „Charlie Boy“ den schönsten Antikriegssong der letzten Jahre geschrieben und erklären, warum sich „Classy Girls“ nicht in jeder Bar küssen lassen. The Lumineers jammern nicht, The Lumineers finden Worte an den Stellen, an denen sie uns vielleicht manchmal fehlen. Alle drei sind außerordentlich gute Musiker, die alle mehr als nur ein Instrument beherrschen. Allerdings sind sie sich der dem Folk naheliegenden Einfachheit der Songs durchaus bewusst. So sagt Jeremiah: „We’re not reinventing the wheel or doing anything that different, the songs are super simple. The ideas themselves are very simple ideas. Anyone who can play an instrument can play a Lumineers song.“  Dass sie nichts Neues erfinden wollen und dass ihre Songs gerade deshalb so ehrlich klingen, als würde uns der beste Freund ihre Worte zuflüstern  –  genau das macht die Band so sympathisch.

Auf ihrer ersten Tour durch Europa bespielten The Lumineers kleinere, aber ausverkaufte Hallen und hinterließen nichts anderes als rundum glückliche Besucher. In den USA waren sie mit ihren Folk-Kollegen von Old Crow Medicine Show  und Pokey LaFarge and the South City Three unterwegs und spielten 2012 einen der überaus begehrten Slots des „December to Remember“-Festivals in Portland, Oregon. Dort treten jährlich neue, viel versprechende Bands auf, die etwa zwei Jahre später große Hallenkonzerte spielen. Das wird bei der Band aus Denver eindeutig schneller gehen: Sie sind in zwei Kategorien bei den Grammys 2013 nominiert und verdienen nun also auch höchstoffiziell die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührt.

Der Ruhm steigt ihnen jedoch nicht zu Kopf: The Lumineers verarbeiten in ihren stilleren Songs den Drogentod von Jeremiahs Bruder, der auch gleichzeitig Wesleys bester Freund war. In „Dead Sea“ singen und spielen sie sich mit den Textzeilen „You told me I was like the Dead Sea/ You never sink when you are with me/ Oh Lord, like the Dead Sea“  schließlich endgültig in die Herzen der Zuhörer. Nie klang das Tote Meer schöner.

Wer immer noch nicht davon überzeugt ist, dass es sich bei The Lumineers um eine Stomping Band mit Leib und Seele handelt, dem sei ihr erstes Video zur Single „Ho Hey“ ans Herz gelegt. Woodie Guthrie wäre stolz auf sie.

The Lumineers kommen im März 2013 mit Langhorne Slim & The Law auf Deutschlandtour.

Fotos: Lindsey Byrnes/ PR