Vor kurzem stellten wir bereits kommende Releases für 2013 vor. Nachdem wir in den letzten Wochen die alljährlich wiederkehrenden Hotlists durchwühlten, analysierten und verglichen, gibt es hier jetzt endlich einen Überblick über die vielversprechendsten Newcomer dieses Jahres. Von diesen Bands und Solo-Künstlern werden wir in den kommenden Monaten sicherlich noch hören.

Während sich die Shootingstars des vergangenen Jahres noch von ihrem Erfolg erholen, steht schon die nächste Newcomer-Generation in den Startlöchern. Die Promotion-Abteilungen der Labels arbeiten nach der Weihnachtspause wieder auf Hochtouren – schließlich geht es um die Stars von morgen. Nach dem Jahresrückblick ist für die Musikbranche vor der Newcomer-Porgnose: Wie jedes Jahr geben Blogger, Hipster-Magazine und Branchenkenner ihre Tipps für die vielversprechendsten Nachwuchstalente ab.

haimEines der treffsichersten Newcomer-Barometer veröffentlicht jährlich die BBC, bei der britische DJs, Journalisten, Blogger sowie TV- und Radio-Macher ihre Stimme für ihre jeweiligen Favoriten abgeben. Wer es auf diese Liste schafft, hat das Zeug zum Star – Genre und Herkunftsland spielen dabei keine Rolle. Zu den bisherigen Gewinnern zählen u.a. heutige Superstars wie Adele und 50 Cent. Dieses Jahr machten Haim das Rennen, drei Schwestern aus Los Angeles, benannt nach ihrem Familiennamen. Das Trio taucht dieses Jahr in zahlreichen Newcomer-Hitlisten auf den vorderen Rängen auf – und das, obwohl das erste komplette Album noch gar nicht fertig ist. Mit der Debüt-EP, auf der sie die Melodien von 90s R’n’B-Girlbands wie TLC und Destiny’s Child mit lässigen Folk-Gitarren von Grössen wie Fleetwood Mac oder Stevie Nicks kombinieren, ließ das Trio, das von Schlagzeuger Dash Hutton unterstützt wird, Kritiker aufhorchen. Das Video zu ihrer Single „Forever“ wurde bislang über eineinhalb Millionen Mal bei YouTube angeklickt – man beachte die fabelhafte, an TLC erinnernde Tanz-Einlage im Frisör-Salon. Derzeit feilen Haim mit Hit-Produzent Paul Epworth (Adele, Florence + The Machine) an ihrem ersten Longplayer.

Zu den diesjährigen Kritikerlieblingen zählen neben Haim auch die New Yorker Rapperin Angel Haze, die mit ihrem messerscharfen Worttiraden Nicki Minaj Konkurrenz macht, die britische Jazz-Sängerin Laura Mvula, das schottische Elektro-Pop-Trio Chvrches, das experimentelle R’n’B-Pop-Duo AlunaGeorge sowie die beiden Singer/Songwriter Jake Bugg und Tom Odell. Letzterer ist der erste Mann, der den „Critics’ Choice Award“ erhält, den Newcomer-Preis der Brit Awards. Der 22-jährige Singer/Songwriter veröffentlichte vor kurzem seine Debüt-EP „Songs From Another Love“ und dürfte mit seinen zarten Piano-Songs einige Herzen zum Schmelzen bringen. Eine Musikjournalisten-Floskel? Bitte, hier ist der Beweis – aber sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

Der rauschebärtige Australier Chet Faker alias Nick Murphy versorgt uns mit elektronisch angehauchten Folk-Tunes. Der Sound-Tüftler aus Melbourne bezeichnet seinen eigenwilligen, von so unterschiedlichen Künstlern wie Thom Yorke, Jamie Woon und Miles Davis beeinflussten Mix als Future Beat, soulige Elektro-Tracks mit Tiefgang.

bastilleViel versprechen wir uns auch von der Band Bastille um Mastermind Dan Smith. Der Brite sieht nicht nur gut aus und ist wahnsinnig nett, sondern macht zum Glück auch noch großartige Musik. Genre-Grenzen kennen Bastille nicht. Auf mehreren bislang im Internet veröffentlichten Tracks covern sie sich kreuz und quer durch die Pop-Geschichte, von David Guetta bis Lana del Rey. Besonders die 90er scheinen es dem Quartett angetan zu haben. So haben sie etwa in „Of The Night“ die 90s-Hits „Rhythm Is A Dancer“ von Snap und „The Rhythm Of The Night“ von Corona kombiniert. Bei Bastille werden die Eurodance-Nummern zu betörend schönen, reduziert arrangierten, clubtauglichen Folk-Tunes. Äh, ja. So irgendwie. Und genauso (!) klingen auch die Eigenkompositionen auf ihrem für März angekündigten ersten Studioalbum, „Bad Blood“. Im April sind Bastille dann auf Deutschland-Tour. Wer sich jetzt schon einen Eindruck machen will: Hier gibt’s ein tolles Gratis-Mixtape von Bastille. Es gibt einiges zu entdecken: Unter anderem covern die Briten TLC und Seal.

Nicht leicht einzuordnen ist der Sound von Woodkid. Der Franzose, bürgerlich Yoann Lemoine, tauchte bereits Anfang vergangenen Jahres auf der ein oder anderen Hotlist auf. Doch  nach EP- und Single-Releases ließ sich der kreative Kopf, der als Werbefilmer mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde und für Stars wie Katy Perry und Lana del Rey Musikvideos drehte, nicht von dem Hype beeinflussen. Monatelang feilte er an den Songs seines im März erscheinenden Debüts „The Golden Age“. Darauf gibt es opulent arrangierte, bombastische Pop-Songs zu hören.

foxesGespannt sind wir auf das erste Album von Foxes. Louisa Rose Allen, so die Musikerin mit bürgerlichem Namen, hat Melodien, die Leona Lewis nicht besser hinkriegen würde. Nur musikalisch geht die Britin in eine andere Richtung als ihre Landsfrau. Foxes macht quirlig-verspielten Indie-Pop. Nachzuhören auf ihrer „Warrior EP“ – und demnächst auf ihrem Debütalbum.

In Sachen Rap dürften in den kommenden Monaten Muso aus Deutschland und die beiden Österreicher Gerard und Left Boy von sich reden machen. Ebenfalls auf dem Radar haben wir das Kölner Elektro-Pop-Duo Vimes, das bereits prominente Fans wie Hot Chip und Chilly Gonzales gewinnen konnte, sowie das deutsch-griechische Duo Sea + Air, das im Februar seine neue Single „The Heart Of The Rainbow“ vorlegt und dann, mal wieder, auf Tour geht.

Die Schweiz hat mit JJ & Palin ein talentiertes Singer/Songwriter-Duo am Start, das mit seinen englischsprachigen und unter die Haut gehenden Songs durchaus auch auf internationalen Bühnen bestehen kann. Das Debütalbum, „Meanwhile in Kolin“, ist gerade erschienen. Zu diesen Songs fallen uns folgende Adjektive ein: schön, fabelhaft, chribbelnd, lullend, wunderschön, badewannenwohlig. Danke, der Winter ist gerettet.

Es kann also losgehen, das Pop-Jahr 2013. Und in irgendeinem selbst zusammengebastelten Homestudio irgendwo auf der Welt feilt mit Sicherheit schon der nächste Shootingstar, den noch niemand auf dem Schirm hat, an seinen ersten Songs. Also: To be continued…

Und wer nicht nur lesen, sondern auch hören will, checkt am besten mal unsere Newcomer-Playlist bei Spotify aus.

 


Fotos: Bella Lieberberg, Greg Nolan, Andrew Woffenden