Aus Kanadas Provinz Ontario kommt Top-Musik. Moment, wir meinen nicht Justin Bieber, der ja auch von dort ist. Die Rede ist von den Arkells: Das Quintett aus Hamilton am Lake Ontario hat letzte Woche ihr neues Album „Michigan Left“ in Europa veröffentlicht.

Die letzten zwei Jahre waren für die Arkells großes Puppentheater: ein zweiter Juno-Award als „Group of the Year“, eine Tour durch Europa mit Billy Talent, ein Debütalbum und auch gleich noch eine zweite Platte. Sind sie deshalb abgehoben? Keineswegs: „Tolle Momente erlebt man überall“, so Sänger und Gitarrist Max Kerman. Zu einem dieser besonderen Momente gehört natürlich neben den Junos auch das erste Konzert in Berlin, bei dem sie als Main Act auf der Bühne stehen durften: Nur 80 bis 100 Leute und trotzdem ein großartiger Abend.

arkell

Seit letztem Freitag ist nun das zweite Album der Arkells, „Michigan Left„, eine Platte benannt nach einem Linksabbiegemanöver, im Handel. Das erste Album des Quintetts war ein bisschen rauher, auch rockiger als die neue Scheibe. Das hat aber wohl mit den Bands zu tun, die die Arkells während der Aufnahmen vermehrt gehört haben: Fleetwood Mac, Phoenix und Spoon sind für den poppigeren Sound als auf dem Debüt „Jackson Square“ verantwortlich. Eingängige Melodien und ein paar Oh-ohhhs und La-la-las an der richtigen Stelle und schon hat man einen wohlklingenden Ohrwurm. Aber keine Sorge, die Buben wissen, wo sie herkommen (und auch hingehören), so erklärt Kerman:

„Es gibt in Amerika dieses Sprichtwort. ‚Man kann einem Schwein Lippenstift auftragen, abder es bleibt immer noch ein Schwein. Wir dekorieren unsere Songs mit Pop, aber es sind immer noch Rock-Songs.“

Mancher Song klingt nach Bruce Springsteen aus den Achtzigern, mancher birgt eine Motown-Reminiszenz in sich und manch einer klingt  einfach nur nach den fünf Jungs vom Lake Ontario – so hört sich ein gelungenes Album an! Der ersten Single des Albums,“Whistleblower“, wurde eine ganz spezielle Ehre zuteil: Torontos Baseball-Team, die Blue Jays, die auch in der American League spielen, haben den Song ganz lokalpatriotisch als Anheizer für ihre Spiele beansprucht. Und wovon singen die Arkells? Vom alltäglichen Leben, von den Punkten im Leben, an denen wir alle schonmal waren. Freundschaften, Beziehungen, Trennungen und durchgetrunkene Nächte – alle ganz eng mit der Heimatstadt Hamilton verknüpft. Die Arkells stehen also mit beiden Beinen fest auf dem Boden: Ihnen ist der Alltag mit all seinen Kleinigkeiten wichtig. Wieso hätten sie sich sonst nach der Straße benannt, in der sie während ihres Studiums lebten? Eben. Manchmal liegt das Gute einfach doch so unfassbar nah.

„Michigan Left“ von den Arkells ist am 15. Februar auf The Organisation/ Soulfood erschienen. Als besonderes Schmankerl kommen die Buben aus Ontario im April auf Deutschlandtour, diesmal komplett als Headliner.