Ho hey: The Lumineers spielen in einer ausverkauften Muffathalle und bescheren den München einen ganz großartigen Abend. Aber nicht nur die Band aus Denver begeistert das Publikum: Die Vorband Langhorne Slim & the Law spielt sich in die Herzen der Weltstadt mit Herz.

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Ungewohnt früh, schon um 19.15 Uhr, geht’s los und Langhorne Slim & the Law betreten die Bühne. Die fünf machen die Art von Folk, bei der man nicht ruhig stehen bleiben kann. Langhorne, der in echt Sean Scolnick heißt, spielt die Songs seines neues Albums „The Way We Move“  und verblüfft damit manchen im Publikum: Offensichtlich waren sich manche nicht bewusst, welche Hochkaräter sich The Lumineers da als Opener ins Boot geholt haben. Banjo, Piano, Kontrabass, Gitarre und Drums – Langhorne und seine Crew beherrschen diese Instrumente perfekt. Auch wenn seiner Einladung to „dance a little“ noch nicht wirklich viele in den vorderen Reihen nachkommen, so ist es vor allem auch seine Art, die alles andere als publikumsscheu ist, mit der er das Publikum in seien Bann zieht: Plötzlich springt er von der Bühne und singt eben unten im Fotograben weiter. Nach „Song for Sid“, den er für seinen Großvater geschrieben hat und den er allen verstorbenen Familienmitglieder der Band widmet, und einem Lied, zu dem er schon die kompletten Lumineers auf die Bühne bittet, kommt als krönender Abschluss der Titeltrack des Album „The Way We Move“. So richtig bewegt sich dazu allerdings immer noch keiner – eindeutig der Verlust des Publikums. Ein gutes Album, ein guter Mann mit guter Band. Besonders bemerkenswert ist, dass Langhorne Slim sowohl nach seiner Show als auch nach der von The Lumineers teilweise mit der ganzen Band über eine Stunde lang brav am Merchandising-Stand steht, mit den Leuten redet, sich für’s Vorbeikommen bedankt und Zeug signiert. Und er signiert alles – CDs, Konzerttickets, T-Shirts von The Lumineers, Gesichter. Wenn es einen neuen Liebling der Herzen an diesem Abend gibt, dann heißt der Langhorne Slim.

130302_steh.de011Und dann Trommelwirbel: Die Bühne wird blau angestrahlt, „The Chain“ von Fleetwood Mac ertönt – The Lumineers betreten die Bühne! Sie spielen ganz routiniert ihr selbstbetiteltes Debütalbum und zwei neue Songs  – einer davon ist ein Duett von Sänger Wesley und Cellistin Neyla, die mit ihrer kräftigen Stimme überrascht. Das hätte man bei dem kleinen, zierlichen Mädel ja gar nicht vermutet! Der zweite Song, der sich nicht auf dem Album findet, ist „Ain’t nobodys problem but my own“: Eine Nummer, bei der es die Band auch vor über 1000 Leuten schafft, dass man sich fühlt wie in einem kleinen Saloon in Denver, dem Piano sei Dank. Größtes Highlight an diesem Abend dürfte für viele die Performance von The Lumineers mitten im Publikum gewesen sein: Sie gehen von der Bühne und singen eine großartige Unplugged-Version von „Ho Hey“, ihrem großen Hit. An das von der Band explizit gewünschte Handy- und Kamera-Aufnahmeverbot hält sich nicht jeder, wie oft gibt’s das auch schon – Stars sooo nah! Nach dem Song, den sie später auch noch auf der Bühne mit allem, was dazugehört, zum Besten geben, spielen sie ihr Set zu Ende und lassen dabei keinen Track ihres Debüts aus. Ein voller Erfolg! Bei ihrer letzten Zugabe holen sie ihre Kollegen von Langhorne Slim & the Law auf die Bühne und sie covern gemeinsam „American Music“ der Violent Femmes. An dem Abend dürfte jedem die Antwort auf die im genannten Song gestellte Frage sehr leicht fallen: „Do you like American music?“ – I like American music! Um 21.51 Uhr ist die Show dann auch vorbei, viel zu schnell. Man wünscht sich einen „Rewind-Button“, damit man die letzten Stunden einfach noch mal erleben kann. Oder man war halt einfach noch im Nage & Sauge am Mariannenplatz, wo beide Bands noch eingelaufen sind.

Zwei Grammy-Nominierungen, ein Auftritt bei Saturday Night Live, eine Nummer 2 in den Billboard-Charts der USA, ausverkaufte Touren weltweit – die etwas scheuen The Lumineers haben mit ihrem Debütalbum den Erfolg, den man einer jungen Band wünscht und den sie auch ganz ohne Zweifel verdienen. Wir wussten schon immer: „Die werden groß!“ Die Tage der Auftritte in Plattenläden so wie letzten November sind offensichtlich vorbei. Bis zum nächsten Mal dann in München, in der Olympiahalle! Juchuu! Bis dahin viel Spaß beim Durchklicken unserer Slideshow:

PS: Eine etwas seltsame Publikumsmischung konnte man aber beobachten: Entweder wie festgewachsen und man musste sich rechtfertigen, dass man zum Tanzen nach vorne drängelt, oder Nostalgie-Fanatiker, die einen hart schubsen und nicht mal eine SMS tippen lassen, weil man in der ausverkauften Halle alle verloren hat. Zitat: „Turn that f*cking thing off, you f*cking idiot!“ Ähm, ja okay. München, bitte relaxen! Wir waren doch alle nur wegen der Musik da – und die hat man selbst ganz hinten, wo wir den Großteil der Konzerte standen, top gehört.

Fotos: Sandra Steh, www.steh.de