Was für ein netter und sympathischer Mensch! Wir haben mit Langhorne Slim von Langhorne Slim & the Law vor seinem Konzert mit The Lumineers in der Münchner Muffathalle über dies und das gesprochen: Was mag er, wen mag er und wie ist das, wenn man sein Privatleben vor Tausenden von Menschen erzählt? – Bitteschön!

Der Herr mit Hut gibt seine Gitarre nicht aus der Hand. Aber nicht nur, weil er sie nicht irgendwo hinlegen will, sondern weil er auch die ganze Zeit auf ihr spielt. Langhorne Slim ist also ein Herzblut-Musiker. Sein“The Way We Move“ hat zumindest mir meinen ganz persönlichen Sommerhit 2012 beschert. Zeit, bestimmte Dinge zu erfragen! Nebenan machen The Lumineers, für die er auf der aktuellen Tour Opener ist, Soundcheck – hach, das Leben ist ein gutes. Auf geht’s!

langhorneDas Album ist dann doch sehr persönlich. Ist es denn seltsam, so viel Privates mit so vielen Menschen zu teilen?
Langhorne meint, er brauche das. Das wäre seine Art von Problembewältigung: Damit man die guten Sachen genießen und die schlechten verarbeiten könne, müsse man ehrlich und direkt sein. Soviel Privates in seinen Songs auch vor Publikum zu verarbeiten hätte eher etwas katharsisches und weniger etwas schmerzhaftes.

Wieso sind auf dem Albumcover von „The Way We Move“ zwei Boxer in schwarz-weiß zu sehen?
Langhorne mag Boxen. Allerdings liegt die entscheidende Antwort viel näher: Das Bild, das jetzt verwendet wurde, war günstiger als das, das sie eigentlich im Sinn hatten. Allerdings gefällt Langhorne Slim & the Law natürlich der Vintage-Look und es passt genau so gut wie das andere.

Langhorne Slim & the Law haben ihr Album via Pledge über ihre Fans finanziert. Ben Folds Five und The Subways haben das auch schon gemacht. War das eine gute Erfahrung?
Jawohl, das lief prima. Das Geld, das benötigt wurde, war schnell zuammen und es hat natürlich nur Vorteile, wenn die Leute, denen die Musik am Herzen liegt, das Projekt mitfinanzieren.

Der Titelsong des Album „The Way We Move“ ist der Song zur neuen Windows-Kampagne und ist in mindestens zwei Soundtracks („21 & Over“ und „Admission“) vertreten. Ist das so großartig wie man es sich vorstellt, wenn der Mega-Konzern Microsoft anklopft und um was fragt?
Ja, offensichtlich schon. Wenn man schon immer Musiker werden will, ist das sicher nichts, von dem man dachte, dass es wirklich passieren würde. Und logo, man erreicht in 30 Sekunden einen Haufen Leute, das ist natürlich das i-Tüfelchen.

130302_steh.de019„The Way We Move“ wurde hauptsächlich in Texas geschrieben, in den Catskills, New York, aufgenommen. Langhorne selbst hat in Portland, Oregon, gelebt und ist in Pennsylvania aufgewachsen. Aber wo ist sein Zuhause?
Wenn es um das „Home is where the Heart is“ geht, dann auf jeden Fall im Moment in Nashville, Tennessee. Vor kurzem ist er dorthin gezogen und obwohl er keine eigene Wohnung dort hat, so ist doch das Herzerl dort im Moment zuhause. Nashville ist Portland aber gar nicht so unähnlich: Abgesehen vom besseren Wetter, zögen im Moment viele Leute wieder in die Metropole des Südens, in der sich Plattenläden, Bars und Aufnahmestudios aneinander reihen. In seiner Liste von Wohnorten fehlt eigentlich nur die Great-Lakes-Region rund um Chicago. Aber keine Sorge: „I like Chicago a lot, too!“, so Langhorne. Letztendlich ist er aber immer so viel unterwegs, das alte Tourbiest, dass er nie wirklich lange  an einem Ort ist.

Da isser ja schon, der Verweis auf die fast immerwährende Tour. Was ist das Beste am „Auf-Tour-Sein“?
Fast zehn Jahre macht Langhorne das jetzt schon so, er kennt also kaum ein anderes „adult life“. Das Leben auf Tour ermöglicht ihm, neue Leute kennenzulernen und Songs zu spielen. Allein das wäre es schon wert. Wenn er zu lange still sitzt, würde er verrückter werden als er eh schon ist, meint er lachend.

Im Moment gibt es ja ein Revival des ganzen Folk- und Americana-Genres. Woher kommt das wohl?
Langhorne meint, dieses Revival begrenze sich nicht nur auf Musik. Es ginge vielmehr soweit, dass die Leute ganz allgemein wieder den „raw, real shit“ suchen und finden wollen und nicht glattes, überbearbeitetes Zeugs bevorzugen. Generationenübergreifend würden die Menschen wieder nach einer einfachen und simplen Wahrheit suchen. Oder das wünscht er sich zumindest.

130302_steh.de004Welche Künstler haben Langhorne Slim beeinflusst?
Nirvanas „Polly“ war einer der ersten Songs, die er auf der Gitarre gelernt hat. Er mag Punkrock, alten Soul und Blues. Bill Withers und die Violent Femmes, Nirvana, Dylan, Otis Redding – wilde Mischung und zuviel um es aufzählen zu können! „American Music“ von den Violent Femmes covern sie auch gemeinsam mit The Lumineers und es ist ein großartiges Cover.

Wie sieht denn ein Tag im Leben des Langhorne Slim so aus?
„Sieht aus wie in einem Tourbus!“ Im Moment würde natürlich viel gefahren, von Location zu Location, dann würde dort gespielt und dann wäre auch schon wieder Schlafenszeit. Es bliebe noch etwas Zeit für andere Dinge, aber so sähe ein Tag an und für sich gerade aus. Was zwischen Fahren, Spielen und schlafen passiert, könne man sich ja in aller Fantasie ausmalen.

Was wäre wohl aus Langhorne geworden, wenn er kein Musiker wäre?
Er hat keine Ahnung. Er wollte schon immer Musiker werden – entweder reich und berühmt oder eben arm und obdachlos, aber es gab nie eine andere Option. Er meint, jetzt wäre er irgendwas mittendrin, aber was für ihn zählt ist: Er ist jetzt Musiker und darüber ist er glücklich.

Hat er denn eine Botschaft, die er an seine Fans weitergeben will?
Nicht wirklich, denn jeder solle sich doch einfach das aus den Songs ziehen, was ihm gefällt. Jeder versteht seine Texte anders und er will keinem seine Meinung aufzwingen. Solange die Lyrics Sinn für jemanden selbst und sein Leben machen, ist Langhorne mehr als zufrieden und hat sein Ziel erreicht.

Wir bedanken uns ganz herzlich für das unkomplizierte und nette Interview und die tip-top Zusammenarbeit mit dem Tourmanagement. Langhorne Slim hat für uns auch noch einen Song zum besten gegeben – in der ersten Münchner Frühlingssonne zwischen den Autos auf dem Hof des Muffatwerks. Den gibt’s dann beim nächsten Mal, hier erstmal die Original-Audiofile unseres Gesprächs über Touren und so:

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Fotos: Sandra Steh/ www.steh.de (2)