2011 lieferten sie eine mitreißende Show im Ampere ab, dieses Jahr durften sie in einer gut gefüllten Muffathalle, der großen Schwester vom Ampere, spielen: The Avett Brothers. Wie war’s? Sehr, sehr schön. Mit im Gepäck als Vorband: Grace Potter aus Vermont.

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Kurz nach acht am Freitagabend in der Muffathalle: Ein langhaariger Typ und eine ziemlich zierliche Blondine betreten die Bühne. Grace Potter und einer von ihren insgesamt vier Nocturnals sind als Vorband für die Avett Brothers auf deren Europatournee mit am Start. Vom amerikanischen Rolling Stone letzten Sommer unter die „Women Who Rock“ gewählt und als Gäste bei Kimmel, Fallon, Leno & Co. eingeladen, sind Grace Potter & the Nocturnals in den USA  keine Unbekannten mehr – bei uns gibt es ihre Alben jedoch bisher noch nicht. Grund genug für die 29-jährige eine bunte Mischung aus ihren fünf Platten zu spielen. Mancher wundert sich vielleicht, dass Grace Potter sowohl ruhig und nachdenklich am Klavier sitzen kann und eine Ballade nach der nächsten rausschmettern kann und dann im nächsten Moment zur ihrer E-Gitarre mit Pailettenumhängegurt greift und headbangend über die Bühne läuft. So oder so, Potter kann nicht nur fünf Instrumente spielen, sondern hat auch eine schöne und ganz schön wandelbare Stimme. Letztendlich, das hat sie uns vorher verraten, spielt sie eben, was sie will und bitte – die Genre-Schubladen schön zulassen! A woman who rocks, in jeder Hinsicht. Den Münchnern gefällt’s und Grace Potter kommt für ihre Zugabe „Stars“ nochmal auf die Bühne.

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2011 haben die Avett Brothers (übrigens ‚æ-ved, das „A“ wird betont) im Ampere ihr letztes Konzert in München gespielt und damit für viele die Show des Jahres abgeliefert. Dieses Jahr füllen sie die Muffathalle, die große Schwester vom Ampere, und spielen wieder einen Gig, an den man sich sehr gern und lang zurückerinnern wird. Die Band um das Brüderpaar Seth und Scott Avett an Gitarre und Banjo eröffnet mit „Down with the Shine“ von ihrem aktuellen Album „The Carpenter“. Darauf folgen ungefähr zwei Stunden lang Songs aus ihrer elfjährigen Schaffenszeit, viele von ihren letzten zwei Alben „I And Love And You“ und „The Carpenter“. Die große Kunst der Avett Brothers ist es, dass sie jeden einzelnen Song mit Leib und Seele performen: Seth und Scott singen so natürlich zweistimmig, alle Instrumente passen so harmonisch zusammen – man mag kaum glauben, dass das offensichtlich live mindestens so gut wie auf Platte funktioniert. Bei den langsamen Liedern wie „February 7“ bleibt das Publikum still und wie angewurzelt stehen und bei schnellen Songs à la „Kick Drum Heart“ klatscht gefühlt jeder den Kick Drum-Herzschlag mit . Da kümmert es auch nicht weiter, dass bei letzterem das für den Song wichtige Piano streikt, Scott Avett gleicht das allein durch seine Bühnenpräsenz aus.

Die Avett Brothers erzählen von ganz persönlichen Dingen und weil die beiden auch nur ganz normale Menschen (aber mit unglaublich schönen und samtweichen Stimmen) sind, kann sich jeder so gut mit ihnen identifizieren. Sie spielen einerseits klassischen Folk-Americana mit dominantem Banjo, wenn ihnen aber danach ist, dann mischen sie ihn mit einer ordentlichen Prise Punkrock-Attitüde. Seth und Scott performen mit ihrer Band so unfassbar harmonisch gemeinsam, wie man es von Brüderpaaren in Bands gar nicht gewohnt ist (Hallo Oasis!): Da fordert der eine nach einem Solo des anderen das Publikum zu einem Extra-Applaus auf.  Sie haben sich bewusst gegen den Graben vor der Bühne entschieden, um einfach keine Lücke zwischen sich und dem Publikum zu haben. Nach ihrem letzten Song der Zugabe, „I And Love And You“ , dem Titeltrack vom 2009er-Album, kommt man einfach  nicht umhin und mag diese Band aus North Carolina noch lieber als zuvor. Und wie letzte Woche wünscht man sich wieder den Rewind-Button. Wieder und immer wieder.

Fun Fact: Die Avetts, Grace Potter, The Lumineers und Langhorne Slim bilden eine Art Quartett. Jeder war für jeden schonmal irgendwie Vorband oder hat mit den anderen gespielt. Während ihrer im Moment laufenden Europatouren haben sich die Wege der vier schon ein paarmal gekreuzt und anscheinend ist das dann wie ein Familientreffen: Sobald man in der gleichen Stadt ist, trifft man sich. So normal sind sie, alle Viere.

So, meine Herrschaften, jetzt kommt’s: Seth und Scott Avett haben sich unfassbare zwanzig Minuten Zeit für uns und unsere Fragen genommen. Vorab können wir schon sagen: Mein Gott, sind die Avett Brothers nett! Ebenso hat Grace Potter von ihrem aktuellen Album „The Lion. The Beast. The Beat“, ihrem europäischen Platten-Deal und ihrer Heimat Vermont erzählt. Alles bald hier.

Fotos: Sandra Steh/ www.steh.de