Es gibt sie noch, die guten deutschen Indie-Bands. tusq ist eine davon. Das Quartett, das sich nicht ganz zwischen Berlin und Hamburg entscheiden kann, hat kürzlich ihr Album „Hailuoto“ auf den Markt geworfen. Klingt gut – und anders als erwartet.

tusq-hailuoto-3760

Hailuoto? Was’n das? Bei Hailuoto handelt es sich um eine kleine Insel vor Finnland, auf der es letzten März immer noch schweinekalt war und auf der Uli, Timo, Holger und Florian alias tusq ihr Album aufgenommen haben. Wie klingt’s? „Nicht typisch deutsch“, fällt einem da als erstes ein – sofern es diesen schwammigen Ausdruck überhaupt gibt. Nicht umsonst wird die Band jetzt auch mit New Order verglichen. Ohooo! Zeit, sich mal nach dem Befinden und den Zukunftsplänen zu erkundigen! Kurz nach ihrer Deutschlandtour nahm sich Multi-Instrumentalist Uli (Gesang, Orgel, Akkordeon, Synthesizer) Zeit und hat uns ein paar Fragen beantwortet. (Per Mail, weil selbst den größten Konzertgänger manchmal die Grippe ans Bett fesselt).

1. Woher kommt Euer Name „tusq“ und hat er eine spezielle Bedeutung?
Der Name ist inspiriert vom Album „Tusk“ der Gruppe Fleetwood Mac. Wir sind jetzt keine richtigen Fans und unsere Musik ist nicht unbedingt von dieser Band beeinflusst, aber unser Gitarrist Timo hat damals als wir einen Bandnamen suchten „Tusk“ auf seinem MP3-Player rauf und runtergehört. Als er den Namen vorschlug, waren wir uns nach einiger Zeit alle einig, dass das gut passen könnte. Um dem ganzen eine persönlichere Note zu geben und um uns auch von einigen Fleetwood Mac Cover Bands abzugrenzen, haben wir uns für ein „Q“ am Ende des Namens entschieden.

artikel2. Wie bringt man Berlin und Hamburg unter einen Hut, musikalisch wie logistisch?
Man schreibt viele Emails und fährt viel mit dem Zug. Wir proben in längeren Blöcken, so dass sich die Hin- und Herfahrerei im überschaubaren Rahmen bewegt. Musikalisch gibt es überhaupt keine Verständigungsprobleme. Sobald wir alle zusammen in Hamburg im Proberaum stehen, läuft es wie von alleine.

3. Ihr tourt ja in der ganzen Weltgeschichte rum. Gibt es da einen Ort, ein bestimmtes Konzert oder ein Land, das Euch nachhaltig geprägt hat oder Euch extrem überrascht hat?
Da gibt es viele Erinnerungen und viele Geschichten. Brasilien, Argentinien und Russland sind uns besonders positiv in Erinnerung geblieben. Dort wurde uns so viel Sympathie und Euphorie entgegengebracht, da hätten wir vorher niemals mit gerechnet. Man muss aber auch sagen, dass es etwas Besonderes ist, wenn dort eine deutsche Band auf der Bühne steht. In Hamburg, Köln, München und Berlin haben wir natürlich keinen Exotenbonus, da muss man sich die Begeisterung stärker erspielen.

4. Eure besten Fans wohnen in……
Überall!

5. Wie waren die Aufnahmen auf dem finnischen Eiland Hailuoto? Würdet Ihr das wieder machen oder an einem ähnlich ungewohnten Ort aufnehmen? Und wie ist das, wenn man im März, wenn der Frühling endlich kommt, gen Norden zieht?
Wir haben unsere ersten beiden Platten in Finnland aufgenommen und uns dort sehr wohl gefühlt. Auf Hailuoto war es sehr abgeschieden, idyllisch und inspirierend. Die Natur dort ist einfach atemberaubend und die Ruhe dort hat uns die Möglichkeit gegeben uns voll auf die Aufnahmen zu konzentrieren. Klar, waren wir ein bisschen neidisch als in Deutschland schon alle mit dem Grill im Park lagen und wir immer noch -10 Grad auf dem zugefrorenen Meer spazieren gegangen sind. Aber Nordlichter sieht man eben auch nicht alle Tage und insgesamt war das so eine besondere Zeit, da denken wir alle immer wieder gerne dran zurück. So eine Zeit kommt nicht einfach so wieder. Ob wir dort noch einmal aufnehmen, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir würden definitiv gerne noch ein Album mit unserem Produzenten Jürgen Hendlmeier machen, aber vielleicht denken wir uns einfach einen anderen verrückten, abgelegenen Ort aus.

6. Wie steht’s um Eure Finnisch-Kenntnisse?
Die sind leider mager. Das beschränkt sich lediglich auf Lapin Kulta und Sauna tekke hyva.

7. Ab und zu erinnert Ihr mich auf Eurem Album an britische Bands der Neunziger (keine Sorge, die guten!). Gibt es einen Künstler von der Insel, den Ihr besonders mögt?
Klar, es gibt viele englische Bands, die wir gerne mögen. Ganz hoch im Kurs bei unserem Gitarristen Timo liegen die Rolling Stones und insgesamt kamen aus Großbritannien einfach viele wichtige Platten, die uns beeinflusst und geprägt haben. Wir mögen natürlich auch Joy Division, New Order, usw. womit „Hailuoto“ ja derzeit des Öfteren verglichen wird….

8. Und wen mögt Ihr sonst so?
Junip, Here We Go Magic, The Soundtrack Of Our Lives, ach die Liste ist lang und ändert sich ständig….

9. Das Jahr ist ja noch jung und Ihr habt schon eine Deutschlandtour hinter Euch. Was steht 2013 noch bei Euch auf dem Plan?
Wir werden weiter versuchen so viel mit dem neuen Album zu touren wie es nur geht. Im April spielen wir eine kleine Europatour mit Konzerten in Finnland, der Schweiz und Russland. Im Sommer werden wir natürlich auch einige Festivals spielen. Und dann schauen wir mal. Vielleicht schreiben wir ja auch einfach mal ein paar neue Songs.

Wir sagen „Danke!“, freuen uns auf neue Songs und Konzerte – da sind wir dann auch in echt vor Ort! Bis dahin beamen wir uns mit „Hailuoto“ auf finnische Mini-Inseln:

„Hailuoto“ von Tusq ist am 18. Januar bei Strange Ways/Indigo erschienen.

Fotos: Dennis Dirksen (2), Astrid Hüller