specter-at-the-feastEin bisschen Anlauf braucht sie, die neue Scheibe vom Black Rebel Motorcycle Club. Am 22. März erscheint „Specter at the Feast“ der Kalifornier, ihr mittlerweile  siebtes Studioalbum. Obacht, eine klare Linie kann man nicht erkennen. So ist das mit Rock’n’Roll!

Irgendwie geht es komisch los, wie der Beginn zu einer Krimiserie. Während des ersten Songs „Fire Walker“ des neuen BRMC-Albums fragt man sich leider unweigerlich: Whatever happened to my Rock and Roll? Als dann endlich der Bass samt Gesang einsetzt, wird es nicht wirklich schneller oder mehr Rock’n’Roll, aber Sänger Robert Beens Stimme wirkt schon beruhigend: Ja, es handelt sich um eine Platte des Black Rebel Motorcycle Clubs.

Den zweiten Song „Let the Day Begin“ kannte man ja schon als Single vorab und ja, da ist er ja der Black Rebel Motorcycle Club – wenn auch in einer Coverversion von The Call versteckt. Der Frontmann von The Call war Michael Been, Robert Beens Vater, und man ahnt es spätestens jetzt: Dieses Album ist geprägt von Trauer und Verlust des Vaters im Jahr 2010. Und Trauer. Und nochmals Trauer. Der BRMC war noch nie die lustigste Band im Block, sondern eher die für Herzschmerz an sehr nebligen und verregneten Herbsttagen, für „the weight of the world“, die man schultern muss. Aber auf „Specter at the Feast“ klingt Robert Been (verständlicherweise) wirklich sehr, sehr tarurig. Anscheinend hat er auch viel The Verve gehört, alles Knarzige aus „Spread Your Love“ ist erstmal fort. Soviel sei verraten: Die Knarzstimme taucht auch nicht im dritten und vierten Track des Albums auf. Grad zweiterer klingt wie ein psychedelischer Folksong. Man darf das hier nicht falsch verstehen: Es klingt nach wie vor gut – nur eben einfach so anders als erwartet. Immer, wenn ich Black Rebel Motorcycle Club höre, denke ich nämlich an einen ganz markanten Rhythmus der Drums, eine Bassline, ein Gitarrenriff und Beens melodiös gesehen relativ einfachen Gesang. Mitwackelmusik für Jungs und Mädels in schwarzen Lederjacken von 2001 halt.

photo-web__galerieBigOffensichtlich geht es der Band da selber auch so: Sie macht nämlich im fünften Song „Hate the Taste“ alles so wie vor zwölf Jahren und alle oben genannten Eigenschaften, die B.R.M.C-Songs letztendlich für viele ausmachen, sind in Reinstform vertreten. Endlich! Und weil es so schön ist, machen wir in „Rival“, seines Zeichens Nummer 6 der Tracklist, gleich so weiter. Wie nennt man das gleich? Achja, Rock’n’Roll!

Erst bei „Some Kind of Ghost“ wird’s wieder ruhiger, ja kuschlig fast mit dem Dauerton der Hammond-Orgel im Hintergrund. Kuschlig und ruhig bleibt es im großen und ganzen auch – „Funny Games“ bildet da nochmal die große Ausnahme in den Schluss-Songs. Man möchte in „Lose Yourself“, dem letzten Song, eigentlich mit Been weinen.

Der Black Rebel Motorcycle Club hat sich bei „Specter at the Feast“, einem doch sehr persönlichen Album, für eine Mischung aus neuen, ruhigen und traurigen Songs und dem alten heißen Scheiß von 2001 entschieden. Wilde Mischung! Natürlich ist es bewundernswert, wenn sich eine Band weiter entwickelt, neue Sachen ausprobiert und auch offen trauert, allerdings ist dieses Album des Black Rebel Motorcycle Clubs einfach eher „black“ als „rebel“ – und für manchen vielleicht anders als erwartet.

2003 wurde ein Konzert des BRMC in Leeds nach der Hälfte abgebrochen, weil die Veranstalter Angst hatten, dass der Boden der Springerei und Tanzerei des Publikums nicht mehr standhalten würde  – diese Gefahr ist bei „Specter at the Feast“ nicht gegeben. Die Antwort auf „Whatever happened to my Rock and Roll?“ bleiben sie uns noch immer schuldig. Vielleicht verraten es die drei Black Rebels  ja auf der Tour. Da freuen wir uns schon drauf!

„Specter at the Feast“ vom Black Rebel Motorcycle Club erscheint am 22. März bei Cooperative Music/ Universal.

Fotos: PR