Die Zeiten von „Emily“ sind vorbei: Adam Green hat gemeinsam mit Binki Shapiro ein Album über gebrochene Herzen aufgenommen. Am Dienstagabend haben sie es live im Münchner Strøm performt. Mit als Opener im Gepäck: Kieran Leonard.

Vorab: Ich war nie der größte Adam Green-Fan, vielleicht wegen der Fanschar von Hipsters, die alles toll fanden – von Stefan Raabs Schoß, auf dem er saß, bis zu seinem Suhrkamp-Buch, das sich mir nicht erschließen wollte. Ja, ich habe sogar schon einmal Tickets für ein Konzert weitergeschenkt. Anders ist es dieses Mal: Adam Green hat gemeinsam mit Binki Shapiro  ein Album mit bittersüßen Duetten über kaputte Lieben und Selbstzweifel, sprich: Erwachsenwerden und -sein, aufgenommen. Bittersüß deshalb, weil sie wie mit Kaugummi in Pop-Melodien wie aus den Sechzigern verpackt sind und bitter, weil sie, na weil sie von Liebeskummer handeln. „My Heart is everywhere splitting out like thunder/everybody is cheating on each other“, um in Adams Greens Worten zu sprechen.

Die beiden spielen eine Stunde im ausverkauften Strøm, danach gibt’s noch Zugaben. Sie scheinen sich blendend zu verstehen, Adam und Binki, und wenn man alt eingesessene Adam Green-Fans fragt, dann sind sie von Binkis Bühnenpräsenz nicht allzu begeistert. Nicht die sympathischste wäre sie. Aber sie singt toll, da sind sich alle einig. Ja, sie kann sein wie Nancy Sinatra, wenn sie in ihr Mikro haucht und scheinbar über den Dingen steht. Und Adam Green kann auch immer noch Adam Green sein: Plötzlich springt er ins Publikum und lässt sich fast bis zum Mischpult auf den Händen seiner treuen Anhängerschar tragen. Ebenso wie früher ist es, wenn er „Friends of Mine“ performt – den Song, der neben „Emily“ seinen großen Durchbruch besiegelt hat. Wenn Green und Shapiro in einem ihrer wunderbar zauberhaften Duette darüber sinnieren, dass selbst Greens „Lolitas“ erwachsen werden, ist man sich schließlich sicher: Green wird vielleicht nie zum Hipstertum zurückkehren. „Couldn’t last forever“ resigniert er. Macht nix, so ist es besser – glaub mir.

Im Vorprogramm haben die beiden Kieran Leonard dabei: Ein gebürtiger Ire, der inzwischen aber in London lebt, und für keine geringeren als The Libertines und Bob Dylan schon Opener war. Er sieht aus wie Kurt Cobain wie er da ohne Band nur mit seiner Gitarre auf der Bühne steht und seine Stimme klingt manchmal verdächtig, aber gut, nach einem alten Gavin Rossdale (den aus „Glycerine“-Zeiten). Es ist immer wieder beeindruckend, wie wenig es braucht um Leute zu bewegen. Kieran Leonard hat das vor den 500 Besuchern geschafft. Wer sein Debüt kaufen wollte, hatte allerdings Pech: Alle CDs ausverkauft, erst zum Konzert in Frankfurt kommt Nachschub von der Insel. Unser Tipp: Kaufen, Leute, kaufen!

Leonard hat sein erstes Album „Out Of Work Astronaut“ selbst produziert, dieses Jahr erscheint sein Erstlingswerk nochmal am Record Store Day am 20. April auf Vinyl. Selbst Ridley Scott wurde schon als Produzent auf den Iren aufmerksam: Für seinen Film „Life in a Day“ hat er sich Leonards „Jerusalem“ für den Soundtrack organisiert. Der junge Herr macht einen sehr netten Eindruck wie er da oben steht und fragt, wie die deutsche Übersetzung für „Hangover“ ist. Dann singt er als Abschiedssong seines Konzerts von einem Hangover, den er hoffentlich nur symbolisch gut und gerne ein Jahr hatte und mit dem es ihm eigentlich besser geht, weil er dann besser arbeiten kann. Den Dauerkater braucht er für sein Nachfolgewerk aller Voraussicht nach nicht: Dafür bekommt er vermutlich Unterstützung von einem Freund. Von wem? Keinem geringeren als dem von uns höchst geschätzten Ryan Adams. Na sauber, den Kieran merken wir uns!

Foto: lauren Dukoff (Gern würden wir Euch hier Fotos vom Konzert zeigen, aber weil es so voll war, sind wir sehr weit hinten gestanden. Stellt Euch einfach 500 begeisterte Zuschauer vor! Und wie es sonst bei ihren Konzerten zugeht, seht Ihr hier.)