Ein verführerischer Frauenhals. Ein dezent erotisches Schwarz-Weiß-Foto. Ganz klar, ein Cover im 80s-Look. Irgendwie erinnert das alles ein wenig an Sade, die vor 30 Jahren mit ihrem smoothen Soul Fahrstuhlmusik sexy machten. Beim Hören von Rhyes Debütalbum „Woman“ blitzt die Ära der Schulterpolster zwischendurch auf – im positiven Sinn. 
rhyeVor lauter Weiblichkeit geht schnell unter, dass die zart-zerbrechliche Stimme, die sich durch Rhyes Album „Woman“ zieht, einem Mann gehört. Rhye, das sind der kanadische Produzent Mike Milosh und der dänische Sänger Robin Hannibal. „Meine Stimme ist in den letzten Jahren so oft mit der von Sade verglichen worden, dass mir das inzwischen gar nichts mehr ausmacht“, stellt Robin Hannibal klar und fügt hinzu, Frauenstimmen hätten ihm schon immer zugesagt. „Das mag daran liegen, dass sie so etwas Beruhigendes haben. Etwas Tröstendes. Geborgenheit ist es vielleicht.“

Zusammen haben die beiden Musiker für ihre erste Platte zehn reduzierte, moderne R’n’B-Songs aufgenommen. Kühle Syntie-Beats unterlegen die warme Stimme von Robin Hannibal. Letzterer war zuvor Teil des dänischen Avantgarde-R’n’B-Duos Quadron. Über eine Remix-Arbeit fanden Rhye schließlich zusammen.

In einer kleinen Wohnung in Los Angeles machten sie sich bei sommerlichen Temperaturen an die Aufnahmen ihres gemeinsamen Debütalbums. Ein paar Aufnahmegeräte, Mikros, eine Gitarre und ein kleiner Ventilator waren genug.
Inspirieren ließen sich Rhye nach eigener Aussage u.a. von „Musik, die den Puls ankurbelt“. Dabei sprechen die beiden wohl von einem eher ruhigen Herz-Groove. Die meisten Songs des Debütalbums sind hervorragend für sonntagmorgendliche Deckenschlösser-Sessions – wie etwa das verträumt vor sich hin bobbelnde „Open“. Beruhigend, tröstend, wie die Frauenstimmen eben.

Ein bisschen mehr Drive hin und wieder wäre sicherlich nicht verkehrt. Aber letztendlich ist das Rhye-Album eben kein Einheizer für wilde Party-Nächte – eher fürs Aufwachen danach. Eine Ausnahme bildet „3 Days“ – wenn die anfänglichen Harfen(?!)-Klänge  verstummen, gibt plötzlich ein minimalistischer Beat den Takt vor, getragen von Robin Hannibals betörendschönen, samtweichen Stimme. Für alle, die am Sonntagmorgen gerne etwas länger liegen bleiben.

„Woman“ von Rhye ist Ende März bei Universal Music erschienen.

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