Lange haben wir in München gewartet, reich wurden wir belohnt: Die Sportfreunde Stiller haben vor knapp 2000 Leuten im Münchner Kesselhaus einen famosen Querschnitt durch alle ihre Alben gespielt. Die Belohnung an die Sportis: Publikumsgesang, wie er in der Allianz-Arena nicht lauter sein könnte.

_66B8567Freitagabend vor dem DFB-Pokalfinale gegen 21.15 Uhr: Peter, Rüde und Flo von den Sportfreunden Stiller betreten die Bühne und legen mit bissl Anlauf mit der „Hymne auf Dich“ von ihrem neuen Album „New York, Rio, Rosenheim“ los. Nicht viel später bedankt sich Peter Brugger zum ersten Mal: Dass die Fans in München gewartet haben und dass jetzt doch alle da sind und wie sehr es die Band freut zuhause zu spielen. Und dass die Münchner letzte Woche den Champions League-Pokal geholt haben. Ab diesem Zeitpunkt gleicht das Kesselhaus in den Pausen zwischen den Songs der Südkurve in der Allianz-Arena: Fan-Gesänge des FC Bayern, immer wieder. Bassist Rüde und Sänger Peter, bekennende Bayern-Fans, wird’s gefreut haben. Ein leises „Die Sonne scheint bei Tag und Nacht im Grünwalder Stadion“ für den bekennenden 1860-Fan Flo geht leider komplett unter.

In den nächsten zwei Stunden spielen die drei aus Germering ihr Heimspiel und es ist großartig: „Applaus, Applaus“, „Lass mich nie mehr los“, „7 Tage 7 Nächte“, „New York, Rio, Rosenheim“ – sie haben die Crème de la Crème ihrer Alben für München herausgesucht und fein gemacht. Schönster Moment  der eigentlichen Show: 2000 Leute singen aus vollsten Kehlen „Ein Kompliment“ mit. Wenn man schon als Zuschauer schon völlig gerührt ist, dann kann man sich gar nicht vorstellen, wie sich die Band fühlt – der Song ist inzwischen ja schon elf Jahre alt und die Münchner können ihn wirklich immer noch Wort für Wort mitsingen. Älter sind nur noch „Wellenreiten’54“ und „Fast wie von selbst“, die natürlich auch nicht fehlen. Beide Songs erinnern die Zuschauer daran, wieso sie die Sportfreunde so gerne mögen: Weil sie den Spaß an der Sache nie verloren haben und weil sie unglaublich schöne Texte schreiben können ohne auch nur im Ansatz verkitscht zu sein.

„1. Wahl“ wird gekoppelt mit dem Refrain von „54, 74, 90, 2006“ und das war’s dann auch schon fast mit den Fußball-Songs. Fast. Denn in der Zugabe spielen sie den einen, den großen Song zu Ehren eines Fußballers, der nicht auf jeder Setlist zu finden ist: „Ich, Roque“. Roque Santa Cruz, einstmals Profi beim FC Bayern spielt schon lange nicht mehr in der Stadt, der Song ist jedoch zeitlos.

Nach zwei Stunden ist das ganze Spektakel vorbei. irgendwie zu schnell, weil man ja noch mehr Songs mit den Buben hätte mitsingen wollen. Es ist verwunderlich, man dachte damals bei der ersten Show der Sportfreunde Stiller im Münchner Olympiastadion, sie wären auf ihrem Höhepunkt angelangt. Dann dachte man bei der Nummer 1 in den Charts mit „54, 74, 90, 2006“: „Mehr geht nicht“. Und doch, mit diesem Konzert haben die Sportfreunde Stiller gezeigt, dass da noch einiges drin ist: Bewusst eine kleinere Location als die Olympiahalle, eine exzellente Mischung aus Songs all ihrer Alben. Dabei bleiben sie so sympathisch wie bei ihren ersten Songs und Shows noch im 20. Jahrhundert. Jungs, bleibt so, bitte – hört niemals damit auf!  Wir verneigen uns vor unseren Lokalhelden.

Fotos: Sandra Steh/ www.steh.de