Am 1. Juni starteten Depeche Mode ihre Deutschland-Tour im Rahmen ihrer „Delta Machine“-Welttournee mit einem Gig im Olympiastadion in München. Trotz des so genannten „meteorologischen Beginns“ der warmen Saison streckte uns der Sommer den Mittelfinger entgegen. Immerhin: Es regnete nicht.

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Shake it, Baby

264 Kostümwechsel? Pf, hat er gar nicht nötig. Dave Gahan wechselt während der zweistündigen Show dreimal seine Weste, mehr braucht er nicht. Schwarze Hose, schwarzer Schal und eine Weste, dazu ein bisschen Kajal – fertig ist der Superstar. Während andere Größen wie Madonna viel Getöse machen, braucht der charismatische 51-Jährige mal eben mit der Hüfte zu wackeln, schon gerät das Publikum in Ekstase.

Überhaupt, dieser Gahan. Lasziv, aber nicht aufdringlich oder aggressiv, lässt er seine Hüften kreisen, greift sich immer wieder in den Schritt, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, diese Geste bewusst und berechnend einzusetzen. Er ist die geborene Rampensau, aber mit minimalistischer Gestik, mit einem Charisma, das bis in die obersten Ränge des ausverkauften Olympiastadions strömt. Mit seiner Präsenz beweist der Sänger mit der charakteristisch tiefen Stimme: Einer der letzten globalen Superstars ist hier am Werk.

Bemerkenswert ist das Grinsen, das er im Gesicht hat: Der Kerl stand auf den wirklich großen Bühnen der Welt, hat gerade in Deutschland eine Anhängerschaft, die ihresgleichen sucht, und trotzdem hat man als Zuschauer keinen Moment lang das Gefühl, als wäre das alles Show. Er freut sich offensichtlich, wenn Zehntausende seine Songs aus den Achtzigern immer noch mitsingen können.

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Depeche Mode spielten sich einmal quer durch ihr umfangreiches Repertoire. Neben zahlreichen Songs des neuen Albums, „Delta Machine“, waren es vor allem die älteren Songs, die die Fans begeisterten. Bei Klassikern wie „Enjoy The Silence“ oder „Just Can’t Get Enough“ verwandelte sich das Olympiastadion kurzzeitig in eine Freiluft-Elektro-Disco mit extrem guter Videoshow. Dass Hits wie „People Are People“, „John The Revelator“ oder „Everything Counts“ fehlen, fällt einem erst nach dem Konzert ein. Selbst als Gahan, den das Publikum wie einen Guru feierte, in den Hintergrund trat und Martin Gore die Ballade „Home“ aus dem Album „Ultra“ ansang, stimmte das Publikum wie ein Riesenchor bei den langsamen Takten ein.

Überhaupt: Wir alle sollten für dieses Album dankbar sein. 1997 als Comeback gefeiert war es vor allem ein Comeback für Gahan, der davor an einer wilden Überdosis aus Heroin, Kokain und anderem Zeugs fast hops gegangen wär. Erst seit diesem Album schafft er es wieder mit seiner Band, effektiv zusammenzuarbeiten. Dass der Herr vor drei Jahren Krebs besiegt hat, merkt man bei der Energie, mit der er auf der Bühne von links nach rechts und wieder zurück läuft, auch wirklich nicht.

Nach zwei Stunden setzt bei „Never Let Me Down Again“ leichter Sprühregen ein. Es ist kurz nach 23 Uhr, der Regen spielt also den eigentlichen Rausschmeißer. Bis sich Flechter, Gahan und Gore von der Bühne wirklich verabchiedet haben, vergehen aber fast zehn Minuten. Zurück bleibt ein rundum euphorisiertes und glückliches Publikum. Und der Regen, der pünktlich nach dem Konzert wieder ganz einsetzt.

Hin und weg von den Herren waren Renzo und Ursi, die hier gemeinsam ihre Eindrücke verwurstet haben.

Fotos: PR, Album-Launch „Delta Machine“ am 24. März 2013 in Wien/Markus Nass