Wenn ein Song ein einem Matthias Schweighöfer-Film läuft, ist das für mich nicht gerade ein Qualitätsmerkmal. Anders ist das bei Josh Kumra: Dessen Song „The Answer“ lief   offensichtlich in „Der Schlussmacher“. Das Album „Good Things Come to Those Who Don’t Wait“ ist entgegen aller Vorahnungen von Schweighöfer-Schweiger-Schmonzetten vor allem eines: sehr abwechslungsreich.

JoshKumra_Album_klSchon vor zwei Jahren konnte der Viertel-Inder Josh Kumra im Königreich einen Nummer 1-Hit vermelden: Seine Hookline zu „Don’t Go“ verhalf dem Rapper Wretch 32 unverhofft zur Poleposition der englischen Charts. Jetzt bringt er hierzulande sein Album raus, auf dem er ziemlich gekonnt diverse Stile miteinander mischt und sich deshalb nicht wirklich in eine Schublade stecken lassen will. Mal ist es Pop, mal hat er einen Elektro-Beat im Gepäck, dann auch gern einen ganzen Gopselchor oder auch nur eine „Yeah Yeah“ singende R’n’B-Mietze. Der junge Brite pfeift jedoch nicht nur auf Schubladendenken, sondern auch auf ziemlich viel anderes: Auf dem Album findet sich ein Schwung Liebeslieder und Trennungslieder, allerdings klingt keines davon schnulzig. Das Album klingt dank an den richtigen Stellen eingesetztem Klavier oder besagtem Gopselchor immer eher leicht und die Bank durch interessant – anders eben. Dann aber auch wieder nicht so leicht, dass man es nur nebenbei laufen lassen könnte: Kumra ist es gelungen unaufdringliche Ohrwürmer zu schreiben und aufzunehmen.

Manche vergleichen Josh Kumra mit James Blake – und bei seinem Song „Reckless Love“ ist das vielleicht auch gar nicht zu weit hergeholt. Allen Liedern gleich ist, dass Kumras samtweiche Stimme im Vordergrund steht. Ab und zu gibt er in seinen Texten den Player und Herzensbrecher, dann wieder den, dem gerade das Herz gebrochen wurde. Irgendwie singt er ordentlich mit und von seinem Herz. Und ja, natürlich haben wir alle schon tausend und einen Lovesong zuviel gehört, allerdings kombiniert der Brite seine Liebeleitexte mit diversen musikalischen Elementen, sodass irgendwie doch aus jedem Track ein Ohrwurm wird – aller Belanglosigkeit zum Trotz. Dank seinem wilden Stilmix auf seinem Debüt schafft Kumra auch eines, was „Achtohrkarnickel“ sicher nicht schaffen würde: Es wird auch bei mehrmaligem Hören nicht fad.

Vielleicht kein Album für die Ewigkeit, aber dennoch eines, das uns mit leichten und einfach schönen, poppigen Songs in einer wilden Stilmischung durch den bisher relativ verregneten Sommer kommen lässt.

„Good Things Come to Those Who Don’t Wait“ ist am 31. Mai bei Sony erschienen.

Foto: PR