Sarajevo, Frankreich, Griechenland, Schweden, Holland, Russland – die Titel auf der neuen Platte von LaBrassBanda aus Oberbayern lesen sich wie ein Interrail-Ticket. Wie kam’s dazu und ist man noch traurig über die Nicht-Teilnahme an der Eurovision? Tubist Andreas hat es uns erzählt.

Europa_Cover_Jewelcase„Europa“ – in Zeiten der großen Euro-Krise bringen LaBrassBanda die Gaudi zurück auf unseren Kontinent. Insgesamt 14 Songs finden sich auf dem Album, das nicht nur einzelne Länder und Städte auf diesem unseren Kontinent feiert, sondern auch die Mädels Vroni, Jaqueline und Jasmin und alles, was in Oberbayern dazu gehört : zu spät dran sein, am See rumliegen, endlich etwas machen, weil es ja doch einfach auch funktionieren kann. Heruasgekommen ist mit „Europa“ eine Platte, die nicht nur ein wilder Stilmix ist, sondern auch das Können der Fünfe zeigt: Egal, welche Richtung, egal, welcher Sound – sie sind allem gewachsen. Den ruhigen Instrumentalnummern ebenso wie den unfassbar schnellen, technoartigen Songs – natürlich alle schön auf bairisch!

Leute, geht zu den Konzerten, jedes einzelne ist ein Erlebnis! Wir haben mit Andreas Hofmeir, seines Zeichens Tubist der Band und auch Professor am Salzburger Mozarteum, im Biergarten telefoniert und uns erkundigt, wie es denn um Europa eigentlich so steht.

In welchen von Euch besungenen Städten und Ländern Europas wart Ihr schon in echt?
Wir waren schon in England, wir waren schon in Frankreich, in Russland, in Sarajevo. In Schweden habe ich studiert. In Griechenland waren wir noch nicht, aber einer von uns hat eine griechische Freundin. Und der mit der griechischen Freundin ist aus Holland, hat aber die doppelte Staatsbürgerschaft – Holländer und Bayer.

In einer Pressemitteilung zu „Europa“ steht, dass Oberbayern für Euch auch in Sibirien zu finden war. Ist das echt so?
Die Leute dort sind ein wenig abgeschottet, die sitzen dann beinander und reden nicht viel. […] Schon ein bisserl wie bei uns daheim. Deswegen war [Russland] ganz vertraut.

Wie funktioniert Euer Song „Holland“ live? Ihr spielt auf der Bühne immer doppelt so schnell und das ist das Lied, bei dem ich mir das nicht vorstellen kann, weil es eh schon so schnell ist. Kann da noch wer mitsingen?
Wir haben „Holland“ schonmal live gespielt und da spielen wir es einfach noch schneller. [Unser Sänger] Stefan kann es selber eigentlich schon nicht mehr singen, da weiß ich aber nicht, ob da noch jemand mitsingen kann.

LBB-2011_8„Frankreich“ klingt für mich wie eine Mischung aus Eurotrash, Daft Punk und Jean-Michel Jarre. Wo kommt das denn her?
Oh, ich bin bei uns eher der, der für die klassische Musik zuständig ist. Soviel ich aber weiß, ist Stefan großer Daft-Punk-Fan, ebenso wie unser Schlagzeuger, deswegen war so ein Song vermutlich überfällig.

„Russland“ macht eher einen getragenen Eindruck. Funktioniert der Song trotzdem live?
Ja, den spielen wir schon live. Kommt immer darauf an, wieviel Zeit wir haben. Aber wenn wir ein langes, eigenes Konzert spielen, dann brauchen wir natürlich auch ruhigere Nummern, damit die Leute runterkommen und wir auch verschnaufen können. Außerdem gibt es zum Beispiel bei einem Open-Air nichts Schöneres, als wenn man mal ein ruhigeres Lied hat und schaut zum Himmel. Traumhaft! „Russland“ haben wir schon eine Zeit im Repertoire und es funktioniert super.

Auf Wikipedia steht, dass Ihr eine Mischung aus Neuer Volksmusik, Brass, Reggae und Punk macht. Geht noch was ab oder stimmt das wirklich?
Wir machen uns ehrlich gesagt alle nicht so viele Gedanken, wo man unsere Musik hinklassifizieren soll. Wenn wir das machen würden, dann würden wir uns auf irgendein Genre festelegen und das ist genau das Konzept der Band – dass wir das nicht machen, sondern komplett offen sind gegenüber jeder Stilrichtung.

Auf Eurer kommenden Tour startet Ihr als Support für Die Ärzte. Wird das eher spannend oder seid Ihr es gewohnt, für eine Punk-Band zu eröffnen?
Wir haben bisher nur einmal für eine Punkband eröffnet, das war bei einem Weihnachtskonzert von Die Toten Hosen. Am Anfang der Bandgeschichte waren wir Support für eine Gothic-Band, das war schon skurril genug. Da ist das mit Die Ärzte schon ein kleinerer Spagat, als vor 3000 Totenköpfen auf T-Shirts zu spielen.

Wart Ihr denn überrascht von der extrem hohen Nachfrage für Eure Soloshows, sodass inzwischen schon einige Zusatzkonzerte in Eurem Terminkalender stehen?
Der Vorverkauf von der Tour läuft sehr gut, die Nachfrage ist enorm. Man merkt, dass die Leute wieder hungrig sind: Nach dem einen Jahr, in dem wir mehr oder minder Pause gemacht und nur ein paar Festivals gespielt haben, sind die Leute offensichtlich wieder heiß darauf, mit der Band zu feiern.

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Spielt Ihr Eure Konzerte immer noch barfuß und springt Ihr immer noch ins Publikum für eine Runde Polonaise, wie Ihr das sowohl auf den kleinen Konzerten zu Anfangszeiten gemacht habt als auch in der Münchner Olympiahalle vor 12.000 Menschen?
Ja, wir spielen immer noch barfuß und das wird sich auch nie ändern. Bei den Shows mit Die Ärzte laufen wir aber nicht ins Publikum, soviel Zeit haben wir nicht. Bei den wirklich großen Arenen braucht man wirklich Zeit für so eine Runde. Aber sonst [bei den Solokonzerten] schon!

So, letzte Frage: Eurovision. Ihr wart ja im Vorentscheid zur deutschen Teilnahme weit vorn. Tut Euch das noch Leid, dass es da eine komische Jury-Entscheidung gab und Ihr Cascada den Vortritt geben musstet oder steht Ihr einfach drüber?
Ich war eigentlich eher froh. Ich hatte im Mai schon so viele Termine, die hätte ich alle absagen müssen. Aber ich hab auch gar keinen Fernseher…

„Europa“ von LaBrassBanda erscheint am 14. Juni bei Sony.

Fotos: Sonja Herpich, Gerald von Foris