Heute erscheint das Album „Live at St. Matthews Church“ von Paper Beat Scissors. Die kanadische One Man-Show alias Tim Crabtree hat in intimer Atmosphäre eine ganz besondere Show eingespielt. 

PBS - nick wilkinson_smDie Canadian Broadcasting Company hat das Projekt Paper Beat Scissors des Briten Tim Crabtree, der nach Halifax ausgewandert ist, zum „Must See“ Act des Sommers 2012 ernannt. Wir hoffen, dass diese Welle in diesem Sommer noch ans europäische Festland schwappt. Paper Beat Scissors ist schöne Musik – elektronische Loops treffen auf gezupfte Akustikgitarre treffen auf leisen, fast elfengleichen Gesang des Briten. Er ist jemand, den man live gesehen haben sollte: Er steht allein auf der Bühne, zupft auf seiner Gitarre – und das Publikum sieht ihm gebannt dabei zu. Leute mit einer dermaßen minimalistischen Show in seinen Bann zu ziehen muss man erstmal schaffen. Paper Beat Scissors gelingt das mit links.

Im Rahmen des Halifax-Jazzfestivals trat er als Vorband einer seiner Lieblingsbands in der St. Matthews Church auf: Clogs. Die größtenteils Klassik-Formation, die von The National-Gitarrist Bryce Danner gegründet wurde, war von Crabtree so begeistert, dass sie sogar auch einen Song mit ihm performten, der sich auch auf dem Album findet. Aber nicht nur das: Der gebürtige Brite ist auch großer Fan von The Notwist und Elliott Smith, dessen Songs er auch mal live covert. Genauer erklären kann das Crabtree aber alles selbst:

Wie würdest Du Deine Musik beschreiben?
Orchestraler Indie-Folk. Es ist schwer zu beschreiben: Gezupfte Gitarre und Gesang stehen im Mittelpunkt und dann baue ich den Rest darum – orchestrale und elektronische Elemente. Ab und zu benutze ich auch das Wort „Elektro-Folk“ um meine Musik zu beschreiben, obwohl das auch eine nicht allzu oft vorzufindende Stilrichtung ist. Ich komme nicht aus einem Folk-Umfeld, ich spiele einfach nur eine akustische Gitarre – deswegen hat es diesen Folk-Touch, obwohl mich diese Musikrichtung eigentlich nicht inspiriert.

Auf Deinem ersten Album hattest Du prominente Unterstützung: Jeremy Gara von Arcade Fire. Habt Ihr wie Arcade Fire in einer Kirche aufgenommen?
Nein, wir waren nicht in einer Kirche, aber ich habe die Drums in einer Confidence Lodge aufgenommen. Ich weiß nicht genau, ob die Inhaber von dieser Lodge eine religiöse Gruppierung sind – sie sind irgendwo zwischen den Freimaurern und der Heilsarmee. Jedenfalls ist diese Lodge ein altes, dreistöckiges Haus am Wasser in Nova Scotia und dieser Aufnahmeort hatte durchaus sein ganz besonderes Flair. Die Vocals habe ich auch in einer kleinen, geheimen Kammer der Lodge aufgenommen, zu der nur Mitglieder Zutritt haben – mit Guckloch und allem, was dazugehört. Die Arbeit mit Jeremy war toll: Er ist ein unglaublich bodenständiger Mensch. Alle Mitglieder von Arcade Fire, die ich bisher getroffen habe, sind wahnsinnig nett und sehr entspannt. Mein Produzent und Jeremy leben immer noch gemeinsam in einem Haus in Ottawa und in diesem Haus haben wir in der Küche das Album gemischt. Es war einfach wie mit Freunden. Es war toll.

Wie kommt man auf die Idee nach Halifax auszuwandern?
Das hatte ich so nicht geplant. Ich bin dorthin für meinen Master-Abschluss an der Universität gegangen, aber irgendwie hat mich die Stadt einfach nicht mehr los gelassen. Halifax hat eine großartige Musik- und DIY-Künstlerszene. Die Leute machen einfach eine Menge dort. Das wusste ich nicht, bevor ich dort hinging. Aber ich finde es super.

Was ist das Beste, was Dir seit der Veröffentlichung Deines Albums in Kanada passiert ist?
Ich hätte da zwei Dinge im Angebot: Ich durfte für zwei meiner Lieblingsband die Shows eröffnen.Eine war die von Mark Kozelek von Sun Kil Moon in New Brunswick und die andere war die von Clogs, von denen ich wirklich großer Fan bin, in Halifax. Ich bin auch großer Fan von The National und das zwei Mitglieder von The National bei den Clogs dabei sind, ist natürlich super. Wir hatten einen regen Mailaustausch und irgendwann haben sie mich gefragt, ob sie mich bei einem Song begleiten könnten. Es war unglaublich gemeinsam mit meinen Helden zu performen.

So, Du bist zwar kein Kanadier, aber kommst von dort. Justin Bieber hat seines Zeichens leider seinen Affen bei uns vergessen und weil er eine Strafe zahlen und Papiere vorzeigen müsste, ist das Äffchen immer noch da. Würdest Du den Affen wieder in seine kanadische „Wahlheimat“ mitnehmen?
Justin Bieber hat einen Affen?! Als Haustier?! Würde ich Justin Biebers Affen mit nach Kanada nehmen? – Ich würde nicht die Verantwortung für ein Äffchen haben wollen, aber wenn Justin mich fragen würde, würde ich ihn vermutlich schon mitnehmen. Wenn er alle Impfungen hätte und nur jemanden bräuchte, der ihn abholt – das würde ich tun!

Ein netter Herr, der Mister Crabtree, der wirklich schöne Musik macht. Da fällt mir wieder ein: Wo ist eigentlich Biebers Äffchen jetzt?

Fotos: Nick Wilkinson, PR