Der britische Singer/Songwriter Lee MacDougall tourt seit mehreren Jahren durch die USA und Europa. Er kennt viele Leute im Musikzirkus, richtig schaffen will er es aber allein: Diesen Sommer nimmt er sein erstes Soloalbum auf. Wie das läuft und was sonst noch so geboten ist, hat uns der Dauertourer hier erzählt.

Lee MacDougall kommt aus Grimsby, einer Stadt im Norden Englands. Das Wetter dort ist ist ein bisschen garstig, der Fußballverein nicht so überragend und wenn einem nach der Arbeit im Fischereihafen auch noch die Schuhe geklaut werden, gibt es nur einen Weg: Raus aus der Stadt, zur Not anfangs auch barfuß. Lee MacDougall zog es genau so nach London um endlich seinen Traum von der Solokarriere zu verwirklichen. Die Zeiten mit einer Band, die auch in China vor mehreren tausend Leuten gespielt hat, waren vorbei – Singer/Songwriter wollte er sein, von seinem Leben erzählen, nur mit seiner Gitarre auf der Bühne eine Bindung zum Publikum aufbauen. Auf einer seiner endlos erscheinenden Touren durch die kleinen Clubs, Bars und Fan-Wohnzimmer Europas und der USA hat er irgendwann vor über zwei Jahren bei uns in München unter anderem an meinem Küchentisch Halt gemacht. Er ist ein überaus netter Kerl, dem man nichts anderes wünscht als den Erfolg, der ihm zusteht. Zeit für einen Zwischenstand!

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Wann kommt Dein erstes Album raus?
Ich nehme diesen Sommer, im Juni und Juli, in den Sheperherd’s Bush Studios in London auf. Ich hoffe, dass das Album dann im März 2014 erscheinen kann.

Was können wir von der Platte erwarten?
Es werden zehn Songs auf dem Album sein. Ich arbeite mit Jim Lowe, der auch das letzte Nummer 1-Album der Stereophonics produziert hat. Ich die nehme die Platte im Studio der Stereophonics auf! Es wird ein paar neue Songs geben, die noch nie jemand gehört hat, und auch ein paar alte – eigentlich also die Ups und Downs meiner letzten paar Jahre in London. Das Ganze wird eine Art Tagebuch: Die Songs erzählen alle wahre Geschichten, was mir in meinem Leben so passiert ist. „The Journey so far“ in etwa… Ich war in den letzten zwei Jahren non-stop auf Tour: drei mal in den USA und fünf mal in Europa. Ich habe auf den Touren überraschend wenig neue Songs geschrieben, denn das Tourleben ist voller Ablenkungen. Und wenn man dann schonmal einen Tag frei hat, dann will man einfach nichts tun. Die meisten Songs auf der Platte habe ich also in London geschrieben, als ich einsam und ein bisschen deprimiert in meinem Apartment saß und mir wünschte, ich wäre auf Tour.

Hat Dir das Tourleben etwas für Dein übriges Leben mitgegeben?
Ja, es hat mir mitgegeben, dass ich besser etwas Anständiges hätte lernen sollen als ich 17 war. Nein, ohne Witz: Ich habe auf Tour sehr viel gelernt, allein schon, weil ich an so vielen verschiedenen Orten war: In den abgelegensten Ecken der USA, in Orten und Ländern, die ich sonst wohl nie besucht hätte. Ich denke, ich schätze die Welt jetzt viel mehr und was andere Leute so vom Leben halten. Das Tourleben hat mir die Augen für die Menschen an sich geöffnet. Das ist gut, denn viele meiner Songs sind letztendlich nur Beobachtungen von Menschen und deren Leben.

Was war das Lustigste auf Tour?
Oh, da ist diese eine Geschichte aus San Francisco. Ich wohnte im Haus von einem Millionär. Da war diese Party  und Teilnehmer der US-Sendung „Generation Kill“ [über Soladaten im Irak, Anm.] waren auch Gäste. Es war sehr lustig, wir waren im Jacuzzi als es etwas aus dem Ruder lief: Ich war jedenfalls ein klein wenig zu betrunken und zu sehr in Partylaune, fiel um und habe mir mein Bein an einem Stück Glas aufgeschnitten. Ich habe diesen 3000-Dollar-teuren Perserteppich vollgeblutet und lag mit diesem wirklich tiefen Schnitt im Bein auf dem Bett – um mich rum die ganzen Soldaten in Speedos und Mädels in Bikinis, die mein Blut aufwischten. Mein Manager brachte mir dann ein Glas Champagner um mich wieder zu beruhigen. Ich liege also blutend mit einem Glas Champagner auf einem Bett und um mich herum waren nur Models und Soldaten, die mein Blut aufwischen – ganz schön surreal!

Was vermisst Du auf Tour?
Meine Familie. Und im eigenen Bett zu schlafen. Ich vermisse England nicht, ich könnte locker in Deutschland oder den USA leben. Aber ein „Zuhause“ wäre einfach wieder schön und fehlt mir auf Tour.

Hat denn Dein Album eine große Message?
Nicht wirklich, ich bin nicht gerade der Prediger-Typ. Es sind wirklich eher persönliche Geschichten. Dann aber wiederum nicht so persönlich, dass es langweilig wird. Erwachsenwerden, seinen Platz in der Welt zu finden, darum geht’s. Das Leben kann manchmal schwierig sein, aber ich versuche, es optimistisch zu sehen. Ich bin ja auch nur Mensch – es gibt also melancholische Tracks, dann aber mit einer heiteren Melodie.

Haben andere Musiker Deine Platte beeinflusst?
Nicht eine Band oder ein Künstler im speziellen. Wenn ich aber einen Song schreibe, steht oft ein andere Künstler mit seiner Inspiration für mich Pate. Es kommt immer darauf an, was ich zu dem bestimmten Zeitpunkt höre:  Bei „Joanna“ habe ich im Dauerrepeat „Mouthwash“ von Kate Nash gehört. Die vielen Drums und das Klavier haben auf jeden Fall ihren Weg auch in meinen Track gefunden. Bei „This Is My Story“ habe ich mich von Jack Peñate inspirieren lassen, der auch aus London kommt. Ich mag die Beatles, Nirvana und Tom Petty, The Las und Oasis – aber meine Musik ist nicht wirklich nur an ihnen orientiert. Die Kinks haben mich vielleicht am meisten beeinflusst, Ray Davies‘ Songwriting, ihr Storytelling und ihre Songs über London wie „Waterloo Sunset“  haben zu meinem „London in the Summer“ bestimmt ihren Teil beigetragen.

So, zum Schluss: Eine Nachricht an die deutschen Fans?
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Das ist alles!

In aller Ausführlichkeit gibt es unser Backstage-Gespräch hier zum Anhören. Wir freuen uns auf das Album und alles, was Lee MacDougall bis dahin und danach von sich hören lässt.

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Fotos: Rob Getaway, Maria Sanders