Lang ist es her, dass wir hier eine richtige Americana-Scheibe vorgestellt haben. Abhilfe schafft Joe Ginsberg, seines Zeichens nicht nur Top-Musiker, sondern auch Musical Director bei Chuck Ragans Revival-Tour. Zeit, dass der Kenner der Folk-und Americana-Szene, der Jahr für Jahr Leute wie Brian Falllon von The Gaslight Anthem oder Rocky Votolato um Chuck Ragan und dessen Americana-Experience schart, selber mal zeigt, was er kann. Resultat: Er kann viel.

J Ginsberg Promo 1Vorab: Der Titel von Joe Ginsbergs EP lautet komplett „You Are Guarded by the Daylight, We Are Losing in the Nighttime“. Fünf Perlen finden sich darauf. Eigentlich sechs, denn wer bitte bringt eine EP auf einem Label namens Lemonade Stand Records raus?! Ginsberg kann also nur gewinnen mit seinem Fünf-Song-Debüt. Der erste Track macht so viel Lust auf mehr, dass es einem die Sprache verschlägt: ein Banjo, Händeklatschen, Ohooo’s – es mangelt an nichts für einen Song, der einfach nur gute Laune macht. Chuck Ragans Kontrabassist singt von seinem „Golden State“, vom Heimweh und davon wie gerne man zurück nach Hause kommt und aber auch weggeht, vom Fortschritt und vom Stehenbleiben. Was Ginsbergs Songs anders macht, ist er  selbst: Seine Stimme hat keinen Southern Charm, sie klingt rau und eigentlich ganz schön männlich (jajajajaja)  – nach zu viel Feiern und einer höllisch guten Zeit. Rocky Votolato hat uns damals erzählt, wie sehr er Joe Ginsberg auch als Mensch schätzt. Wenn er in echt so ist wie er in diesem ersten Song rüberkommt, dann schließen wir uns da an. Man merkt, dass Ginsberg Geschichten erzählt und auch erzählen kann. Kein Wunder, der Herr ist selbst großer Fan des großen amerikanischen singenden Storytellers: Tom Petty. Manche Songs hätten allerdings auch bei „Into the Wild“ im Soundtrack auftauchen können. Es klingt alles nach Bewegung und nach Road Trip, nach einer Geschichte, die erzählt werden will.

Bemerkenswerterweise schafft es Ginsberg, dass er bei nur fünf Liedern auf seiner EP einen Track ohne Text unterbringt. Das „Interlude CGED“ schmiegt sich ganz kuschlig zwischen das country-westernartige „Hold Me On“ und „Townes End Road“, bei dem das Banjo als tragendes Instrument eingesetzt wird, auf Drums verzichtet der Kalifornier hier komplett. Klappt das? – Jawoll, und zwar wie! Mit dem letzten Song „All Our Bones“ ist die EP nach nur knapp 17 Minuten mit einem „Yeah, that’s right. Done!“vorbei. Was bleibt? Die Gewissheit, dass Joe Ginsberg wirklich viel von seinem Handwerk versteht. Dass sich Chuck Ragan, der alte Fuchs, einen unfassbar guten Musical Director mit ins Boot geholt hat. Dass es mehr Platten (und seien sie noch so kurz) wie diese geben sollte. Und dass irgendwann im Herbst ja eigentlich die nächste Revival Tour mit Joe Ginsberg anstehen müsste. Na zum Glück!

Wer sich diesen August Chuck Ragan allein auf Tour anschaut, hat Glück. Joe Ginsberg wird dann nämlich nicht nur wieder den Kontrabass zupfen, sondern im Vorprogramm spielen. Hier die Daten:

12.08.13 DE – Bremen – Kulturzentrum Lagerhaus
13.08.13 DE – Berlin – SO36
14.08.13 DE – Hamburg – Fabrik
15.08.13 DE – Münster – Skaters Palace
21.08.13 DE – Stuttgart – Stiftskirche (leider schon ausverkauft)
22.08.13 DE – Köln – Essigfabrik

„You Are Guarded by the Daylight, We Are Losing in the Nighttime“ von Joe Ginsberg ist im März schon erschienen, für den deutschen Markt aber erst seit 29. Juli so richtig bei den üblichen digitalen Verdächtigen erhältlich.

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