Eine Mischung aus Neo-Wave und Indie-Rock gepaart mit britischer Coolness erwartet einen auf dem neuen Album der White Lies. Nicht nur das: Auf „Big TV“ findet sich auch ein geschmeidiger Ohrwurm-Track, der genau die richtige Mischung aus schmachtenden Lyrics, Synthie-Sounds und tanzbarem Beat ist.

white liesZwölf Songs finden sich insgesamt auf „Big TV“, einem Wendepunkt in der Bandgeschichte der White Lies: „When we first started writing it was a make-or-break moment for us“, so Frontmann Harry McVeigh zum NME. Hätten sie sich nicht weiterentwickelt, hätte das also auch das Ende der Band bedeuten können. Zum Glück kam alles anders. Wer hat also die Band gerettet? Überraschung: Der Heavy Metal war’s. Gitarren aus der Heavy-Metal-Schiene waren eine große Inspiration, erklärt McVeigh weiter.

Aber keine Sorge: Nach wie vor sind die Synthie-Beats und der Echo-Gesang bei der Band aus dem Londoner Stadtteil Ealing die dominanteren Elemente. Opener „Big TV“ und die erste Single „There Goes Our Love Again“ sind zwei Tracks, bei denen die Tanzfläche in so manchem Club überquellen wird, zweiterer hat immenses Ohrwurmpotenzial. Track Numero drei, „Space I“ ist leider eine komplette Bremse, ohne Gesang, dafür mit schlimmen Geklimper-Keyboard, dauert aber zum Glück nur 45 Sekunden. Kurze Zwischenfrage: Wieso findet dieser Song und auch sein Pendant „Space II“ überhaupt statt ? Glücklicherweise folgt nach der überflüssigen Dreviertelminute „First Time Caller“ – einer von diesen Songs, zu denen man auch um vier Uhr morgens nach dezentem Alkoholgenuss auch noch gut mitwackeln kann. Selbst die Synthie-Streicher nerven dann nicht mehr so arg. So wie damals bei A-ha, daran erinnert er nämlich ein wenig.

Immer noch hört man klar und deutlich, dass die Talking Heads, Joy Division und Interpol das Trio beeinflussen. Allerdings liefert sich die verzerrte Gitarre ab und zu ein Duett mit dem Synthie-Keyboard, bestes Beispiel dafür der Track „Mother Tongue“, ein Liebeslied an die Sprache. Wie es dazu kam? McVeigh fände solche Themen momentan interessanter, als über den Tod oder Ähnliches zu schreiben. Er sei 25, nicht mehr 18. Altersweisheit mit 25? Kann man verstehen und unterschreiben, muss man aber nicht. Kaum ist die Liebeserklärung an die „Mother Tongue“ vorbei, fängt ihr Song „Getting Even“, mit dem sie das Album angesteasert haben, in ganz klassischer White-Lies-Manier an: Ein Keyboard, das auch bei den Pet Shop Boys auftauchen könnte, und McVeighs hymnenartiger, getragener Gesang. Ein bisschen traurig klingt er schon immer.

whites_lies„Change“ ist im Gegensatz zur Mehrheit der Songs auf „Big TV“ eine ruhige Ballade. Und die könnte direkt aus einem geheimen Tresor, in dem unveröffentlichte Songs der britischen Wave-Bands aufbewahrt wurden, stammen. Und genau so wie „Big TV“ beginnt, endet es auch: sehr tanzbar. Das Album hat einen roten Faden: Man begeleitet in den Songs ein Liebespaar, das sich aus der europäischen Provinz in eine glamouröse Großstadt aufmacht, so Bassist Charles Cave schon Anfang des Jahres. Der Schlusssong „Goldmine“ fordert passend dazu erst „Even Love.“, um dann etwas unsicher „Is it even ever?“ zu fragen. Naja, die Selbstzweifel müssen wir den Mittwanzigern ja doch auch lassen. Und nein, es ist noch nicht „ever“ – nur zur Sicherheit.

Sänger McVeigh verriet dem NME außerdem: „There’s the desire for one of our songs to be on a karaoke machine in 30 years time; to write a song that resonates to people throughout the ages.“ Ob das klappt, wissen wir nicht – allerdings könnte der Hype, der die Band berechtigt umgibt, dafür sprechen. Für Leute, die die Achtziger, den Heavy und auch den Hair Metal in echt miterlebt haben, sind die White Lies entweder eine Band, die sie gar nicht oder seitdem vermisst haben. Für die jüngere Generation ist es die Band, die in der Musiklandschaft sonst eigentlich fehlt. Wer seinen eigenen Big TV mal ausschalten und stattdessen mit den White Lies zu ihren neuen und alten Songs tanzen will, kann das tun: Die Briten kommen im November nämlich zu uns auf Tour. Mit Keyboards, Altersweisheit, immer noch ein wenig Drama und allem!

„Big TV“ von den White Lies ist am 9. August bei Universal erschienen.

Foto: PR