Musiker, Filmemacher, Surfer, Gutmensch. Jack Johnson ist der echte amerikanische Superman. Er tritt an, die Welt zu retten, mit guter Musik und guten Taten. Der ehemalige Profisurfer mit dem großen ökologischen Gewissen, das uns alle eher schlecht aussehen lässt, ist gerade auf Europatour unterwegs. Nur zwei Deutschlandkonzerte sind dabei – aus Hawaii würde unsereins wahrscheinlich auch nicht länger wegwollen, als es unbedingt sein muss – eins davon gestern im ausverkauften Münchner Circus Krone.

_SS_5911An den Eisbach hat er es diesmal nicht geschafft. Was von einem Gast zur Mitte der Show auch lautstark moniert wird. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie ganze Heerscharen von Surfern und solchen, die es sein oder werden sollen, den ganzen sonnigen Freitag lang an der Münchner Welle auf den Meister gewartet haben. Tja, nächstes Mal wieder. Die Zeit war diesmal einfach zu knapp, so seine Entschuldigung. Übel nehmen tut es ihm keiner so wirklich. Kann man diesem Mann überhaupt irgendetwas übelnehmen? Ich glaube nicht. Vor allem nicht, wenn er erstmal die Gitarre umhängt und den Mund aufmacht. Diese Stimme und seine ganze Musik haben etwas zutiefst, sagen wir befriedigendes (seit gestern Abend suche ich nach der passendsten Übersetzung für „comforting“ – das trifft es für mich am Besten). Mit dem ersten Song driftet man für zwei Stunden in ein Paralleluniversum, in dem alles gut ist. Mit wippendem Kopf und einem leichten Grinsen im Gesicht.

Jack Johnson ist der Inbegriff von Relaxtheit, das überträgt sich auch aufs Publikum. Seine Konzerte sind sowas wie musikalische Yogastunden. Egal wie man reingeht, heraus kommt man entspannt und glücklich. Ein bisschen aktiver hätte sich seine Anhängerschar aber dann doch geben können. Erst zu den Zugaben erhebt sich der gesamte Zirkus kollektiv von den Plätzen. Aber sind wir mal nicht so, es war wirklich ein sehr heißer Tag. Und mitgesungen wurden vor allem die älteren Hits wie  „Taylor“ oder „Flake“ ziemlich vorbildlich. Trotzdem waren die österreichischen Fans beim Wiener Konzert seiner „In Between Dreams Tour“ 2006 unschlagbar. Damals wars dann doch eher Riesenparty als Yogastunde. Eine kleine Zelle Superfans ist in der Arena auch auszumachen. Vielleicht eine Truppe Ösis, die keine Karten mehr fürs Länderspiel bekommen haben…? Ihre Versuche den Rest des Publikums in ihre Dance-Party zu integrieren sind zwar nur von mäßigem Erfolg gekrönt, aber wenigstens haben die Jungs und Mädels dabei ordentlich Spaß. Eigentlich ist Jack Johnson auch einer, der perfekt nach draußen passt. Zweimal hatte ich schon das Vergnügen ihn open air zu erleben. Das erste Mal 2008 in Riem, als ein übler Sturm das Konzert vorzeitig beendet hat – manchmal nützt alles gute Karma nichts – das zweite Mal auf dem Hurricane Festival 2010. Es ist immer wieder beeindruckend, was für eine Hitmaschine der Mann ist, und mehr noch, wie sich auf fast magische Art und Weise Anhänger unterschiedlichster Musikrichtungen auf ihn einigen können. Indie-Boy und Electro-Girl, Britpopper, Punk und Metaller schwofen nebeneinander zu „Banana Pancakes“. Surfsound und Sonne sind eben ein winning Team, das einem schonmal die Sinne vernebeln kann. Und der Typ ist einfach ein verdammt cooler Hund! (ein nachträgliches Happy Birthday an der Stelle an Superfan Hurricane-Michael-3!)

_SS_5936Gespielt hat er erstaunlich viel altes, und nur 3 Songs von seinem neuen Album „From Me To Now To You“, das am 17. diesen Monats erscheint. Neben den oben genannten Superhits waren unter anderem auch noch „Better Together“, „Bubble Toes“, Fortunate Fool“, „You And Your Heart“, „If I Had Eyes“, „Go On“, „Staple It Together“, „Good People“ und „Breakdown“ dabei. Ein würdiges Best Of seines stetig wachsenden Hit-Repertoires. Dazu noch eine richtig gute Coverversion von Jimi Hendrix‘ „Crosstown Traffic“. Fast bescheiden geht er dabei zu Werk. Ein großer Showman ist er nicht. Er steht einfach da, eins mit seinen Gitarren, spielt und singt. Für den Show-Faktor hat er seinen Sidekick. Den Piano, Melodica, Xylophon und Akkordeon spielenden Lulatsch Zach Gill. Gill mutiert während den Shows auch mal gern zum wild tanzenden Animateur (den Zirkus und Clown Vergleich spar ich mir hier mal). Ansonsten unterstützt er seinen Boss tatkräftig an diversen Instrumenten und mit einer ziemlich spitzenmäßigen zweiten Stimme. Auch Bassist Merlo Podlewski darf mal ran. Rappenderweise. Gar nicht mal schlecht. Und sogar die Support Band Bahamas darf ihm bei einem seiner ersten Songs helfen. Den mit Abstand entspanntesten Job (außer der Garderoben-Dame vielleicht) hat an diesem Abend ganz klar Adam Topol. Er ist der Drummer. Achtet beim nächsten Durchlauf eines Jack Johnson Albums mal speziell aufs Schlagzeug. Dass man dabei nicht wirklich ins Schwitzen kommt, hört mal relativ schnell. Ob er schonmal während einer Show in Trance gefallen ist, bei all der Entspanntheit? Andererseits wäre ein berzerkender Schlagzeuger á la Foo Fighter Taylor Hawkins hier auch echt fehl am Platz.

Die Zugaben erledigt Jack Johnson dann ganz allein und akustisch. Passenderweise gehen dazu die vielen Kronleuchter an der Decke des Circus Krone Baus an. Wunderschön ist das und ein perfekter Abschluss für dieses großartige Konzert. Und dann geht er von der Bühne. Still und leise, wie er gekommen ist. Neben uns trägt ein Pärchen seine beiden schlafenden Kinder nach unten. Auch die haben ein leichtes Grinsen im Gesicht. Heute können sie ihren Freunden erzählen, sie haben den echten Superman gesehen. Im Zirkus.

Für alle, die es interessiert, und die auch ein paar Karma-Punkte sammeln wollen, schaut doch mal bei One Percent For The Planet rein. Diese Organisation kümmert sich um einen gesünderen Planeten. Jack Johnson ist einer ihrer bekanntesten Unterstützer.

Fotos: Sandra Steh/ www.steh.de