The Bones Of What You Believe_ Chvrches - CMS SourceChvrches waren eine unserer Hoffnungen für das Jahr 2013 und Gott sei Dank wurde diese nicht enttäuscht: Mit „The Bones of What You Believe“ liefern die Schotten ein phänomenales Album ab. Einzige Voraussetzung: Man muss Keyboards mögen und auf Gitarren verzichten können.

Das Album „The Bones of What You Believe“ von den schottischen Chvrches ist ein perfektes Album für den Spätsommer: Es klingt leicht, nach warmen Sonnenstrahlen und den letzten Tagen bei offenem Fenster im Auto fahren – nach einem Adieu an den Sommer. Die Single „The Mother We Share“ funktioniert so gut, dass man selbst bei grauem Himmel mit einem Lächeln im Gesicht im Büro dasitzt. Wie kommt’s? Die Elektrobeats der Schotten sind nicht anstrengend, Pop wird gerade bei diesem Song groß geschrieben. Die Stimme von Sängerin Lauren Mayberry hebt sich dank eines teilweise elfengleichen, kaugummiweichen Klangs vom Rest des Songs ab. Und ehrlich, „The Mother We Share“ hätte schon vor 15 Jahren am Autoscooter eines Volksfestes funktionieren können. So eingängig  ist er und doch auch so eine willkommene Abwechslung in der Musiklandschaft des Jahres 2013.

Mayberry zeichnet auch hauptsächlich für die Songs verantwortlich. Meint man gar nicht, dass einer so zierlichen Person der Text zu „Gun“ leicht von der Hand ging: „You better run, you better run so/ hide, hide I, have burned your bridges/ I will be a gun/ and it’s you Ill come for/ hide, hide have never felt so easy/ I will be a gun/ and it’s you I’ll come for/ and I’m gonna see that you won’t go far.“ Diese relativ deutlichen und auch harten Lyrics verpacken Mayberry und ihre Kollegen Martin Doherty und Iain Cook in einen wirklich zuckrigen Song, bei dem man keinesfalls solche Lyrics vermuten würde. Der NME vermutet dahinter eine urschottische Charaktereigenschaft: „outward bullishness masking a melancholic interior“.

„Tether“ ist fast schon eine Ballade oder zumindest eine Elektro-Ballade, wenn es sowas denn gibt. Mit „Lies“ katapultieren uns Chvrches direkt in die düsteren Achtziger – kein Wunder, dass sie mit diesen kraftvollen Synthie-Beats und Mayberrys antagonistischer Stimme von Depeche Mode als Vorband für den zweiten Teil ihrer Europa-Tournee gebucht wurden. Besonders gelungen ist das bereits seit längerem erschienene  „Recover“, weil man diesen Song pausenlos auf Wiederholung hören könnte. Bei „Under the Tide“ und „You Caught the Light“ übernehmen Iain Cook und Martin Doherty das Mikro und keine Sorge, sie machen ihren Job ebenfalls gut! Klingt halt nicht so feenhaft wie Mayberry, aber bitte – sind ja auch Kerle! „Lungs“ klingt wie „Gun“ unfassbar leicht und süß, ist aber alles andere: Der Song handelt von einer Trennung, die einstmals angehende Musikjournalistin Mayberry verpackt die aber wieder in einer Kaugummiblase. „[N]ever make anyone happy/ we are done this time/ you don’t owe me/ take a final look at me/ take it and drink it in“ trällert die Schottin da vor sich hin. Kennt man, hat man so ähnlich schonmal bei Robyns „Handle Me“ gehört. „Lungs“ ist aber kein Abklatsch, sondern etwas eigenes und hat noch dazu einen 2013-Anstrich verpasst bekommen.

Chvrches 2013 - CMS Source

Wer Karten für die (fast) ausverkaufte Deutschland-Tour im Oktober ergattert hat, darf sich glücklich schätzen: Live ist das Trio aus Glasgow eine wilde Nummer. Die Lichtshow ist super, Mayberry steht klar im Mittelpunkt der Nebelmaschine und bleibt so ultrasympathisch und zugänglich wie man es von Elektro-Künstlern sonst gar nicht so gewohnt ist und vor allem: Sie klingt wirklich so wie auf der Platte! Die Band hat ihre USA-Tour im September in Portland eröffnet  – das ließen wir uns natürlich nicht entgehen und waren schlichtweg so begeistert wie die anderen 1300 Anwesenden. Eine Show, die man mit einem kompletten Glückgefühl verlassen konnte – selbst wenn man Elektrobeats generall sonst gar nicht so zugetan ist. Wer es leider nicht zu den Konzerten schafft, dem sei die Tour im Frühling ans Herz gelegt. Diese wiederum wird sicher auch wieder viel zu schnell ausverkauft sein, deshalb holt Euch schnell Eure Karten für einen großen Abend. Versprochen!

Wie nicht anders zu erwarten war, haben die Herren von Spiegel Online das Album verrisssen, mit der Band Berlin verglichen und es „Schlager 2.0“ genannt. Ist uns egal, Chvrches sind mit „The Bones of What You Believe“ allen an sie gesetzten Erwartungen gerecht geworden. Ähm, Moment, wir hatten ja gar keine… Dennoch oder gerade deswegen überraschen die zwölf Songs auf dem Debüt, das klingt wie ein Abgesang an einen guten Sommer – für alle Altersschichten, die Berlins „Take my Breath Away“ eben nicht nachweinen. Pitchfork sagt über die drei Schotten: „Chvrches embody what a generation raised on electronic music is looking for in a rock band.“ Da schließen wir uns doch gerne an.

Chvrches kommen auf Tour:

23.10.2013 Köln – Gloria (ausverkauft)
25.10.2013 München – Strøm (ausverkauft)
28.10.2013 Hamburg – Mojo Club

21.03.2014 Frankfurt – Batschkapp
24.03.2014 München – Muffathalle
25.03.2014 Berlin – Astra Kulturhaus

Das Album „The Bones of What You Believe“ von Chvrches ist am 20. September bei Vertigo Berlin/Universal erschienen.

Fotos: PR