Lily Allen ist zurück – und wie! Mit ihrer neuen Single „Hard Out Here“ und dem dazugehörigen Video rechnet sie mal eben mit Robin Thicke ab und stellt den in der Musikindustrie vorherrschenden Sexismus an den Pranger. Go Girl!

Lily_Allen_Press_Picture_colour_2In Zeiten, in denen Möchtegern-Machos in Videoclips leicht bekleidete Girls befummeln und ehemalige, plötzlich permanent Zunge zeigende Disney-Starlets sich mit zweifelhaften Dance-Moves von ihrem braven Image verabschieden wollen, hat Lily Allen mit ihrem neuen Song genau ins Schwarze getroffen.

„You’re not a size 6 and you’re not good-looking. Well, you better be rich or be real good at cooking“, singt Lily Allen in ihrem neuen Song „Hard Out Here“. Im Videoclip versuchen Chirurgen, sie fürs 21. Jahrhundert Popstar-tauglich zu machen, ihr „Manager“, ein zwielichtiger, schmieriger Kerl, bringt ihr „Twerking“ bei – ein dank Miley Cyrus viel diskutierter, vermeintlich sexy Tanzstil – und zeigt ihr, wie man fachgerecht an einer Banane lutscht.

Insbesondere hat es Lily Allen auf US-R’n’B-Star Robin Thicke und dessen Video zu seinem Überhit „Blurred Lines“ abgesehen. In dem Clip bedient der Schmusesänger ungeniert so ziemlich jedes „Sex sells“-Cliché. In Anspielung auf Robin Thickes Video sieht Lily Allen ihren leicht bekleideten Tänzerinnen dabei zu, wie sie sich gegenseitig mit Champagner übergießen. Außerdem posiert sie lasziv vor einem luftballonartigen Schriftzug: „Lily Allen has a baggy Pussy“ – bei Robin Thicke wird vor den Worten „Robin Thicke has a big dick“ abgetanzt.

Von wegen Booty-Shake!

Mit ihrem Hintern wackelt Lily Allen nicht für uns, schließlich hat sie ein Hirn, stellt sie gleich selbst klar. „Hard Out Here“ ist eine Art feministischer Rundumschlag, unter anderem wird auch die weitverbreitete Nutzung des vor allem in der Popkultur inflationär gebrauchten Wortes „Bitch“ thematisiert. „Forget your balls and grow a pair of tits/It’s hard, it’s hard, it’s hard out here for a bitch.“ Es geht um den Schönheitswahn, festgefahrene gender-Rollen, Doppelmoral in Bezug auf Sexualität und Aussehen bei Männern und Frauen. Und ganz nebenbei macht sich Lily Allen auch noch über Product Placement in Musikvideos lustig.

Mit ihrer satirischen Kritik scheint Lily Allen – die in dem Video optisch übrigens an ihre Landsfrau, Pop-Göre Jessie J erinnert – einen Nerv getroffen zu haben: Bei YouTube erreichte „Hard Out Here“ innerhalb von weniger als 24 Stunden über eine Million Klicks. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wieviel Kalkül dahinter steckt.

Musikalisch bleibt Lily Allen ihrem frisch-frechen Pop treu. Den Refrain – übrigens eine Hommage an „It’s Hard Out Here For A Pimp“ von der US-HipHop-Truppe Three 6 Mafia – wird man so schnell nicht mehr los. Ob die Vocoder-Effekte im Refrain ironisch gemeint oder eben doch auch nur eine Anbiederung an den Zeitgeist sind, werden wir wohl spätestens im Frühjahr 2014 erfahren, wenn das dritte Studioalbum von Lily Allen erscheint. Die Single „Hard Out Here“ ist ab 17. Januar offiziell erhältlich. Unterstützung für ihr neues Werk holte sich Lily Allen von ihrem Langzeit-Produzenten Greg Kurstin. Dem „NME“ sagte die Mutter zweier Töchter, das neue Album werde keine ernsthafte „Ich bin jetzt eine Mom“-Platte, enthalte jedoch einige feministische Vibes.

Aber genug gelabert, guckt selbst:

http://www.tape.tv/musikvideos/Lily-Allen/Hard-Out-Here

„Hard Out Here“ ist die erste neue Single der 28-Jährigen seit fünf Jahren. Bislang hat Lily Allen zwei Studioalben veröffentlicht. Während sie mit ihrem Debüt „Alright, Still“ (2006) vor allem im Vereinigten Königreich Erfolge feierte, startete sie mit dem Nachfolger „It’s Not Me, It’s You“ (2009) international durch. Danach wurde es ruhig um Lily Allen. Zurückgezogen von der Öffentlichkeit, lancierte sie ihr eigenes Label In The Name Of – das u.a. Shootingstar Tom Odell hervorbrachte – und bekam (gemeinsam mit ihrem Mann Sam Cooper) zwei Töchter. Zwischenzeitlich arbeitete sie mit Pink und Robbie Williams zusammen und machte zuletzt mit einer Cover-Version von Keanes „Somewhere Only We Know“ von sich reden.

Foto: Simon Emmet