Sophie Hunger hat sich in den zurückliegenden Monaten nicht zuletzt mit ihren leidenschaftlichen Live-Auftritten eine immer größer werdende Fanbase erspielt. Jetzt hat die Schweizer Singer/Songwriterin mit „The Rules Of Fire“ ihr erstes Live-Album am Start. 

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Blitzschnell zieht sie, zielt. Mitten ins Herz. Ihre Pfeile sind Worte, messerscharf, fast immer ein Volltreffer. Mit Songs wie „Shape“ trifft Sophie Hunger tief ins Herz. Melancholische Melodien, treffende Texte. Egal, ob sie Französisch, Englisch, Deutsch oder Mundart singt, Sophie Hunger trifft immer mitten ins Herz. Emotional und eindringlich, ohne Pathos oder Kitsch. Und so erstaunt es auch nicht, dass die Lyrics zu „Spiegelbild“ gerade in eine Anthologie über moderne Schweizer Poesie aufgenommen wurden.

Bei Sophie Hunger sind es nicht nur die mal zarten, zurückhaltenden, mal explosiven, wütenden Kompositionen, die berühren. Auch ihre poetischen, ihre oft politischen und persönlichen Texte vergisst man nicht so schnell. Sophie Hunger liebt die Sprache, spielt mit ihr. Zu ihren Lieblingswörtern gehören u.a. das Schweizerdeutsche „chumm“ oder „niemand“.

„Ich nehme, was mir im Kopf herumschwirrt. Oft ist es nur ein Bild oder ein Wort, das ich wachsen lasse, wie einen Pilz“, sagt Sophie Hunger. In den letzten Jahren hat sich nun ein ganzer Wald voller Pilze angesammelt. Eine Auswahl davon hat die Schweizerin nun für ihr erstes Live-Album zusammengestellt.

Neben zahlreichen bekannten Song-Perlen von Sophie Hunger gibt es drei bislang unveröffentlichte Titel, B-Seiten und Cover-Versionen von Bob Dylan („It’s Alright Ma (I’m Only Bleeding)“) und Chansonnier Léo Ferré („Avec le temps“) zu hören. Aufgenommen wurden die insgesamt 23 Titel bei verschiedenen Konzerten zwischen 2009 und 2013 in Frankreich, Deutschland und in der Schweiz.

Clevere Geschichtenerzählerin

Wie eine Autorin wechselt Sophie Hunger ihre Position, berichtet aus verschiedenen Erzählperspektiven. In „Souldier“ zum Beispiel versetzt sich Sophie Hunger in eine extreme Gedankenwelt, spricht zu einem Soldaten, dem sie tatsächlich nach einem Konzert in London begegnet ist. In „Z’Lied vor Freiheitsstatue“ – einem meiner Lieblingssongs aus dem Hunger’schen Kosmos, neben diesem hier – schlüpft Sophie Hunger in die Rolle der stählernen Statue.

Es ist aber nicht alles ganz so bitter ernst. Sophie Hunger hat Humor. In einem Brief richtet sie sich an Superstar Madonna. Messerscharf analysiert sie das oft fragwürdige Verhalten der gealterten Pop-Diva, die mit 50 in Overknee-Stiefeln und Strapsen posiert. „I don’t like the way you chew the chain of your dog while you fling your legs around your face. And at the same time have the grace to tell me something about dignity.“

Musikalisch verpackt Sophie Hunger, die Gitarre und Klavier spielt, ihre Geschichten in meist fragile Akustik-Arrangements. Genau wie bei ihrem spielerischen Umgang mit Sprache wechselt sie gekonnt zwischen den Genres, changiert zwischen Folk, Jazz, Rock und Chanson, manchmal innerhalb eines Songs.

Geboren in Bern, wuchs Sophie Hunger als Diplomatentochter in der Schweizer Hauptstadt sowie in Bonn, London und Zürich auf. Erste Live-Erfahrungen sammelte Sophie Hunger vor rund sechs Jahren im Zürcher Club Helsinki, wo sie sonntags Songs von Hank Williams, Cash und Cohen zum Besten gab. Nach dem Eigenrelease ihres Debüts „Sketches On Sea“ im Herbst 2006, stand Sophie Hunger dann als Support für Schweizer Musiker-Größen wie Stephan Eicher, The Young Gods und dem Erik Truffaz Quartett auf der Bühne. Nur zwei Jahre später stürmte sie mit ihrem Album „Monday’s Ghost“ auf Platz eins der Schweizer Charts. Auch der 2010 veröffentlichte Nachfolger, „1983“, schaffte es auf die Eins, mit „The Danger Of Light“ sicherte sie sich 2012 Platz zwei. Eine beachtliche Leistung für eine dem Mainstream-Publikum zuvor unbekannte Indie-Künstlerin!

Schnell machte Sophie Hunger über die Schweizer Landesgrenzen hinaus von sich reden. So trat sie 2010 etwa als erster Schweizer Act beim renommierten „Glastonbury Festival“ in England auf. Mittlerweile spielte Sophie Hunger mit ihrer Band hunderte von Konzerten in Europa und Nordamerika.

Feuerherz

SH_Press_picture_2_Benoit_Peverelli„Jedes Mal, wenn ich mit Aufnahmen beginne, überlege ich mir, wie ich die Energie der Konzerte ins Studio übertragen kann“, sagt die 30-Jährige. Mit „The Rules Of Fire“ bringt Sophie Hunger nun die Energie, die Leidenschaft ihrer Gigs in unsere Wohnzimmer. Der Titel geht auf Sophie Hungers Regeln des Feuers zurück, ihre zehn goldenen Regeln der Kunst. Dazu gehören u.a. auch, nie sich selbst oder seine Arbeit zu erklären, nie mit einem Drink in der Hand oder deiner Hand in der Hosentasche auf die Bühne zu gehen, dem Publikum nie zu sagen, was es tun soll, nie einen Song abzubrechen, nie anzukündigen, dass etwas verkauft wird und nie versuchen, zu gefallen. Außerdem: zu wissen, dass Charlie Chaplin ein großartiger Geschäftsmann war und dass Bob Dylan versuchte, wie er auszusehen. Das mag Nonsense, künstlerischer Firlefanz sein, ist aber auch egal. Die Songs sprechen für sich.

Passend zu Weihnachten gibt’s „The Rules Of Fire“ in einem opulenten Paket. Neben zwei CDs ist eine einstündige Doku des französischen Regisseurs Jeremiah sowie ein 48-seitiges Buch mit einem exklusiven Interview und Fotos enthalten. Der Film begleitet Sophie Hunger und ihre Band auf der Konzerttournee quer durch Europa im Jahr 2013.

„The Rules of Fire“ von Sophie Hunger ist ab 6. Dezember über Two Gentlemen/Rough Trade zum Beispiel hier erhältlich.

Fotos: Benoit Peverelli