Das Musikjahr 2013 ist vorbei und hat uns allerlei Schönes beschert. Die Kontoauszüge sprechen eine deutliche Sprache, das Platzproblem im Plattenregal hat sich weiter verschärft, und wieder ist ein guter Teil der sauer verdienten Urlaubstage nicht für Strandaufenthalte sondern Musiktourismus draufgegangen. Ist schon ein Kreuz mit der Musik……

Jetzt wird’s Zeit zurück zu schauen. Was waren die besten Platten, die denkwürdigsten Shows, die wichtigsten Entdeckungen und worüber haben wir geschimpft? Quasi jedes Magazin, jede Musik-Website, jeder Blog hat seine Best Of Listen schon draußen. Aber wir kennen keine Gnade, jetzt dürft ihr euch auch noch unsere reinziehen – wenn ihr wollt. Das Schöne, man wird keine zwei übereinstimmenden Rankings finden! Musik ist und bleibt Geschmacksache. Jedem sind andere Alben wichtig, jeder hat zu anderen Bands einen Bezug. Und die beste Platte macht ja nicht nur aus, ob sie handwerklich gut gemacht ist, und prinzipiell gefällt. Es zählt, ob sie bei einem selber genau den richtigen Nerv trifft. In welchem Kontext man sie wie oft gehört hat, welche Erinnerungen man am Ende eines Jahres damit verbindet. Sind da Lieder, Melodien, Textzeilen für die Ewigkeit dabei? Solche, für die man den Schöpfern am liebsten um den Hals fallen möchte? Manchmal schafft es ein Album, wie ein guter Freund zu sein, manchmal macht es einfach nur einen Heidenspass. Beides ist wunderbar und, wie ich finde, die große Kunst!
In diesem Sinne, legen wir los, mit den Top Scheiben 2013, wenns nach Kerstin geht.

 

Top 20 Alben 2013

IMG_10991. Biffy Clyro – Opposites
2. The National – Trouble Will Find Me
3. Portugal. The Man – Evil Friends
4. RVIVR – The Beauty Between
5. Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork
6. Frank Turner – Tape Deck Heart
7. Arcade Fire – Reflektor
8. Volcano Choir – Repave
9. Casper – Hinterland
10. Iron Chic – The Constant One
11. Mogwai – Les Revenants (OST)
12. Junip – Junip
13. Arctic Monkeys – AM
14. Turbostaat – Stadt Der Angst
15. The Swellers – The Light Under Closed Doors
16. The Bronx – IV
17. Paper Arms – The Smoke Will Clear
18. Love A – Irgendwie
19. Sound City – Real To Reel
20. Sigur Rós – Kveikur

 

Top 10 Shows 2013

IMG_11041. Biffy Clyro – Große Freiheit, Hamburg
2. The National – Max-Schmeling-Halle, Berlin
3. Captain Planet – Lovelite, Berlin
4. Bruce Springsteen – Olympiastadion, München
5. Frank Turner – Strøm, München
6. Phoenix – Zenith, München
7. Alt-J – Optimus Alive Festival, Lissabon
8. Turbostaat – Feierwerk, München
9. Portugal. The Man – Strøm, München
10. Band Of Horses – Optimus Alive Festival, Lissabon

 

 

 

 

 

Da sich schwer alles nur in Listen und Rankings Revue passieren lässt, hier noch ein paar Worte zu allgemein Denkwürdigem. In die eine oder andere Richtung. Und natürlich noch ein kurzer Ausblick ins frische neue Jahr. Denn auch da wird’s wieder gscheid rund gehen.

Daumen hoch

Es gab einige vielversprechende Entdeckungen 2013. Ganz oben definitiv RVIVR und Iron Chic. Ein wunderbar rumpelndes Gegengewicht zum eher indielastigen Musikjahr. Vor allem RVIVR sind Gold wert. Mit irrem Karacho, Humor, einer extrem authentischen und sympathischen „Wir sind wie wir sind und gut is!“-Attitüde und dem manchmal so schön perfekt unperfekten Krawall-Zwiegesang sind sie für mich die Entdeckung des Jahres (Danke für den Tip, Dünni!).


Dazu noch das neuseeländische Singer-Songwriter-Talent Georgi Kay, und die britischen Youngsters von London Grammar. Deren ganzes Album ist mir zwar ne Spur zuviel des Guten, aber da sind schon großartige Nummern dabei. Und die Stimme von Hannah Reid ist unglaublich! Aus ihrem Mund klingt sogar Miley Cyrus‘ „Wrecking Ball“ hübsch und man vergisst fast den verstörenden Nacktritt auf der Abrissbirne. Noch um Längen besser aber ihre Version des DRIVE Openers „Nightcall“ von Kavinsky. Ich bin gespannt auf den Nachfolger zum Debüt.


Mit dem Optimus Alive Festival in Lissabon gibt es endlich die perfekte Möglichkeit Musik- und Strandurlaub zu verbinden. Hurra! Dazu ist der Event top organisiert, das Line-Up stets sehr ordentlich und die Tatsache, dass man von Tür zu Tor mit dem Taxi 10 Minuten braucht, wirklich unschlagbar.
Das Ridley Scott Doku-Pic „Springsteen and I“, das im Juli für einen Tag deutschlandweit in allen Cinemaxx Kinos lief, ist spitze und absolut zu empfehlen. Gibts inzwischen auf DVD, bei iTunes und ich glaube sogar bei Watchever. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich dann auch noch das Ende von „Breaking Bad“ verwunden (Flo ist heilfroh, dass es vorbei ist!), dafür aber direkt neue Ausnahme-Hit-Serien wie „Top Of The Lake“ und „Les Revenants“ (inklusive hervorragendem Soundtrack von Mogwai) als Therapie bekommen. Dazu entwickle ich eine bedenkliche Abhängikeit in Richtung „The Walking Dead“…..

Daumen runter

Der Turner Frank bei GZSZ geht nach wie vor nicht klar, aber es gab auch andere Ärgernisse, Abtörner und veritable Schocker. Ich war nie Die-Hard-Fan, aber Woodkid’s Über-Sellout für ein zweifelhaftes Dance-Show Format und den ultimativen Telefonanbieter-Werbungsoverkill erschließen sich mir wirklich nicht und haben ihn mir leider systematisch ruiniert. Unser aller Lieblings-Hass-Location, das Zenith, bleibt weiter ein Monopol und soundtechnisch unberechenbar. Phoenix top, Biffy flop. Verdammt noch eins! Für die wohl zweifelhafteste Reminiszenz an den verstorbenen Lou Reed sorgt Macaulay Culkin. Er hat zum Jahresende mit ein paar wenig talentierten Kumpels eine Velvet Underground Cover Band ins Leben gerufen. In den neuen, wirklich grottigen Versionen drehen sich aber alle Songs ausschließlich um Pizza (!). Hmmmm. Kevin war wohl eindeutig etwas zu lang allein zu Haus!
Dass ichs kränkelnderweise nicht zu RVIVR ins Kafe Kult geschafft hab, hängt mir jetzt noch bitter nach. Ich befürchte, das hätte ein Platz in den Top 3 Shows werden können. Shit, Shit, Shit! Bitte, bitte kommt 2014 wieder!

Vorfreude 2014

Voller Spannung erwarte ich ehrlicherweise das neue Album von Against Me!. Konnten sie zuletzt nicht mehr an ihre alte Form anknüpfen, so vermute/ hoffe ich, dass sich das mit dem mutigen Outing von Frontfrau Laura Jane Grace als Befreiungsschlag wieder ändern könnte. Der Song „Fuckmylife666“ (welch Titel!) von der 2-Song-Akustik-EP „True Trans“ ist schonmal fantastisch! Wenns dann noch in Vollbesetzung wieder mehr rummst, kann das bombig werden! Dann blüht uns Ende April ein unglaubliches Konzertquartett in München – vier Tage, vier Spitzenbands: Brand New, La Dispute (mit sehnlichst erwartetem neuen Album!), Saves The Day und Captain Planet. Jaaaaa! Da werden vorher die Isla-Moos und Pantoprazol-Vorräte aufgestockt! Auch die ersten beiden Auskopplungen vom neuen Mogwai Album „Rave Tapes“ lassen wieder auf Großes hoffen und befeuern die Vorfreude aufs Konzert im Februar. Springsteen Album Nummer 18 kommt am Freitag und ist schon jetzt komplett streambar. Dazu gibt’s wohl Arcade Fire wiedermal live, was immer ein Spektakel ist und hoffentlich einen erneuten Trip nach Portugal – Optimus Alive Festival, die Zweite. Dazu Casper im März, im April The Notwist im Circus Krone, das dürfte auch denkwürdig werden, und irgendwann auch Neues von meinen Über-Helden, den Foo Fighters. Endlich! Platte, Tour, sonstiger Irrsinn, immer her damit! Mit meiner leichten Neigung zum Exzess dürfte serientechnisch erstmal der Februar interessant werden. Da startet nämlich die komplette zweite Staffel von „House Of Cards“ (Binge-Watching-Alarm!). Ich schätze das reicht erstmal. Den Rest lass ich wohl auf mich zukommen.

Wenn ich einen Wunsch für 2014 frei habe…… (oder drei…)

…dann bitte Ryan Adams, lass dich dieses Jahr wieder blicken! Irgendwo in Europa, ganz egal. Ich komm überall hin! Ich hab langsam aber sicher schweren Entzug seit Mai 2012 in Paris. Und lieber Frank Turner, mach mal ein bisschen Pause. Kurier deinen geschundenen Tourbus-Rücken aus und komm wieder, wenn du fit bist, und selber in die Saiten hauen kannst. Ich mag dich sehr, sehr gern, aber ohne Gitarre in der Hand sind du, und erstaunlicherweise auch deine Stimme, nicht dasselbe! Und zu guter Letzt bleibt ein Punkt jedes Jahr auf der Liste, bis ich dort war: Beim Boss, wenn er in New Jersey spielt.

 

Neugierig auf Ursis Rückblick? Der kommt als nächstes. Ganz bald hier!

 

Fotos: themusicminutes