Eine Preisverleihung jagt die nächste, aber unter Golden Globes, SAG-Awards und Oscars schmuggelt sich jedes Jahr immer noch ein anderer Preis – richtig, der für Musik, die goldenen Grammophone, die Grammys. Zum 56. Mal hat man sie gestern verliehen und an wen gingen sie? – Daft Punk, Daft Punk, Daft Punk, Lorde, Macklemore & Ryan Lewis, Paul McCartney und Dave Grohl.

grammys

Nach wie vor nicht die spannendste Veranstaltung, aber schon auch nicht unwichtig wurden die Grammys gestern nacht in einer dieses Jahr nur 14-stündigen Veranstaltung in 188 Kategorien verliehen. Größte Freuden: Unser Mann Dave Grohl wieder in echt auf einer großen Bühne. Taylor Swift ging leer aus. Und Daft Punk nehmen die Helme ab (Kleiner Scherz, aber okay – fast hatten wir Euch!). Unsere größten Wehmutstropfen: Auch in diesem Jahr wurde in der Kategorie „Disco“ weder nominiert noch gewonnen. Miley Cyrus twerkt sich nicht an Josh Homme heran. Und Daft Punk nehmen die Helme ab (Oooookay, immer noch nicht). Aber mal von vorne:

Letztes Jahr gingen viele der Grammophönchen an diverse Künstler aus Europa. Weil es aber Adele und Mumford & Sons gewagt haben und einfach keine neuen Platten veröffentlicht haben, sieht es 2014 schon ganz anders aus. Die Grammys 2014 gingen eher wieder in Richtung All-American-Show. Wäre da nicht diese 17-jährige aus Kiwi-Country, die vom ebenfalls nominierten David Bowie geliebt wird und die ganz nebenbei das Musikjahr 2013 ab Sommer ordentlich durchgemischt hat: Lorde. Und wären da nicht die französischen Roboter von Daft Punk. Wir freuen uns  vor allem über Nominees, die uns schon seit Jahren am Herzen liegen: Dave Grohl. Die eben genannten Daft Punk. Queens of the Stone Age. Bruno Mars. Alabama Shakes. The National.  Stephen Colbert. Ed Sheeran. Regina Spektor. Robin Thicke. Calvin Harris. Und natürlich Taylor Swift.

Was aber zählt jede Nominierung, wenn man nicht gewinnt? Also, los, es ist kurz vor 6 Uhr in München und fast jede Kategorie hat inzwischen ihren Gewinner. Überraschung, Daft Punk hat mit „Random Access Memories“ alle Mitbewerber meilenweit hinter sich abgehängt. Das Roboter-Duo darf die Grammophone für Record of the Year, Album of the Year, Pop Duo Performance, Dance Album und Best Engineered Album sein eigen nennen. Kein Wunder, denn eigentlich kam wirklich niemand um das Album oder „Get Lucky“ herum. Vorteil für uns: Wir mögen Daft Punk und ihr „Get Lucky“ viel lieber als Robin Thicke und seine verfluchten „Blurred Lines“ (Mitmischer und Producer of the Year Pharrell Williams mögen wir immer). Schmankerl: Zur Live-Performance baten Daft Punk keinen Geringeren als Stevie Wonder auf die Bühne.

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Ebenfalls einen Haufen Grammys einstreichen durften die weißen Rapper aus Seattle: Macklemore & Ryan Lewis bescherten uns laut Recording Academy, die den Preis vergibt, die  Best Rap Performance, den Best Rap Song und das Best Rap Album. Eminem, Drake und überraschenderweise auch der Goldjunge des Rap, Jay-Z, gehen in diesen Kategorien leer aus. Letzterer bekommt für seine Kollabo „Holy Grail“ mit Justin Timberlake immerhin einen Grammy. Aber zurück zu Macklemore & Ryan Lewis: Die beiden bekommen auch den Preis als Best Newcomer – naja, will man sich wirklich hier einreihen? Hmmmmm, nein. Aber die Performance mit Trombone Shorty, Madonna und Mary Lambert is‘ mega und allein deshalb hoffen wir, dass es Macklemore besser macht als mancher seiner Vorgänger.

Lorde verweist mit ihrem Grammy mehr oder weniger gestandene Pop-Größen wie Pink, Bruno Mars und Katy Perry auf ihre Plätze: „Royals“ ist nun ganz offiziell der Song of the Year. Doch damit nicht genug: Sie streicht auch den Preis für Best Pop Solo Performace ein und gewinnt so gegen Justin effing Timberlake! Damit hat man ja nun auch nicht gerechnet. The Kiwi for President?! Fast. Katy Perry geht in dieser Nacht komplett leer aus und auch von Justin Timberlake ist man anderes gewöhnt – mal abgesehen von dem Kollaborationspreis mit Jay-Z  bekommt er nur noch die Preise für Best R’n’B-Song für „Pusher Love Girl“ und das beste Video „Suit & Tie“ (wieder mit seinem Superspezl Jay-Z). All das, obwohl er auf zwei Marketingstreiche aufgeteilt die „20/20 Experience“ veröffentlichte. Den Preis für Best Pop Vocal Album für  seine „Comeplete Experience“ hat ihm aber Bruno Mars weggeschnappt: „Unorthodox Jukebox“, das Album auf dem Ursis Dauerschleifen-Song „Locked Out of Heaven“ vertreten ist, gewinnt hier.

Bildschirmfoto 2014-01-27 um 7.07.24 AMDie alten Hasen von Black Sabbath heimsen für „Is God Dead?“ den Grammy für Best Metal Performance ein, Volbeat und Killswitch Engage dürfen sich in dieser Kategorie anschauen, wie man’s macht. „Celebration Day“ von Led Zeppelin ist nun offiziell das Best Rock Album, die Großartigkeit von „…Like Clockwork“ ist der Academy da nicht ganz bewusst, tippe ich. Imagine Dragons aus Las Vegas lieferten mit „Radioactive“ die Best Rock Performance des Jahres ab – man kann nur hoffen, dass dieser Song jetzt nicht mehr in der Sportschau verwurstet wird. Aber jetzt, Auftritt Dave Grohl: Der Soundtrack zu seinem Film „Sound City“, „Sound City: Real To Reel“, ist der Best Compilation Soundtrack for Visual Media. Kein Wunder, hat er doch vor etwa einem Jahr mit seiner All-Star-Band alle umgehauen! Und nicht nur das: „Cut Me Some Slack“, sein Song mit den alten Nirvana-Kollegen und Paul McCartney, wurde zum Best Rock Song gekürt. Muse, die Rolling Stones und Black Sabbath wären zwar auch würdige Gewinner gewesen, aber Dave’s the man – ohne Frage. Und weil er das ist, hat er mit Trent Reznor von den Nine Inch Nails und den Queens of the Stone Age live bei der Award-Show performt: Sonnenbrillen auf!

Die Grammys wären aber nicht die Grammys, wenn es nicht auch etwas – nun ja – unerwartete Gewinner in selten gehörten Kategorien gäbe: Herb Alpert gewinnt verdientermaßen Best Pop Instrumental Album. Herb wer? Herb Alpert! Kennt jeder, weiß es nur nicht. Wetten, dass jeder mitpfeift und das nicht nur, wenn er die Version von Homer Simpson hört?! Und irgendein Kanadier gewinnt mit „To Be Loved“ das Best Traditional Pop Vocal Album. Ups, es ist Michael Bublé – die Taylor Swift Kanadas. Justin Bieber ist nicht nominiert dieses Jahr und insgeheim warte ich, dass Kanye West mit North West und Kim Kardashian auf der Harley die Bühne entert und Justin Timberlake den Preis für das beste Musikvideo wegnimmt, Tay-Tay basht und dann einfach wieder abdüst. Passiert alles nicht – es sind eben doch die Grammys.

Natürlich gilt auch 2014: Keine Grammys ohne dass Sir Paul McCartney gewinnt! „Wings Over America“ wird das Best Boxed Package und „Love Kisses“ Best Music Film – in letzterer Kategorie gehen Coldplay, Green Day, Mumford & Sons und Ben Harper leer aus. Echt, Sir Paul hat’s immer noch drauf! Ich hätte vermutlich getötet, um das live zu sehen: Ladies and Gentlemen, it’s Sir Paul and Ringo Starr (bei 1:07 geht’s los)!

Der Vollständigkeit halber: Ri-Ri-Rihanna gewinnt dieses Jahr Best Urban Contemporary Song für „Unapologetic“, Alicia Keys stellt zurecht als „Girl on Fire“ das beste R’n’B-Album. Vampire Weekend haben das Best Alternative Music Album abgeliefert und dürfen für „Modern Vampies Of The City“ ein Grammphon einpacken. The National dürfen ihnen da leider nur dabei zusehen. Darius Rucker, seines Zeichens Best New Artist von damals mit Hootie & the Blowfish, nimmt als Best Country Solo Performer seinen zweiten Grammy für seine Version von „Wagon Wheel“ mit nach Hause. Best Country Duo werden die Civil Wars. – Reden die eigentlich schon wieder miteinander? Oder haben sie sich auf der Bühne angezickt? Und was ist da eigentlich passiert? Man weiß es nicht. Comedy-Central-Star Stephen Colbert gewinnt für „Christmas – The Greatest Gift of All“ den Best-Spoken-Word-Preis und darf sich hier jetzt mit Barack Obama auf eine Stufe stellen. Ziggy Marley und die Gypsy Kings gewinnen auch je noch ein Grammophon. Und natürlich doch noch Adele, indirekt zumindest: „Skyfall“ ist der Best Song Written for Visual Media. Wir hätten es Regina Spektor für ihren Titelsong zu „Orange is the New Black“ gegönnt. Und auch Coldplays Chris Martin kann die Welt jetzt nicht mehr verstehen – war doch der Titelsong zum zweiten Teil der Hunger Games eigentlich sein Safe Bet. Ups.

Verdienterweise haben Kraftwerk den Preis für ihr Lebenswerk erhalten. Naja, ziemlich verdient: Wir fragen uns, wieso Fraktus nicht auch in dieser Kategorie nominiert waren. Aber man muss die Academy auch einfach nicht immer verstehen.

Foto: twitter.com/foofighters