Nach einem doch sehr indie- und electrolastigen 2013 kommt mir das neue Jahr grade Recht. Genug wurde versonnen schwadroniert, introvertiert geschrabbelt und bis zum Tinitus gesynthesized. Und Daft Punk gehen bei mir sowieso erst nach vier Bier plus – ich sags, wies ist. Natürlich war auch viel Gutes dabei, aber die Platten mit den dicken Eiern musste man ehrlicherweise schon ein bisschen suchen.

Keine Sorge. Wie Renzos spitzenmäßiger Ausblick gestern gezeigt hat, gibt es für Fans der poppigeren Gangart, der Indie-Fraktion und für die Hip-Hop-Dudes auch in diesem Jahr wieder mehr als genug Material, aber ich freu mich 2014 wieder besonders auf die rauheren Töne. Dazu hab ich mal wild in meinen Hinrnwindungen gekramt und herausgekommen ist folgende, zugegeben etwas wüste Aufstellung. Die genügt nicht ansatzweise einem Anspruch an Vollständigkeit wie bei Renzo, sondern fischt eher die Sachen heraus, auf die ich mich in 2014 besonders freue. Obs jetzt neue Platten sind, Konzerte oder einfach neuentdeckte Bands, auf die ich in 2014 ein Auge haben werde, Hauptsache Gitarren spielen die Hauptrolle. Vielleicht ist ja auch die eine oder andere Geschichte für euch dabei, wenn es zwischendurch mal etwas krawalliger ausfallen darf.

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Bruce Springsteen hat den Anfang gemacht, mit seinem 18. Studioalbum High Hopes. Da kommen jetzt zwar auch nicht gerade Flammen aus den Boxen geschossen, aber Hey, er ist der Boss, und hat den Rock ja quasi miterfunden. Ich gebe zu, mit den neuen Platten (sagen wir mal alles nach 2000) werde ich einfach nie so warm, wie mit seinen frühen Werken, und so ist es auch beim neuesten Longplayer. Aber gut, er hat da auch Klassiker rausgehauen, da wird er sich schwertun das jemals zu toppen. Der Mann ist einfach eine Instanz und live können ihm nur wenige das Wasser reichen.

Mogwai und Against Me! haben ihre neuesten Platten auch schon draußen und es folgen noch so viele mehr, ich halts kaum aus. OK, Mogwai ist schon auch elektronisch aber eher so die dicke, glänzende Glasur über dem knackigen Post-Rock-Kern. Gilt also auf jeden Fall. Die Platte ist wieder brutal gut. Ich habs geschafft sie neulich Nacht vier Stunden am Stück zu hören. Gefühlte zwei Stunden davon nur „Remurdered“ (Oberfett!) und „No Medicine For Regret“ (Uaaaahhh. Gänsehautanfall.). Unter die Destillateure sind die Schotten jetzt auch noch gegangen und haben ihren eigenen, streng limitierten Single Malt Whisky im Angebot. 55 Pfund kostet das edle Tröpfchen und eignet sich somit wohl eher weniger für kreativ-ambitionierte Mixvorhaben, wie einen gepflegten Mogwai Mule. Am 5. Februar gehts für die Münchner ins Backstage Werk, alle anderen finden die kompletten Tourtermine hier.

 

Und die neue Against Me!??? Mein lieber Scholli. 29 Minuten kontrollierter Wutanfall mit Texten, die einem die Schuhe ausziehen. Das Album „Transgender Dysphoria Blues“ kratzt bei mir nicht mal einer Woche nach seiner Veröffentlichung bald an der 20 Durchläufe Marke. Bei der kompakten Laufzeit geht das natürlich ein bisschen schneller als bei anderen Platten, aber trotzdem. Obs dieses Jahr mit europäischen Live-Dates was wird? Wir werden sehen, und euch natürlich auf dem Laufenden halten.

 

Im Februar gibts sowohl gepresst als auch live Neues von Wolves Like Us. Die Punkrockband mit leichtem Metaleinschlag hat schon ein erstes Video rausgelassen. Gefällt mir sehr, sehr gut. Hat was von den früheren Deftones. Das gefeierte Debüt der Norweger ist jetzt auch schon wieder unfassbare drei Jahre her. Das Konzert im Orangehouse fast genauso lang. (Die Show war am Tag des schrecklichen Anschlags auf Utoya, das werd ich nicht vergessen, und die Band stand entsprechend leicht neben sich. Was sie aber nicht davon abgehalten hat ein großartiges Set zu spielen.) Es wird also wirklich Zeit für hochwertigen Nachschub.

 

Und dann wird einmal tief Luft geholt für Neues von Comeback Kid Anfang März. Der Albumteaser macht schonmal sehr neugierig. Genaues weiß man nach den eineinhalb Minuten zwar noch nicht, aber das könnte schon ordentlich fett werden. Was ich zumindest jetzt schon genau weiß, beim Konzert, das sie dieses Jahr dann hoffentlich auch noch spielen werden, stehen mein Rückenleiden und ich auf jeden Fall gaaaanz hinten.

 

La Dispute. Was soll ich sagen. Die Jungs aus Michigan haben mit ihrem 2012er Album „Wildlife“ (und auch schon mit dem Vorgänger aus 2008) ordentlich beeindruckt. Ich frag mich, woher sie in ihren jungen Jahren schon den Erfahrungsschatz haben, der sie solche umwerfenden Songs schreiben lässt. Post-Hardcore ist ihr Terrain. Ja genau, das ist also kein Hardcore mehr, es gibt jetzt auch schon wieder Post-Hardcore! Jedenfalls ist ihre Musik so unglaublich gut, clever und fett gemacht, dass es ganz aus ist. Und was sich der kleine Jordan Dreyer da vorne die Seele aus der schmalen Brust plärrt, versetzt mich jedes Mal wieder in Staunen. Es gibt nicht viele Bands, die es schaffen die quasi unantastbaren Hot Water Music an die Wand zu spielen. Der Pokal geht an La Dispute. So gesehen im Juni 2012 im Rockhouse Salzburg. Das Album „Rooms of the House“ kommt am 18. März und die Bande im April/ Mai auf Europatour auch zu uns (alle Tourdaten hier).

 

Ebenfalls im April/ Mai darf sich Europa auf Brand New freuen. Fast 15 Jahre gibts die durchaus punkgefärbte Alternative-Rock-Kombo nun schon. Dass sie auf ihrem Weg nach 2014 vielleicht den ein oder anderen Fan verloren habe, nehmen sie mit Humor und äußern sich auf ihrer Homepage wie folgt zu den Stationen ihrer Tour: „If you are one of the 3 people in France that still listen to us, we’re sorry, but the rest of your country didn’t want us there. Next time. We swear!“. Ein neues Album ist erstmal nicht angekündigt, aber von mir aus können sie live auch einfach einen extended Durchlauf ihres Hammer-Albums „The Devil And God Are Raging Inside Me“ (2007) spielen, gesprenkelt mit ein bisschen Material vom Nachfolger „Daisy“ (2009).

 

Captain Planet haben mir letztes Jahr viel Freude bereitet. Ihr  Album „Treibeis“ war über weite Strecken der Soundtrack zu meinem 2013. In die Best Of Liste hats die Scheibe nur nicht geschafft, weil sie eben schon 2012 rausgekommen ist. Dafür war ihr Konzert in Berlin die reine Freude und ganz weit oben auf der 2013er Liste der Top-Shows. So wies aussieht, kommt München dieses Jahr tatsächlich auch mal in den Genuss, das Hit-Repertoire dieser hervorragenden Band live zu erleben. Am 29. April im Café Muffathalle. Oh Ja! Eins steht fest, alle müssen da hin. ALLE!

 

Matula haben zwar noch das Indie vorm Rock stehen, sind aber auch auf der guten Seite zu Hause. Die Hamburger musizieren in schönster Tradition der vorgenannten Captain Planet und den Kollegen von Turbostaat, wenn auch deutlich weniger punkig und schroff. Aber gute deutschsprachige Texte und ein Gespür für Hit-Melodien machen sie auf jeden Fall zu einem Tip für Leute, die eine Band suchen, die heute ein bisschen so klingt, wie die ganz frühen Kettcar. Oder so. Die Platte „Auf allen Festen“ kommt, wie anscheinend fast alles, im Februar, live gibt’s die Nordlichter im März bei uns.

 

Und dann sind da noch Bad Drugs. Wer Songs hat, die heißen „Your R.A.M.O.N.E.S. Coverband Sucks“ oder das Gespann „I Hate The Winter“ und, Achtung!, „I Really Hate The Winter“, der hat grundsätzlich schonmal Aufmerksamkeit verdient. Diesen Monat legten die Berliner mit „Old Men Young Blood“ ihr Debüt vor. Die Platte braucht noch ein paar Durchläufe, bis ich mir ein fundiertes Urteil erlauben möchte, aber dieses Lied passt zur aktuellen Wettersituation ja mal wie die Faust aufs Auge.

 

Zurück in die Staaten. Eine meiner Entdeckungen 2013 waren Iron Chic aus Long Island, NY. Ihr Album „The Constant One“ lief so oft, wie nur wenige andere Platten letztes Jahr. Immer schön abwechselnd mit der nicht minder großartigen „The Beauty Between“ von RVIVR. Musikalisch sind die Bands aus dem gleichen Holz geschnitzt. Und so macht auch passenderweise RVIVR-Krawallschachtel Erica Freas bei ein paar Songs auf „The Constant One“ mit. Wonderful! Am 13. Mai also ein Pflichttermin, wenn die Kombo im Kafe Kult aufläuft.

 

Und noch eine Neuentdeckung von letzter Woche. PUP schreddern irgendwo zwischen The Hives und The Bronx. In ihrer Heimat Kanada gehen die jungen Teufel schon ordentlich ab, dieses Jahr traut man sich tourtechnisch auch ein erstes Mal über den Teich. Leider diesmal nur zwei Deutschlandkonzerte in Berlin und Köln, aber ich wage die Prognose, dass das beim nächsten Mal anders ausschauen wird. Das Debütalbum gibts bei uns ab 4. April. Mit „Reservoir“ haben sie schon den ersten Smash-Hit und meinen neuesten Ohrwurm am Start. Das Video kann auch einiges! Aufgenommen bei einem Gig in Ontario, mit echtem Publikum. Die gefallen mir jetzt schon richtig gut!

 

Neues auch von OFF!. Die Punk-Supergroup hat für April eine neue Platte angekündigt. Ihr zweites, selbstbetitels Album hat 2012 ja eine richtiggehende Hysterie in der Szene ausgelöst. Nicht nur unter Fans, sondern auch in jeder zweiten halbwegs respektablen Punk/Rock/etc. Formation war auf einmal mindestens einer mit dem prägnant gebrandeten Off!-Baseball-Kappi am Start. Der erste Vorgeschmack aufs Album ist ein einziges Gerumpel, das grade mal so über die 1-Minuten-Marke schrammt. Sauber. Vielleicht passt das Album am Ende ja sogar auf eine Seite einer LP.

 

Schlechte Nachrichten kommen dagegen von Motörhead. Nachdem die Tour im letzten Jahr wegen Lemmys angeschlagener Gesundheit nach 2014 verschoben wurde, sind jetzt auch die neuen Termine im Februar erstmal ersatzlos abgesagt. Au weh. Das hört sich gar nicht gut an. Wenn der Kilmister auch nur ein Konzert absagt, muss es schon bedenklich um ihn stehen. Jeder der seine Biographie „White Line Fever“ gelesen hat, dürfte sich aber gleichzeitig die Frage stellen, wie er überhaupt noch am Leben sein kann, und bis vor kurzem auch noch in der Lage war, ein volles Konzert durchzustehen. Ob er nun jemals wieder eine Show spielen wird, ist ungewiss. Wir wünschen dem Mann, der es schafft gleichzeitig ein einziger lebender Exzess und vollendeter Gentleman zu sein, von Herzen Gute Besserung!

Ein, sagen wir erstaunlicher Live-Event wartet dafür im Juni. Black Sabbath und Soundgarden musizieren am Königsplatz! Aha. Wo sich sonst Weltmusikanten und David Guetta die Klinke in die Hand geben (und sich die Verantwortlichen schon bei Schmusepop regelmäßig wegen Lärmbelästigung einscheißen) beißt diesen Sommer der umnebelte Ozzy vielleicht nochmal zu infernalischen Klängen einer Fledermaus den Kopf ab? Ein in jedem Fall denkwürdiger Tag für die Weltstadt mit Herz.

Triggerfinger kommen uns im Mai besuchen. Und auch diesmal schaffe ichs wieder nicht sie zu sehen (muss eine Bomben-Live-Band sein!), denn am gleichen Tag geben sich Iron Chic in München die Ehre. Arrgghhh. Aber da muss man Prioritäten setzen. Ich würd trotzdem gern wissen, wieviele halbseiden informierte Konzertbesucher schon wieder völlig überfordert aus einer Show der Belgier rausgestolpert sind. Nicht wenige erwarten wahrscheinlich 1 1/2 Stunden vom Kaliber ihres zugegeben hervorragenden aber eben nicht gerade repräsentativen einzigen Radio-Songs, dem Lykke Ly Cover  „I Follow Rivers“. Wenn einem dann statt gefühlvoller Akustikballaden ein gewaltiges Brett aus feinstem Stoner-Rock um die Ohren gehauen wird, kann man schon mal irritiert sein.

 

Der Turner Frank hat sie empfohlen, also musst ich sie mir natürlich mal anhören. J. Roddy Walston And The Business klingen seiner Meinung nach wie Thin Lizzy und Jerry Lee Lewis bei einer Kneipenschlägeri. Oder, wenn man mich fragt, auch ein bisschen wie die ganz frühen Kings Of Leon zu „The Bucket“ Zeiten. Südstaaten-Sound mit Schrabbel-Gitarren trifft auf Saloon-Piano. Heiße Kombi! Die sollte man sich dieses Jahr mal genauer anschauen. Leider ist das aktuelle Album bei uns (noch) nicht zu haben.

 

Die Frauen machen sich rar, in der etwas lauteren Gangart, langsam fällts auf. Aber damit sich Against Me!s Laura Jane nicht gar so einsam fühlt im Krawallsektor, kriegt sie Unterstützung von Brody Dalle. Die ehemalige Frontfrau der Distillers (die hatten sich aufgelöst, oder?) ist inzwischen die offizielle Mrs Josh Homme (und weiterhin die inoffizielle Traumfrau von unserm Casper). Ende Februar kommt sie leider für nur zwei Shows nach Europa und so dürfen sich nur die „echten“ Großstädter aus London und Berlin über eine ordentliche Dosis ihrer legendären Reibeisen-Stimme und eine vermutlich traditionell eher kleiner ausfallende Dosis Outfit freuen. Zumindest diejenigen, die schnell beim Kartenkauf waren. Beide Termine waren recht schnell ausverkauft. Aber mir war als sollte da dieses Jahr auch noch ein Album kommen. Ich behalt das Mal im Auge. Bis dahin ein kleines und kurzes Videoschmankerl, The Distillers live @ CBGBs.

 

Und was wäre dieses Musikjahr ohne die Foo Fighters! Dave Grohl hats ja spätestens seit „Wasting Light“ mit den PR-Stunts (von Garagenkonzerten zur Weltherrschaft), und so verwundert es auch nicht, dass die Infos zum neuen Album seit Monaten schnitzeljagdgleich eintröpfeln, sich aktuell mit wohlgestreuten Info-Fetzen verdichten und sich schon wieder subtil aber höchst effektiv eine kleine Hysterie in den Medien aufbaut. Aber hier passiert nichts ohne Plan, soviel steht fest. Und so dürfte auch die neueste Info, die ein gewisser Australier namens Wes dem Herrn Grohl und Produzenten-Guru Steve Albini in einer Chicagoer Bar bei nem Drink aus der Nase gezogen haben will, ein geplanter Schachzug sein. Dass dieses neue Album in einer nie dagewesenen Form aufgenommen werden würde, war ja schon länger bekannt – wir haben berichtet (haha, das wollt ich schon lang mal schreiben!) – nun bestätigt sich sogar unsere damalige Vermutung, was es denn so einzig- und neuartig machen würde. Nämlich dass jeder der 12 Songs in einer anderes Stadt und mit einem einmal mehr völlig neuartigen Recording-Verfahren aufgenommen werden wird. Aber nochmal zurück zu unserem gesprächigen Aussie-Kollegen. Wenn ich Dave Grohl bin, und spektakuläre Albumpläne habe, die auch spektakulär geheim bleiben sollen, dann erzähl ich sie nicht in ner Bar irgendeinem Wes. Tut uns leid Wes, wie auch Markus Lanz, hast du hier wohl eher nichts aufgedeckt, sondern bist halt ein weiteres Puzzlestück in Meister Grohls ausgeklügelter PR-Maschine. Aber tröste dich, so ungeil ist das ehrlichweise dann auch wieder nicht, oder? Und das Bier ging ja sicher auch auf den Rockstar.

Wir sind gespannt, was sich noch so alles tut in diesem Jahr, aber fürs Erste sind wir schonmal ganz gut versorgt. Für die Konzerttermine, schaut einfach regelmäßig in unseren Kalender und wenns Neues von der Krawallfront zu berichten gibt, dann sehen wir uns hier zu Teil 2.

Apropos Bier. So eins käm jetzt grad recht zu der Playist. Noch zu früh? Ahhh, geh weida….

 

Foto: themusicminutes