Heute erscheint mit „Live At Skater’s Palace“ eine ganz besondere Platte unseres hochgeschätzten Chuck Ragan. Zwischen Shows mit seiner Band Hot Water Music, seinem persönlichen Baby, der Revival Tour und einer neuen Studioplatte, die auch bereits in Kürze erscheinen wird, nutzte der Tausendsassa den letzten Sommer für eine ausgedehnte Deutschlandtour. Im Skater’s Palace in Münster entstand dabei ein großartiges Live-Album. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass Chuck Ragan die Location für eine Live-Show wählt, die Platte aber hält trotzdem reichlich Premieren und Überraschungen bereit.

PromoImageIn unseren musiknarrischen Herzen hält der Chuck schon seit jeher einen Platz ganz weit oben. Er ist einer der Künstler, denen man anmerkt, dass sie mit jeder Faser ihres Körpers Musiker sind. Die Leidenschaft für das, was er tut, steht ihm ins Gesicht geschrieben und dringt ihm aus jeder Pore (bei Live-Shows manifestiert sich das gerne in Sturzbächen von Schweiß.) Alles, was der Mann anfasst, muss man lieben. Hot Water Music ist eine meiner Lieblingsbands für alle Zeiten und was er mit der Revival Tour zusammen mit seiner Frau Jill auf die Beine gestellt hat, sucht seinesgleichen. Die Reihe ist inzwischen international eine Institution und ruft schon erste Nachahmer auf den Plan.

Aber auch wenn der Mann mit dem unverwechselbaren Organ und der unfassbaren Live-Energie solo unterwegs ist, gehört er in die erste Liga. Man nimmt ihm einfach ab, was er da macht, was er da singt und möchte jedesmal wieder Danke sagen für soviel Herzblut und für Songs, die schon so oft der Soundtrack waren für die guten und die weniger guten Tage im Leben. Alles ist ausgeblendet, wenn er mit einem Lungenvolumen wie Popeye seine unzähligen Klassiker rausschmettert. Da liegt zwischen Gänsehaut und kollektivem Ausrasten oft nur die Pause zwischen zwei Songs.

20130815mas042Es muss also eine Schau gewesen sein, an diesem Hochsommerabend im August im ausverkauften Skater’s Palace, als er noch ein paar mehr Überraschungen im Gespäck hatte. Zu diesem Konzert war er nämlich in kompletter Bandbesetzung angerückt. Zusätzlich zu seinen treuen Begleitern Joe Ginsberg (Bass) und Jon Gaunt (Violine) waren Social Distortions Dave Hidalgo am Schlagzeug und Todd Beene von Lucero an der Pedal Steel Guitar dabei. Dazu noch US-Folksänger PJ Bond. Als Zuckerl zauberte er auch noch den holländischen Songwriter Tim Vantol aus dem Hut, der ihn passenderweise bei „Rotterdam“ gesanglich unterstütze. Und mit Josh Mann von der australischen Punkrock-Hoffnung Paper Arms (deren 2013er Debüt „The Smoke Will Clear“ ist eine Spitzenplatte, die euch hiermit ans Herz gelegt sei!) holt er sich eine tolle zweite Stimme für den ewigen Hitlisten-Ersten der Herzen „The Boat“.

Das Set ist anlassgemäß ein wahres Schmuckstück. In einem perfekten Querschnitt seiner Soloplatten reihen sich neuere Stücke wie „Nothing Left To Prove“ oder „Meet You In The Middle“ von der Covering Ground LP (2011) an liebgewonnene ältere Songs wie „For Goodness Sake“ oder „Rotterdam“ vom 2009er Album Gold Country, und heißgeliebte Ragan-Oldies. So spielt er sein erstes Album Feast Or Famine (2007) bis auf wenige Songs komplett. Über-Songs wie „The Boat“, „For Broken Ears“ oder „Do You Pray“ werden bei jeder Live Show quasi kultisch gefeiert und ergebenst vom Publikum mitgesungen. Da machen auch die Versionen auf dieser Platte keine Ausnahme und jagen einem mehrfach einen ordentlichen Schauer über den Rücken. Der Mann hat uns wirklich schon die ein oder andere Hymne beschert. Ein weiteres Lied, bei dem man sich wünscht bei diesem Spektakel dabei gewesen zu sein, ist „Drag Your Body“ vom letzten Hot Water Music Album. Ein Monster von einem Song! Und auch in dieser Variante grandios. Auch ohne Chris Wollard und Co macht er hier keine halben Sachen. Da wird wieder rausgehauen, als würde es um sein Leben gehen. Wo er die fast übermenschlich erscheinenden Kräfte für seine Performances immer her nimmt, vor allem bei seiner teilweise schier endlosen Tourerei, weiß auch keiner so recht. Wenn man nach seinen Foto-Posts geht, wohl beim Spaziergehen mit seinen Hunden und beim Fischen. Ja, einen Ausgleich braucht der Mensch!

PromoImage3Chuck Ragan ist wirklich ein Geschenk für Musikliebhaber und in jeder Konstellation ein Ereignis. Nur er, diese brachiale und gleichzeitig so emotionsgeladene Stimme und seine Gitarre machen einen genauso fertig wie das Brett, das er zusammen mit Hot Water Music auffährt oder die Konzert-Party, in die seine Revival Tour jedes Mal wieder ausartet. Dieser Mann hat sie alle im Griff, für die Zeit, die er da oben steht. Und ob er sich nun durch HWM-Kracher wie „Remedy“ tobt oder die seiner Mutter gewidmete Ballade „Geraldine“ anstimmt, immer vergisst man zwischendurch mal kurz das Atmen. Und wenn am Ende dieser Platte alle Gastsänger bei „Calfifornia Burrito“ einstimmen, ist es wieder kurz Revival-Tour-Zeit. Vielleicht ist es genau das, was diese Live-Platte so spannend und besonders macht. Sie vereint das Beste aus all diesen Chucks. Dazu gibt es einige der Song-Klassiker bisher noch gar nicht in einer Full-Band Variante, und diese dichtere Instrumentierung steht ihnen tatsächlich sehr gut. Mit „Bedroll Lullaby“ ist dann auch noch ein erster Song vom kommenden Studioalbum „Till Midnight“ dabei. Das soll anscheinend schon im März nachgelegt werden! Mei, ein paar Runden die Angel schwingen, dann wird das schon.

Ein wahres Schmankerl und Liebhaberstück ist sie also, diese Live-Platte und kommt deswegen nicht umsonst ausschließlich als streng limitierte Doppel-LP heraus.

Das famose „Meet You In The Middle“ können Interessierte und Zweifler hier schonmal Probehören. Und dann, nix wie ran an die Platte! (die gibt’s z.B. hier und den passenden Plattenspieler dazu beim Elektrofachmann eures Vertrauens.)

 

Chuck Ragan „Live At Skaters Palace“ ist am 31.01.2014 bei Uncle M erschienen. 

 

Fotos: PR