Bier und Beziehungen. Was interessiert uns so rund um die 30 ehrlicherweise mehr? Eben. Dachte sich auch Regisseur Joe Swanberg und hat den Film „Drinking Buddies“ gemacht. Aber weil Bier und Beziehungen meistens besser mit Musik funktionieren, legt er auch noch einen feinen Soundtrack oben drauf. We like – all of it!

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Ein Film über zwei Freunde, Mann und Frau, die in einer Kleinbrauerei in Chicago arbeiten. Beziehungen, Herzschmerz, zu viel Schnaps, Unmengen von Bier, die plötzliche Ernüchterung – das alles gibt es in „Drinking Buddies“, einem Film von Joe Swanberg aus dem Jahr 2013. Und weil der Film so indie ist, dass in Deutschland noch nicht einmal ein Verleih sein Potenzial für die Gruppe der Twenty-to-Thirty-Somethings erkannt hat, ist der Soundtrack ebenso indie: elf Interpreten, mir alle gänzlich unbekannt, tragen genauso zum Erfolg des Films bei wie die Leistung der Schauspieler.

„Drinking Buddies“ lief nur in ganz wenigen Kinos in den USA an, weil für diese Art von Independents einfach nicht viele Kopien gepresst werden. Aber er wurde – aller schlechter Prognosen zum Trotz – ein Erfolg. Olivia Wilde und Jake Johnson spielen da die besten Freunde, bei denen einfach nicht ganz klar ist, wann, ob oder ob da eben nix geht. Jason Sudeikis, im echten Leben der Verlobte von Olivia Wilde, spielt den Chef der Mikrobrauerei, der eine Schnapsregel mit Malört für Neu-Singles erfunden hat. Anna Kendrick und Ron Livingston spielen die Partner von Johnson und Wilde – in einem Fall funktioniert das ganze irgendwie doch, im anderen so gar nicht. Olivia Wilde trinkt als Kate so unglaublich viel Bier und viel mehr als ihre männlichen Kollegen zu allen Tageszeiten, dass man sich fragt, wie sie eigentlich noch auf ihrem Fixie durch die Stadt düsen kann. Jake Johnson als Luke steht ihr in dieser Hinsicht in wenig nach, allerdings ist er als Brauer auch noch für das Bier verantwortlich. Der bunte Cast von Schauspielern aus „Saturday Night Live“, „The Office“ und „New Girl“ gibt diesem Film einen Slacker-Charme, wie er das letzte Mal vielleicht bei „Reality Bites“ erreicht wurde. Manche Zuschauer beschwerten sich, dass nicht genug passieren würde. Aber hey, so ist das Leben nun mal. „Drinking Buddies“ hält einer ganzen Generation eher einen Spiegel vor, als dass es nur reines Entertainment wäre. Sollen sich die Kritiker mal an der eigenen Nase packen!

In „Drinking Buddies“ wird gelitten und gesoffen, es wird gearbeitet, Unfug gemacht und es gibt die unvermeidlichen Szenen zwischen Mann und Frau. Wer dabei die größere Drama-Queen gibt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man sollte aber auf jeden Fall dafür dankbar sein, dass nicht jede Story ein Hollywood-Ende mit Pauken und Trompeten in schwarz-weiß mit Puderzucker-Anstrich benötigt, sondern auch ganz realistisch-vernünftig und gar nicht so anders, als sie begonnen hat, ausgehen kann. Oder warten manche Männer wirklich immer noch auf die smarte Sexbombe mit Uni-Abschluss, die Reifen wechseln kann, und Frauen auf den schnuckeligen Prinzen auf seinem bescheuerten Schimmel, der noch dazu verständnisvoll ist? – Ich hoffe nicht. Denn zu genau dieser Crux stellt Olivia Wildes Kate recht trocken fest:

That’s the problem with heartbreak, to you it’s like an atomic bomb and to the world it’s just really cliche, because in the end we all have the same experience.

Wie aber schon verraten, lebt „Drinking Buddies“ vor allem auch dank seines Soundtracks. Elf Songs sind es geworden von Acts, die mir zumindest auf den ersten Blick nichts sagen. Und diese elf fügen sich perfekt in das Setting des Films ein. Richard Swifts „Lady Luck“ untermalt die Opening Credits, in denen ganz schnöde die Brauerei samt Brautätigkeiten vorgestellt wird. Swift war als Produzent für The Shins tätig und ist inzwischen auch deren festes Bandmitglied. Hört man schon auch, aber sein Song auf dem Soundtrack ist weniger Indie als Soul. Cayucas, früher als Oregon Bike Trails in der Musiklandschaft unterwegs, steuern den zweiten Song „Highschol Lover“ bei. Denn sind wir mal ehrlich: Manche Dinge ändern sich auch nach der High School/ dem Gymnasium nie so wirklich. Der Song ist eine klassische Indie-Pop-Nummer des Trios aus Kalifornien und wird während eines Beer-tasting-Events im Film untergebracht. Auf diesem Event werden auch die vier Personen, um die es wirklich geht, das erste Mal als Paar einander gegenüber gestellt. High School all over again.

Mit gescheit viel Bläsern heizen Rubblebucket aus Brooklyn dem Brauerei-Kollegium ein: Denn wenn die nicht in der Brauerei gemeinsam trinken, sind sie auf ein Feierabendbier (wtf?!) noch in einer Bar und spielen Pool. Rubblebucket sollte man mit ihrer unkonventionellen Mischung aus allem, was gefällt, im Kopf behalten. Ihr Debüt „Omega, La La“ wurde von Paste folgendermaßen angepriesen: „instrumentally rich but catchy enough to ass-kick Katy Perry off the pop charts (in a just world)—mega-melodic without sacrificing an ounce of atmosphere or creativity.“ Gleiches passt im Übertragenen auch auf den Film, somit schließt sich der Kreis also wieder.

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Foxygens „In The Darkness“ kommt in einer etwas brenzligen, nicht ganz koscheren Szene vor – natürlich wird in der auch wieder getrunken. Hey, aber das Lied hat fast eigene Pausen, nur um sich zuzuprosten und die markante Textzeile „Maybe I won’t even go to work that day, I don’t care if I’m in trouble at all.“ Im Film gibt es dann noch ein Wochenende der zwei Paare, das etwas aus dem Ruder läuft – entgegen aller Vorsätze teilt sich das Quartett in die Gruppe „Bier“ und „Wein“ auf. Ich verrate an dieser Stelle nicht mehr, aber irgendwie kommt alles anders, als man denkt. Man fährt an den Lake Michigan, raus aus Chicago, zwei stürzen komplett ab und enden mit einer nächtlichen Schwimmaktion im See. Genau diese beiden sind es dann auch, die im Auto auf der Rückbank ihren Kater ausschlafen müssen – von Lagerfeuer am See bis zur Ankunft in Chicago läuft „Dragon“ von The Amazing. The Amazing sind eine Band aus Schweden, die bisher ein Album veröffentlicht haben und im Moment auf US-Tour sind. Noch nie hier gehört… Schade!

„Soon it will be Fire“ von Richard Youngs ist im Film zwar richtig gesetzt, dauert auf dem Soundtrack aber unfassbare 9:17 Minute. und damit leider mindestens fünf zu lang. Den kann man sich nicht immer ganz anhören – es singt nämlich nur Youngs und der begleitet sich mit einer Gitarre selbst. Im Film super, ohne Film eher mau.

Es gibt noch die zwei Songs, die man selber wohl auch auflegen würde, wenn Freunde einfach nur mit einem, dem letzten Bier auf der Couch abhängen oder man mit dem Significant Other noch eins trinkt. „Turns Around The Bottle“ von Barna Howard ist eines davon. Mit der bezeichnenden Textzeile „I can tell by the way you smile, that we’ve got a good thing going on“. Sind wir doch mal ehrlich, bei einer solchen Feststellung geht es nicht so sehr um Romanzen als einfach um das richtige Gefühl im richtigen Moment – das Gute, das Einzige, was zählt, wenn man sich gut versteht, ganz wurscht auf welcher Ebene. Unglaublich auch, dass Howard nicht einmal 1500 Facebook-Follower hat. Der zweite „Couch-Track“ ist „Borrowed Time“ von  den Night Beds, der mit seinem leichten Country-Ambiente genau die richtige Stimmung für das letzte Bier des Abends ausdrückt. Entweder man schläft dabei ein oder man geht nach Hause. Beides willkommene Optionen.

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Dass gerade Here We Go Magic mit „How Do I Know?“ aus Brooklyn die musikalische Unternamlung für eine Hochzeitsdiskussion sind, klingt zwar komisch – aber passt eben zum Film. Wann ist der richtige Zeitpunkt um „jetzt“ zu sagen? Here We Go Magic sind ein Trio aus Brooklyn (again), die genau wie mindestens drei andere auf dem Soundtrack beim Label Secretly Canadian unter Vertrag stehen. Secretly Canadian ist eine Plattenfirma aus Indiana, die sich zur Aufgabe gemacht hat, nur kleine, feine Indie-Acts zu vertreten. Das glückt ihnen ziemlich gut, wenn man sich das Line-up des Soundtracks so anschaut.

Plants & Animals aus Montreal bringen letztendlich alles, worum es in dem Film und Freundschaften geht, auf den Punkt: „We’re hoping to be friends, do cool stuff and be equals.“ In „Drinking Buddies“ würde kaum ein anderer Song mit anderem Text besser zu den End Credits passen. Und wenn man ehrlich ist, machen genau diese Dinge eine gute Freundschaft aus. Und natürlich ein paar Bier.

„Drinking Buddies“ ist ein Film, der ohne seinen Soundtrack höchstens seine Hälfte wert wäre und umgekehrt verhält es sich ebenso. Es handelt sich beileibe nicht um eine Romantic Comedy. „Drinking Buddies“ ist ein Film, in dem wenig passiert und manchmal doch viel erzählt wird – Woody Allen lässt grüßen. Deswegen: Schaut Euch diesen Film mit guten Freunden an, sobald ihr ihn irgendwo zu sehen bekommen könnt! Kauft dazu einen Six-Pack einer kleinen Brauerei und schlaft einfach auf der Couch ein. Das Leben kann nämlich so einfach wie schön sein.

Fotos: Magnolia Pictures