Als We Are Augustines spielten sie sich weltweit in die Herzen ihrer Fans, jetzt ist das New Yorker Trio nur noch als Augustines unterwegs. Und sie haben ein Geschenk für uns dabei: ihre neue Platte. 

Der seltsamste Fakt zuerst: Die Augustines wollten schon immer nur „Augustines“ heißen. Weil es aber andere Bands unter dem Namen gab, haben sie sich mittelfristig für „We Are Augustines“ entschieden. Dieses Jahr kehren sie mit dem kurzen, eigentlich gewünschten Namen wieder auf die Bühnen der Welt zurück. Und das Album, das sie schlicht und ergreifend und aus Freude vermutlich auch einfach nur „Augustines“ nannten, haben sie gleich mit im Gepäck. Aber nicht nur der Name hat sich geändert: Augustines verarbeiteten auf ihrem Debüt die Suizide aus Frontmann McCarthys Familie, kein Wunder, dass da so viele Songs so depimierend wie ehrlich waren. „Augustines“ rummst da deutlich mehr. Der NME findet Stadionrock-Anleihen in jedem Song und findet das nicht so toll; wir schon und deshalb freuen wir uns auch schon jetzt auf die Tour der Band durch die kleinen Hallen Deutschlands im Frühjahr.

Die erste Single „Nothing to Lose but Your Head“ fetzt einem auf gut deutsch gesagt die ganze Winterdepression samt der Frühjahrsmüdigkeit weg. Und wenn man so will, war genau das – der Motivationsschub, den es manchmal braucht – das Anliegen der Augustines: Musste man auf dem letzten Album den Charakteren noch beim Scheitern in einer traurigen, kalten Welt zuschauen, so stellt Sänger und Gitarrist Bill McCarthy für „Augstines“ klar:

„This time it’s absolutely about having the ability to help all the characters in the songs.“

Glücklicherweise zieht sich dieser optimistische rote Motivationsfaden durch das ganze Album: „Cruel Cites“ reißt mit seinen „ohooohhhs“ und „ahhhhaaaahs“ den letzten aus seinem Stupor (Wir stellen uns das schon live vor!). Dass in diesem Song wie in so manchem anderen auf dem Album  die recht dominante Gitarre ein bisschen klingt wie in den ganz alten Songs einer irischen Predigerkapelle stört hier auch nicht, sondern lässt eher das Knie mitwippen. Songs wie „Cruel Cities“ und „Don’t You Look Back“ klingen schon ein bisschen wie für Stadien geschrieben, aber hey – vielleicht gehören die Augustines da auch einfach hin. „Now You Are Free“ wird sich über kurz oder lang ziemlich sicher zur Mitgröhl-Hymne entwickeln, da sind wir uns recht sicher – schon allein wegen des „You gotta let go“ im Text und seines geklatschten Rhythmus in der Mitte des Songs. Und die Augustines haben verdammt nochmal auch recht, mit dem was sie da singen!

„This Ain’t Me“ ist wie McCarthys persönliche Abbitte: Die Hälfte des Textes besteht aus „I can change“. Und der Song klingt so eingängig und ist so klar strukturiert, dass man hier den Einfluss ganz deutlich hören kann: Kein Geringerer als der Boss selbst, Mister Springsteen, funkelt da bei manchem Takt durch.

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Und doch werden auf zwei Songs Klavier und die Streicher rausgezogen: „Avenue“ verzichtet gänzlich auf Gitarren und „Walkabout“ stellt sie schön in den Hintergrund. Näher kommen wir auf „Augustines“ nicht an eine Ballade ran, meine Damen und Herren! Allerdings hat es sogar ein Instrumentalstück auf der Platte: „Highway 1 Interlude“ . Dazu muss man vielleicht wissen, dass McCarthy nach der letzten Welttournee der damals noch We Are Augustines mit dem Motorrad rumgedüst ist: Durch Kenia, die Türkei, Mexico und Alaska brauste er, nur um am Schluss in seiner alten Grundschule in Kalifornien rauszukommen. Der Schule, in der er das erste Mal ein Instrument in der Hand hielt. Während McCarthy im wahrsten Sinn des Wortes back to the roots gereist ist, werkelten Eric Sanderson und Drummer Rob Allen an neuen Demos. Als sie wieder aufeinander trafen, war klar, dass da sehr schnell sehr viel entstehen würde.

Fragt man die Augustines, was sie zu ihrem zweiten, optimistischen Werk inspiriert hat, so antwortet Sanderson ganz ehrlich:

“We travelled the world searching for what really matters in life and looked for new goals,And like most things in life we found that the most important thing was right in front of our faces. People.“

Aus all diesen Begegnungen haben die Augustines ihre Inspiration und ihre Energie für ihr zweite, nicht umsonst selbst betitelte Platte gezogen. Und „Augstines“ ist genau für Menschen, die mit ihnen ihr Debüt in den Hallen und Stadien sangen, gedacht: “This is us handing it over to those people that sang our songs back to us all over the world”, stellt McCarthy fest. Und all diese Leute sollten sich geehrt fühlen, denn „Augustines“ ist ein großartiges Album. Nicht so düster wie „Rise Ye Sunken Ships“, sondern mit einem fetten Brett Optimismus in jedem einzelnen Song.

Seine Finger mit im Spiel hatte diesmal Peter Katis: Als Mitmischer bei The National, Frightened Rabbit und Interpol agierte er auch bei den Augstines diesmal als Koproduzent. Aufgenommen wurde das komplette Album in einer Kirche aus dem 19. Jahrhundert in New York, bei der die Ideen und die Kreativität laut McCarthy wie Lava aus einem Vulkan schossen. Hätten wir gern gesehen! Aber wir freuen uns umso mehr, dass wir das Resultat hören und auch demnächst schon in echt erleben dürfen: Die Augustines schauen ab dem 28. April in sechs deutschen Städten vorbei. Die genauen Daten könnt Ihr hier sehen.

„Augustines“ von den Augustines erscheint am 7. Februar bei Votiv/ Carolines/ Universal.

Foto: PR