Zuerst ist da der Bart. Die klaren Augen, der durchdringende Blick. Und dann diese flehende Stimme. William Fitzsimmons sorgt mit seinen ebenso traurigen wie wunderschönen Folk-Songs für intensive Momente.

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„I offer myself to you, though I am a broken thing.“ Die ersten Zeilen des neuen Songs „Centralia“ von William Fitzsimmons bringen das Werk des US-Singer/Songwriters auf den Punkt. In seinen intimen Songs gibt sich der 35-Jährige, der einiges durchgemacht hat, dem Zuhörer völlig preis. Mit „Lions“ legt William Fitzsimmons sein fünftes Studioalbum vor.

Auf seinen ersten Alben – „Until When We Are Ghosts“ (2005) und „Goodnight“ (2006) – verarbeitete William Fitzsimmons u.a. seine Kindheit als Sohn blinder Eltern und deren Trennung, auf Album Nummer drei, „The Sparrow And The Crow“ (2008), schrieb er sich vor sechs Jahren den Kummer über seine eigene Scheidung von der Seele. Auf seinem 2011 veröffentlichten Album „Gold In The Shadow“, das nach wie vor einige autobiografische Elemente enthielt, verarbeitete er dann die Zeit nach der Scheidung und griff erstmals Geschichten aus seinem Umfeld auf. Trotz vereinzelten Hoffnungsschimmer ist das Oeuvre von William Fitzsimmons bestimmt keine leichte Kost.

Heulsusig kommt William Fitzsimmons aber nicht daher! Trotz ihrer Traurigkeit machen die zwölf neuen Songs auf eine zarte, seltsame Art und Weise ziemlich glücklich. Die wunderschönen Melodien lullen einen wohlig ein, berühren.

Der zurückhaltende, sympathische Multiinstrumentalist aus Pittsburgh, der lange Zeit als Psychotherapeut arbeitete, ist ein brillanter Geschichtenerzähler. Seine meist persönlichen Erfahrungen verpackt William Fitzsimmons in filigrane Akustik-Folk-Songs, zwischendurch setzt er dezente elektronische Akzente. „Took“ zum Beispiel wird von einem zaghaften, zurückhaltenden Beat vorangetrieben. Dazu die gedämpfte, berührende,manchmal flehende Stimme des Sängers. Das erinnert teilweise an die filigranen von Scott Matthew.

Für sein fünftes Studioalbum holte sich William Fitzsimmons Unterstützung von seinem Wunschproduzenten Chris Walla, Gitarrist der Indie-Band Death Cab For Cutie, der zuvor bereits Künstlern wie Tegan & Sara, Nada Surf, The Poastal Service und Rocky Votolato unter die Arme gegriffen hatte. Walla sorgte wohl dafür, dass einige Songs an Tempo gewinnen. Die für William Fitzsimmons typische Tiefe und Eindringlichkeit bleibt dabei nicht auf der Strecke. Der Mann mit dem Bart trifft mit seinen ehrlichen, intimen Songs immer mitten ins Herz.

„Lions“ von William Fitzsimmons ist bei Grönland Records/Rough Trade erschienen.

Fotos: Verstärker, Erin Brown