Nachdem die Damen beim 2014er Ausblick in Richtung Gitarrenmusik ehrlicherweise etwas unterrepräsentiert waren, hab ich mich nochmal umgeschaut und das ein oder andere wilde Huhn ausgegraben. Wir treffen also alte Bekannte, spannende Neuzugänge und hoffnungsvolle Talente. Eins haben sie aber alle gemeinsam, die Klampfe halten sie selber und nicht (ausschließlich) der männliche Bandkollege.

Während es männliche Vertreter der Rubrik Singer-Songwriter und Folk-Barden ja grade gibt wie Sand am Meer, und es auch nicht an stetigem Nachschub mangelt, sind die hochkarätigen Damen hier eher dünner gesät. Und nachdem sich ja die geschätzten Indie-Sisters Tegan & Sara wohl auf Nimmerwiedersehen in die Rollschuhdisko verabschiedet haben, ist Nachschub an rockenden, singenden, songwritenden und gern auch unangepassten Ladies bitter nötig.

Hier eine zwar nicht unbedingt einem Konzept folgende, dafür von Herzen kommende Aufstellung an Gitarren-Girls, die man sich durchaus mal anhören sollte.

 

Courtney Barnett

Vom NME wird sie schon kaputtgehyped, geben wir ihr trotzdem eine Chance. Sie ist Mitte 20 und kommt aus Australien. Gerade ist musikalisch wieder so einiges los in Down Under. Courtney Barnett ist das Anti-Mode-Püppchen. Sie trägt ne wilde Metal-Frisur und Männershirts mit aufgekrempelten Ärmeln. Dazu handeln ihre Songs von Panikanfällen bei der Gartenarbeit (Avant Gardener) und Dosentomaten (Canned Tomatoes (Whole)). Diese Frau ist eine Geschichtenerzählerin (wenn auch eine kryptische)! Dazu eine Stimme, die ein bisschen an Courtney Love erinnert, aber mit einem Samtbezug drüber. Ab auf die To-Watch-List mit dir, Courtney!

 

Frances Quinlan/ Hop Along

Ob solo oder mit ihrer Band Hop Along, Frances Quinlans Stimme ist dafür bestimmt gehört zu werden. Irgendwo zwischen Kate Bush und weiblichem Walter Schreifels hört man bei ihr eine wohltuende Punk-Attitüde raus. Obwohl sie mit Hop Along, zuerst als Solo-Projekt, dann mit Bruder und Kumpel zusammen als Band nun schon fast 10 Jahre vor sich hin werkelt, so wirklich viel Material gibts von ihr noch nicht. Ein Soloalbum aus 2005, und dann aus Bandzeiten eine EP 2009 und ein Album 2012. Letzteres, namens „Get Disowned“ ist das einzige, das man seit 2013 auch bei uns bekommt. Mein Favorit ist aber definitiv der letztes Jahr erschienene Song „Sister Cities“. Der steht aber erstmal so für sich, und ist noch auf keiner EP oder LP zuhause. Hoffentlich kommt da also bald Mal wieder was.

 

Georgi Kay

Wenn man erstmal über die zugegeben eher schräge Frisur hinweg ist, haut einen die Musik dieser 20-Jährigen Australierin ziemlich um. Wer sich die großartige Mini-Serie „Top Of The Lake“ mit Mad-Mens Peggy Olsen Elizabeth Moss als Kriminalpolizistin, die in atemberaubender Kiwi-Kulisse in Sachen Kindesmissbrauch ermittelt, angeschaut hat, der kennt sowohl Georgis Musik als auch ihr Gesicht. Für die Serie hat sie nämlich nicht nur einige Songs beigeisteuert, sondern übernimmt auch eine klitzekleine Nebenrolle. Überm Trailer liegt „Ipswich“, ein Hammersong. Der ist auf ihrer bisher einzigen, bei uns erhältlichen EP enthalten. Gerade nimmt sie auf, und ich bin sehr gespannt, in welche Richtung das neue Zeug gehen wird. Ich seh sie ja eigentlichen als aufgehenden Indie-Rock-Stern, aber es könnte sie auch gut in die elektronischere Richtung ziehen. Dafür spricht ein Song anderer Couleur wie ihr „Do You Love Me“, für den sie Down Under merhfach ausgezeichnet wurde und ihre aktuelle Vorliebe für den französichen DJ und Produzenten Gesaffelstein.

 

Erica Freas

Ja, RVIVR haben in dem Ausblick durchaus Erwähnung gefunden, trotzdem sollte Frontfrau Erica Freas, die auch solo unterwegs ist, hier nochmal extra betont werden. Mann muss sie lieben. Was für ein Talent, und die Stimme ist ein Knaller. Mal schrill und rotzig wie ein angepisster Kobold mal durchaus kinderliedtauglich. Ich bin ehrlich dankbar für dieses Mädel. Es macht unglaublichen Spaß ihr zuzuhören und zuzuschauen. Und ich könnte immer und immer wieder ihr improvisiertes Cover von Nicki Minajs „Starships“ sehen. So gut! Wer mehr von ihr hören möchte, geht bitte auf ihre bandcamp-Seite und hört dort in ihre drei Alben rein. Bei Gefallen, kann man die dann auch gleich ganz unkompliziert erwerben. Ja, auch sie hat eine wilde Friese und dazu malt sie ihre Gitarre an, aber scheißen wir doch einfach mal öfter auf völlig überbewertete Äußerlichkeiten, dann werden wir mit hervorragender Musik belohnt.

 

Laura Stevenson

Die Singer-Songwriterin aus Long Island, NY ist eine von der ruhigeren Truppe. Ihre Akustikballaden erinnern ein bisschen an einen weiblichen Sufjan Stevens minus Orchester-Brimborium und Chor. Irgendwie ist auch die gute Laura etwas schräg unterwegs aber dabei doch sehr liebenswert. Anscheinend wird sie Against Me! bei deren kommender Tour supporten. Wie das jetzt passt, weiß ich noch nicht ganz genau, aber manchmal geht ja grade das nicht unbedingt naheliegende erstaunlich gut zusammen.

 

Laura Marling

Die Britin ist meines Erachtens ziemlich unterbewertet. Ihr avantgardistischer Folk-Ansatz ist sicher nichts für jedermann, zeugt aber ohne Frage von ganz großem Können. Dazu machen sie ihr eigenwilliger Singstil, der oft dylanmäßig ins Lamentierende abdriftet und ihre bisweilen gewöhnungsbedürftigen Live-Performances eher unverwechselbar als sofort zu Everybody’s Darling. Ryan Adams hat das schon vor einiger Zeit erkannt, und sie zu seiner Session in die Abbey Road Studios eingeladen. Und der Geschmack von Herrn Adams ist auf jeden Fall ziemlich unfehlbar. Leider ist das wunderbare Video ihrer Duett-Version von „Oh My Sweet Carolina“ dank irgendeiner undurchsichtigen Rechteregelung bei uns wiedermal nicht mehr verfügbar. Arrrgghhhh. Mumford & Sons Chef Marcus Mumford ist übrigens Miss Marlings Verflossener und hat einst in ihrer Band Schlagzeug gespielt, aber das nur am Rande. Viel interessanter, der Aufnahmeprozess ihres letzten Albums „Once I Was An Eagle“. Das wurde nämlich in einem Rutsch eingespielt. Wer sowas macht, hats per se schonmal drauf. Das Resultat ist ziemlich umwerfend. Hier eine Kostprobe: das verschroben fetzig-coole „Masterhunter“.

 

Manchmal sind die Damen in diesem Genre einfach nicht so bekannt und präsent wie die geschätzten Herren. Aber wer Augen und Ohren offen hält, der wird fündig. Ich hoffe, da war was für euch dabei und sag mal ganz optimistisch, to be continued……

 

Foto: themusicminutes