19 Jahre ist er alt, die Gitarre sein wichtigster Begleiter und seine Stimme so außerordentlich markant, dass es staubt: George Ezra aus Bristol. Hand drauf: An dem 19-jährigen kommt dieses Jahr keiner vorbei.

Bildschirmfoto 2014-02-24 um 9.56.25 PMEine Freundin meinte, er klänge ähnlich wie Jake Bugg, nach ehrlicher, selbst geschriebener Mucke, bei der einer selber Gitarre spielt. Allerdings gäbe es einen großen Unterschied: George Ezra wäre einfach besser. Sie hat Recht. Wenn Bugg seine Songs runterrotzt und herfetzt, dann rockt das gut, aber Ezra möchte man einfach einen ganzen Abend zuhören. Er erzählt Geschichten wie seine großen Vorbilder Bob Dylan und Neil Young.

Ezra ist ein klassicher Singer-Songwriter, der blablabla… stopp. Ezra ist nicht einer, der sich hinstellt und das macht, was er vermeintlich kann. Nein, George Ezra ist mit seinen 19 Jahren als Klassenbester ein Absolvent  das Brighton Institute of Modern Music und hat also sehr wohl Ahnung von dem, was er da macht. Merkt man. Es sind einfache und kraftvolle Songs, die er auf seiner EP „Did You Hear the Rain?“veröffentlicht hat, das Album folgt noch dieses Jahr. Als alter, aber liebenswerter Streber hat Ezra alle Songs auf seiner EP in einem Rutsch, in einem Take eingespielt – wie seine großen Helden seinerzeit. Wenn er das beim Album auch schafft, dann setzt er ganz nebenbei neue Maßstäbe für alle aufstrebenden Musiker.

Letztes Jahr hinterließ George Ezra bei seinen Auftritten auf der Burberry-Modenschau und der Newcomer-Bühne des Glastonbury-Festivals ein begeistertes Publikum. Burberry! Glastonbury! Britischer wird’s nimmer! Welcher Künstler träumt denn bitte da nicht von einem guten Gig? Der Westengländer sieht ein wenig so aus als wäre er in den Fünfzigern oder Sechzigern hängengeblieben (obwohl er so wie wir noch nie dort war): Die Haare ein wenig zu lang für einen Hipster, die Gitarre zu weit oben für den Rocker. Und dennoch oder gerade deshalb: Ezra zieht sein eigenes Ding durch. Für die Rockstars ist seine Stimme bei manchen Tönen zu hoch, für die Radio-Crowd ist nicht genügend Wumms hinter der dezenten Percussion. Er klingt nicht glatt genug für reinen Pop und nicht rauh genug für alles andere. Aber überzeugt Euch selbst im heute erschienenen, absolut nicht ironiefreien Video zu „Cassy O“:

Man könnte fast meinen, Ezra wäre direkt aus der New Yorker Folk-Szene der Sechziger ins Jetzt gebeamt worden, denn er ist die perfekte Mischung aus allem, was Singer-Songwriter ausmacht: gute Texte, manchmal zu melancholisch (aber doch immer mit der einen großen Hoffnung zum Schluss), saubere Gitarre dazu, der Rest verschwindet im Hintergrund. Der Bursche schreibt alles selber und lässt sich dabei herzliche wenig vom gängigen Mainstream beeinflussen. Mag sein, dass sein Publizist, der unter anderem auch für Lady Gaga die Promotrommel  rührt, ihn da hin bringen will. Oder aber man lässt ihn einfach weiter sein Ding machen, denn das funkionierte bisher ja ganz gut:

„A young man with the voice of a 50 year old.“

Das ist das Urteil der BBC über George Ezra. Wie Luke Sital-Singh hat sie ihn auf die „Sound-Of-2014“-Liste gesetzt. Bei ihrem Zitat gehen wir stark davon aus, dass die Britische Broadcasting Company damit nicht nur die physische Stimme meint, sondern auch seine Texte. Hat er das wirklich alles halbwegs selbst erlebt oder von wievielen Leben singt er da? Es sind großartige Geschichten, die er erzählt, trotzige Songs über Herzschmerz, die mit der Silver Lining und die mit dem Augenzwinkern. Auf den Longplayer kann man sich nur freuen!

George Ezra hat das Vorprogramm der Touren von Tom Odell und Ben Kweller absolviert und kommt im März für zwei Showcases nach Deutschland. Wir sind uns da aber sehr sicher: Das ist nicht das letzte Mal, dass wir etwas von dem jungen Briten hören oder sehen werden.

Fotos: Danny North, http://instagram.com/george_ezra