Die Babyshambles rocken im Kesselhaus – leider ohne Furore, ohne Skandale und mit nur wenigen Highlights.

Bevor man sich auf den weiten Weg in den Münchner Norden macht, noch einmal ein letzter Check im Internet – kommt er oder kommt er doch mal wieder nicht? Die Rede ist natürlich von Peter Doherty, Drogenexperte und begnadeter Musiker. Die Erwartungen an dieses Konzert im Kesselhaus sind unverschämt hoch. Nicht nur überzeugt die aktuelle CD „Sequel to the Prequel“ von den Babyshambles ungemein, auch live sind die britischen Rocker gern mal sensationell. Sie zählen zu den wenigen Bands, die keine bombastische Bühnenshow brauchen, sondern einfach nur mit ihrer Musik, ihrem Auftreten, ihrer Hingabe überzeugen. Dafür gibt es kein passendes Wort, vielleicht trifft es sowas wie Konzertmagie am besten.

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Angekommen im Kesselhaus. Hier wartete ein ambitioniertes Publikum (die Jungs gern mit Hut, die Mädels in sehr, sehr kurzen Jeans und Bandshirt) auf Peter & Co. Ein kurzer Schock-Moment dann als er auf die Bühne kommt: ohne Hut, dafür mit Bierbauch und kurzen geschorenen Haaren. Doch mit einem einfachen „Hallo München“ brachte er den Saal schnell zum Ausflippen, und legte mit „Delivery“ musikalisch einen soliden Start hin. Ziemlich angetrunken stolperte er dabei über die Bühne und bearbeitete unkontrolliert Gitarre und Mikrofon, die anderen Bandmitglieder stets ein wenig nervös wie lange das wohl noch gut gehen wird. So weit so gut.

Das Problem wurde aber nach nur wenigen Songs deutlich: Die Magie wollte sich an diesem Abend einfach nicht einstellen. Die Lieder der neuen CD – wie die Radio-Hits „Nothing comes to nothing“ und „Falling from Grace“ – wurden in guter Babyshambles-Manier runtergeschrammelt, danach ging es bergab. Doherty torkelte auf der Bühne herum, und hatte schon fast etwas trauriges als er ungelenk versuchte vom Verstärker zu hüpfen. Nach einer knappen Stunde war das Spektakel vorbei. Zum Ende brachte die Band mit einem – man kann es nicht anders sagen – fulminanten „Fuck Forever“ das deutlich ruhiger gewordene Publikum noch einmal richtig auf Touren, und versöhnte so für ein eher schwaches Konzert. Alles in allem war es wohl ein mittelmäßiger Abend – wahrscheinlich das Fazit, das man nach einem Babyshambles-Konzert am allerwenigsten ziehen möchte. Ein Abend, an dem die Tatsache, dass es am Merchandising-Stand „Art Work“ von Peter Doherty für 450 Euro zu kaufen gab wohl noch der größte Aufreger war. Und das bei einer Band, die einem doch eigentlich alles oder gar nichts abverlangt. Trotzdem ist eines sicher: Auch beim nächsten Babyshambles-Konzert in Deutschland werden wieder Karten gekauft. Und dann geht das Kribbeln wieder los: Kommt er oder kommt er nicht? Wird heute wieder einer dieser legendären Abende oder wird es ein Desaster?

Ach ja: Ohne Zugabe verabschiedeten sich die Babyshambles in die Nacht. Kein Wunder, schließlich waren sie laut Doherty „on a tight schedule“. Was dieser strikte Ablauf war? Man kann nur mutmaßen, dass die Musiker Angst hatten, das Bier im Backstage-Bereich könnte warm werden…

IMG_0829Cordula ist Journalistin und Musikliebhaberin. Pete Doherty und auch die Libertines hat sie live erlebt und schätzt die Combo um den “Vorzeige-Rüpelrocker” sehr. Deshalb ist sie bei uns als Gastautorin für „All Things Peter“ die erste und beste Ansprechpartnerin.

 

 

 

 

Fotos: PR, privat