Er ist der Hype der Stunde: George Ezra, der eben sein Album aufgenommen, aber noch nicht veröffentlicht hat. Ist er den Wirbel um seine Person wert? Wir haben ihn uns live angeschaut und sagen: ja.

Da steht er jetzt, der Ezra George. Man hätte eigentlich einen weiteren britischen Hipster mit Undercut, Tattoos und Jeans so eng wie Leggings erwarten können, ist dann aber angenehm überrascht: schwarze ausgelatschte Reeboks, eine Jeans, die alles andere als skinny ist, ein braun-weiß-kariertes Hemd und rote Socken. Man möchte gern „Danke!“ rufen, dass man sich nicht getäuscht hat in dem 20-jährigen, auf den man vor allem seiner Stimme wegen aufmerksam werden sollte. In der Münchner Blackbox stehen hinter Ezra zwei identische Gitarren – fast identisch, wenn man ehrlich ist. Die eine sei die seines Vaters, erklärt er, sie sähe alt und cool aus. Sie ist auch mit allem möglichem Zeugs getaped, wenn man genauer hinsieht. Die zweite ist funkelnigelnagelneu, für alle Fälle, falls Papas alte Klampfe den Geist aufgibt (was sie auch während des Konzerts tut). Der Brite gesteht ganz lässig: „I’m goin‘ pro now, this is why I need two guitars.“ Er wäre aber nicht der spaßige 19-jährige, der er nunmal ist, wenn er das alles nicht auch gleich noch mit einem ironischen Grinsen und einem Lacher kommentieren würde.

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45 Minuten dauert Ezras Set, bei dem seine zwei bekanntesten Songs, „Cassy O“ und „Budapest“, natürlich nicht fehlen dürfen. Der BBC-Liebling hätte sich da vorn einfach hinstellen und spielen können. Macht er aber nicht: Ezra erzählt Geschichten. Nicht nur in seinen Songs, sondern eben auch dazwischen. Wie es zu „Budapest“ kam: Der (Streber-, weil jahrgangsbester) Absolvent der Brighton School of Modern Music hätte wohl einen Zug von Malmö nach Budapest verpasst, weil er einem Obdachlosen am Abend des Eurovision Contests eine Flasche Rum abgekauft und die dann mehr oder weniger allein vernichtet hätte. Moment. Rewind. Es gibt einen Zug von Malmö nach Budapest? Abgefahren! Vielleicht oder eher ziemlich sicher stimmt das nicht, es stört aber auch nicht weiter. George Ezra steht also in der kleinen Blackbox am Münchner Gasteig auf der Bühne, erzählt Geschichten und zeigt nicht zuletzt, wieso man an ihm 2014 nicht vorbeikommen kann: Er singt und haut so in die Saiten seiner Gitarren als wäre er live aus den Sechzigern zu uns katapultiert worden. Hingabe nennt man das, glaube ich.  Seine Songs sind nicht politisch, sondern persönlich. Sie handeln von den Erlebnissen eines Euro-Trips, von Mädels, von Schnaps und von guten Zeiten. Wie schrecklich und schön bodenständig. Ezras Schwester betreut den Merch-Stand vor der Tür und er scheut sich auch nicht sie vor Publikum ein wenig auf den Arm zu nehmen. Das muss die wahre Geschwisterliebe sein! Zu schnell geht das Set vorbei, zuletzt singt er noch seinen Song über den Obdachlosen in Amsterdam, der immer die gleiche Doo-Bee-Doo-Zeile säuselt.

Ich wette, dass nicht einmal die Hälfte, von dem, was er uns an dem Abend als „true story“ verkauft hat, stimmt. Aber hat uns das bei den Brüdern Grimm davon abgehalten ihre Geschichten zu mögen? – Eben. George Ezra ist einer von den Guten: Er erzählt Wahres und Erdachtes und bringt das alles so sympathisch rüber, dass man  ihm locker noch länger hätte zuhören können. Dass er zwischen den Songs immer deren Entstehungsgeschichte erzählt lässt ihn fast wirken wie einen guten Freund an einem guten Tresen mit dem die letzten paar Monate Revue passieren lässt. Und Gott sei Dank hebt er sich auch allein auf der Bühne von dem Meer der Singer/Songwriter ab, denn er klingt anders. Er hat die Nische der etwas rauheren und ironischeren Folk-Nasen à la Sechziger, die schon viel zu lange verzweifelt auf Wiederbesetzung gewartet hat, für sich entdeckt. Wir freuen uns schon ein bisschen sehr auf das Album und eine etwas größere Tour!

Im Vorprogramm war übrigens Eva Stone, Musiktalent ohne Label. Songs über echt erlebten Herzschmerz – autsch. Klingt wie? Wie die frühe Fiona Apple mit Gitarre statt Klavier.

Fotos: allesamt geklaut von http://instagram.com/george_ezra