Bock auf ein Album, das Euch binnen Sekunden in die Weiten des amerikanischen Westens verschlägt? Dann ist „Till Midnight“, das neue Album von Chuck Ragan, genau das Richtige für Euch.

Mei, der Chuck Ragan. Jedes Jahr schafft er es auf’s Neue, den Leuten das Genre „Americana“ näher zu bringen. Auf seiner Revival-Tour spielt er sich mit diversen anderen Künstlern, die eigentlich in der etwas härteren Musikecke beheimatet sind, die Seele aus dem Leib, zeigt, wie lässig eine Fiedel-Begleitung sein kann und wieso man eigentlich Musiker sein sollte: Weil man dieses Leben liebt. Vergangenen Freitag hat Chuck Ragan nun sein neues Meisterwerk „Till Midnight“ bei uns veröffentlicht. Ich möchte diese Scheibe jedem an’s Herz legen.

Chuck Ragan

Es ist das Beste, was mir passieren kann: Buben aus der Punkrock-Runde besinnen sich auf Americana-Musik. Chuck Ragan als Gallionsfigur und dann alle am Start – von Dave Hause und Rocky Votolato über David Hidalgo jr. von Social Distortion und Brian Fallon von The Gaslght Anthem bis zu Laura Jane Grace von Against Me! und Frank Turner. Herausgekommen sind bisher vor allem gute Live-Shows, die nie hätten enden sollen und an die man so unglaublich gern zurückdenkt. Jetzt hat ein buntes Ensemble um den Hot Water Music-Frontmann Chuck Ragan das alles auf Platte gebannt. Zehn Songs in einer guten halben Stunde sind es geworden. Zu kurz, eh klar – aber nichtsdestoweniger super. Die üblichen Verdächtigen, die die Revival-Tour immer begleiten, dürfen da natürlcih nciht fehlen: Jon Gaunt an der Geige und Joe Ginsberg am Kontrabass sind fast so fixe Komponenten wie Ragan selbst. Dazu haben sie sich ein buntes Potpourri aus befreundeten Musikern geholt – unter anderem Dave Hause, Jon Snodgrass, Ben Nichols (Lucero) und Keyboarder Rami Jaffee (The Wallflowers). Produziert wurde das alles von Christopher Thorn, der sonst als Gitarrist bei Blind Melon und AWOLNATION tätig ist/war.

Ragan selbst sagt von seiner Crew und die Arbeit am Album folgendes: „I wanted the entire cast to feel as free as possible and simply do what they do best along, with everyone keeping an open mind to any ideas or paths that were put on the table.“ Wie er das erreicht hat? Alle Mitwirkenden haben sich bei den Aufnahmen zu Ragans viertem Studio-Album in seinem Haus in Kalifornien eingefunden und es war nicht Arbeiten nach Stechuhr: Da wurde fischen gegangen und relaxed gearbeitet. Man merkt das. Und genau dieses Gefühl wollte Ragan auf das Album übertragen. Chapeau, das ist sehr gut gelungen!

Schön und gut, viele Leute, der Chuckster als Mastermind, aber wie klingt „Till Midnight“ jetzt? Erstmal echt entspannt und so wie heute ein Americana-Album zu klingen hat. Nicht allzu Roots-verliebt, aber nie ohne Gaunts Geige und ohne dass man merken würde, dass die Buben, das was sie da machen aus Leidenschaft tun und dass sie wissen, woher der Folk kommt und wie man ihn spielt. Durch alle Tracks zieht sich wie ein dicker roter Faden Chuck Ragans Reibeisen-Stimme. „Till Midnight“ klingt positiver als manche andere Alben von Chuck Ragan, das liegt wohl an den Leuten, die ihn momentan oder im letzten Jahr umgeben hätten, so Ragan. Wussten wir es doch, Freunde und Familie sollten immer die oberste Prio sein! Es sind die Liebeslieder dabei, Lieder über das Reisen (Americana, after all!), Songs, die uramerikanische Themen à la Springsteen behandeln und Tracks über die Leute, die Chuck Ragan nah am Herzen liegen. Das Album taugt für den Roadtrip durch Kalifornien, den man schon immer machen wollte, genauso wie für das Lagerfeuer und die Grillerei in unseren Breiten. „Bedroll Lullaby“ kennt man schon von der letzten Revival-Tour-Compilation, dankenswerterweise hat es der Song auch auf das Album geschafft – mit einem ganzen Chor aus harten Musiker-Haudegen. Aber keiner kann besser erklären, worum es wirklich geht als der Meister selbst, deswegen hier Track für Track „Till Midnight“ mit seinem Audiokommentar (Vorsicht, Herr Ragan wird Euch danach nur noch sympathischer sein!) und hier noch ohne:

Eins steht jedenfalls fest: Ohne Chuck Ragan, all seine Bemühungen um das ehemals angestaubte Genre des Americana und sein viertes Album „Till Mirdnight“ wäre die Musikwelt ein traurigerer Ort. Und wenn ihr euch von der Dynamik, die Chuck Ragan und seine Gang umgibt, selber überzeugen wollt, habt ihr hier dazu die Möglichkeit:

CHUCK RAGAN & The Camaraderie live
30.05. DE – Hünxe, Ruhrpott Rodeo Festival
31.05. DE – Erfurt, Centrum
01.06. DE – Nürnberg, Hirsch
03.06. DE – Aschaffenburg, Colos-Saal
04.06. DE – München, Theaterfabrik
05.06. AT – Wien, Arena
06.06. DE – Leipzig, Conne Island
07.06. DE – Berlin, SO 36
10.06. DE – Köln, Live Music Hall
13.06. CH – Interlaken, Greenfield Festival
14.06. DE – Saarwellingen, Camp Rock Festival
18.06. DE – Dresden, Scheune
19.06. DE – Wiesbaden, Schlachthof
20.06. DE – Scheeßel, Hurricane Festival
22.06. DE – Neuhausen ob Eck, Southside Festival
Die Tour wird präsentiert von Visions, Slam, Lee Jeans

Geht hin. Das sind wirklich Abende der Extraklasse. Solche, die einem gern im Kopf bleiben – genau so wie dieses Album.

Foto: Lisa Johnson