Gerade zurück aus seiner bezaubernden Heimat Amsterdam (ich bin jetzt ein bisschen verliebt in diese Stadt) kommt mir dieser Herr genau recht. Tim Vantol aus der holländischen Grachten-Metropole reiht sich ein neben unseren zahlreichen Lieblingsbarden von Frank Turner über Dave Hause und Northcote bis zu Chuck Ragan. Mit „If We Go Down, We Will Go Together!“ erscheint sein schon fast ein Jahr altes neues Album nun europaweit und ist somit endlich auch jenseits des Merch-Standes zu haben. Dazu hat er ein recht charmantes Live-Projekt am Start. Aktuell können sich Fans für eines von fünf exklusiven Wohnzimmerkonzerten im Raum Süddeutschland bewerben.

promo2 (by Joe Davis)

Man verliert ja fast den Überblick bei der Fülle an (männlichen) Singer-Songwriter Talenten, die sich da aktuell herumtreiben. Es gibt einfach zu viele Geschichten zu erzählen. Einer, der das auch wirklich gut macht, ist der Holländer Tim Vantol. Etwas zahmer als die Urgewalt Chuck Ragan aber weniger poppig als der aktuelle Turner Frank, wobei er dem noch am nächsten kommt (die Texte vielleicht nicht ganz so pointiert) gibt er in neun kompakten Songs Geschichten vom Schaffen und Scheitern, von Siegen und Niederlagen, von Hoffnung und Verzweiflung zum Besten. Diese universellen wie zeitlosen Themen, die als Songs verpackt Trostpflaster sein können oder Hymne.

tim-vantol-if-we-go-down-we-will-go-together-artworkMit viel Herzblut in der Stimme und dem Folk im Blut schrubbt er mal rockige Clap-Your-Hands Nummern inkl. Männerchor mal sachtere Country-Tunes, mal anrührende Ballade, mal bierselige Bar-Mukke auf seiner Gitarre. Hin und wieder kommt eine Violine dazu, hin und wieder eine zweite Stimme. Die Botschaften klar, die Melodien eingängig, kein Schnick-Schnack. Dickschädelig, manchmal fast trotzig haut er dabei seine Parolen raus. Hände aus den Hosentaschen, denn wenn ihr nicht mal was anpackt, passiert halt auch nichts („Dirty Boots“).
„Hands Full Of Dust“ lässt musikalisch ein bisschen an Turners „Long Live The Queen“ denken , thematisch an sein „The Ballad Of Me And My Friends“. „Apologies I Have Some“ ist ein echter Hit und „What It Takes“ praktisch gemacht für einen Revival Tour Show-Down (Einladung, Mr. Ragan?).

Wo der Albumtitel noch vermuten lassen könnte, das wäre hier der mitleidige Soundtrack zum gediegenen Aufgeben, rückt allerspätetens der letzte Song die Botschaft nochmal grade. „In Before It All Ends“ gibt Vantol a capella das kraftvolle Nachwort. Hier schließt sich der Kreis zum Titeltrack. Das Ende ist bekanntermaßen unvermeidlich, und ziemlich sicher sind rückblickend auch Kapitel des Scheiterns dabei. Aber  wenn schon, dann verdammt nochmal mit Würde und Stil. „We will all go down with our noses up high/ We will leave this world, while our souls will rise/ We will all go down, with our noses up high/ We will look back to our failures, but at least we could say we’ve tried.“ No Regrets und so. Dieses Credo kennen wir schon sehr gut von Kollege Turner, was es aber nicht weniger eindringlich macht. Vielleicht ist es mit diesen einfachen und eigentlich offensichtlichen Wahrheiten ein bisschen wie mit diesen Endlich-Nichtraucher-Büchern. Im Grunde weiß man doch, wie das läuft und worauf es ankommt. Es muss einem nur immer wieder mal einer gut verpackt unter die Nase reiben.

Live war Tim Vantol ungemein fleißig im letzten Jahr, hat an die 150 Shows runtergerissen und unter anderem almighty Chuck Ragan bei dessen Show in Münster, bei der auch das wunderbare Live Album „Chuck Ragan – Live At Skater’s Palace“ entstanden ist, als musikalischer Gast unterstützt. Schon eine kleine Adelung.

Alle, die sich bei den anfangs genannten Guitar-Heros also gut aufgehoben fühlen, sollten diesem singenden Holländer auf jeden Fall eine Chance geben. Das Album könnte ein treuer Begleiter für diesen Sommer werden.

promo tim(by svn pht)Und jetzt kommts. Im Rahmen seiner Tour macht Tim Vantol Halt in diversen Wohnzimmern der Nation. Aktuell kann man sich im Raum Süddeutschland für 5 ganz intime Shows zwischen Sofa und Bücherregal bewerben und wenns klappt (und man fetzige Nachbarn hat), bei seinen Freunden mal den richtig coolen Hund raushängen lassen. Dass er natürlich nicht der Erste ist, der sowas macht, tut der Sache dabei keinen Abbruch. Das Konzept ist großartig und die Erfahrung meist für beide Seiten unbezahlbar. Wohnzimmer werden unter anderem für Ende April und Anfang Mai gesucht in der Region München/ Dachau/ Germering oder auch in Stuttgart/ Reutlingen/ Ludwigsburg. Genauere Infos zur Bewerbung gibts auf seiner Homepage.

Falls euer Wohnzimmer zu klein ist, ihr gar keins habt (solls auch geben) oder trotz Bewerbung nicht zu den glücklichen Auserwählten gehört, gibts auch noch den ein oder anderen Live Termin von Tim Vantol in Deutschland und Österreich. Es sind bereits diverse Shows und Festivalauftritte bis in den späten Sommer hinein angekündigt. Alle Dates gibt es ebenfalls auf seiner Homepage.

Wenn euch das Kaiserwetter also mal kurz Zeit lässt, Foto vom Wohnzimmer machen, Kurzplädoyer schreiben, und vielleicht gibts dann bald Rambazamba in den eigenen vier Wänden. Oder einfach nur mal in das Album reinhören. Das kommt am Freitag und kann unter anderem hier bestellt werden.

Bis dahin, genießt diese unverschämte Frühlingswoche, trinkt reuelos einen über den Durscht und lasst es euch gut gehen. Das würde euch sicher auch der Tim raten.

 

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„If We Go Down, We Will Go Together!“ von Tim Vantol erscheint am 04.04.2014 bei Uncle M Music.

Fotos: PR