Am 6. April machten Metronomy Haidhausen zu Hipsterhausen. In Scharen pilgerten bärtige Kerle und adrett gekleidete Fräuleins auf ihren Velos zum ausverkauften Konzert der Briten. Noch rasch ein Hashtag gesetzt, schon kann’s losgehen. Metronomy verwandelten die rappelvolle Muffathalle mit ihrem elektronischen Indie-Pop in eine schillernde Disco.

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Die rosa Wölkchen aus dem Artwork ihrer neuen Platte „Love Letters“ haben Metronomy mal eben auf die Bühne gezaubert. Rosa leuchten sie im Hintergrund. #RosaWolken Davor ein retro-futuristisches Set, das an eine 70s-Gameshow aus den USA erinnert. In aufeinander abgestimmten, bordeauxroten College-Outfits – die Herren mit Jacketts, Drummerin Anne im farblich passenden Kleid – spielen sich Metronomy durch ihr vier Alben umfassendes Repertoire.

Zum Einwippen geht es gemächlich los. Metronomy eröffnen mit neuen Songs wie dem barock anmutenden „Monstrous“, dem 60s-San-Francisco heraufbeschwörenden „Month Of Sundays“ und dem 70s-Flair verbreitenden „Love Letters“. #RetroFlair „She Wants“ vom vorletzten Album „The English Riviera“ (2011) groovt lässig daher. Doch am meisten freut sich das Münchner Publikum – das an diesem Abend erstaunlich bunt gemischt ist, neben zahlreichen Hipstern gibt es auch viele ältere Popfans – über die Songs des zweiten Metronomy-Albums, „Nights Out“ (2008). Spätestens bei „Radio Ladio“ gibt es kein Halten. Die euphorisierten Hipster hüpfen und die älteren Semester nicken mit dem Kopf. Alle grinsen. #UndallesoGrins

Metronomy wissen, was sie tun. Hier sind keine wilden Garagenrocker am Start, die hemmungslos über die Bühne preschen. Stattdessen legen Metronomy eine ausgeklügelte Show hin, die dennoch leicht und charmant wirkt. Wölkchen eben. Das Quartett – bestehend aus Joseph Mount, Keyboarder Oscar Cash, Drummerin Anna Prior und dem arschcoolen Bassplayer Olugbenga Adelekan – wird live von Michael Lovett unterstützt. Mal erinnert die Formation optisch an Kraftwerk, wenn sie zu viert hinter den links und rechts platzierten Keyboards, die aussehen wie Spielshow-Pults, Position beziehen und sich dabei etwas verhalten – #sophisticated – in simplen, aber synchronen Choreografien versuchen. Ein paar Minuten später hat man dann plötzlich das Gefühl, eine moderne Hipster-Version der Beatles vor sich zu haben, die im Rahmen einer Gameshow das Publikum unterhalten.

Beim Stück „I’m Aquarius“ vom aktuellen Metronomy-Album gibt es Shoobdoobdaa-Chöre im Hintergrund, die drei männlichen Musiker stimmen dreistimmige Falsett-Chöre an, aber auch Drummerin Anne darf mal ans Mikro. #shoobdoobdaa „Reservoir“ fiepst fröhlich vor sich her. #fieps Und Bassist Olugbenga Adelekan zupft sich die ganze Zeit lässig durch die Songs, legt dabei eine leichtfüßige Sohle aufs Parkett und zwinkert den Mädels in der ersten Reihe zu. #TooCoolForSchool Eine aufwendige Lichtshow setzt die Bandmitglieder – und die rosa Wölkchen, die auch mal in Türkis oder Rot erstrahlen – in Szene.

Gegen Ende gibt es noch das großartige „Heartbreaker“, das live immer wieder bestens funktioniert. Nach knapp eineinhalb Stunden ist dann schon wieder Schluss. Zu „The Most Immaculate Haircut“ stellt der kreative Kopf der Band, Joseph Mount, noch rasch die Band vor, dann ziehen die rosa Wölkchen weiter. Bye Bye, rosa Wölkchen, es war schön mit euch. #kommtwieder

Foto: Gregoire Alexandre