Natürlich schauen wir auch dieses Jahr wieder ungläubigst auf den Kalender und fragen uns, wo denn die gefühlt erste Hälfte dieses Jahres schon wieder hin ist…. (etwas dramatische Übertreibung darf natürlich immer sein). Denn schon ist es wieder soweit. Es naht der höchste Feiertag für Musikliebhaber. – Am 19. April ist wieder Record Store Day!

PrintVinylweihnachten könnte man diesen Tag auch nennen. Für alle, die der guten alten Schallplatte schon immer treu waren oder das edelste unter den Musik-Medien in den letzten Jahren wieder für sich entdeckt haben, ist der dritte Samstag im April traditionell das hohe Fest der Musikliebe. Über die Jahre hat sich, losgetreten von einigen wenigen Plattenläden in den USA, inziwschen weltweit ein gemeinsamer Tag etabliert, an dem die Musikindustrie uns Plattenfans mit einer extradicken Portion an Sonderauflagen, Limited Editions und unveröffentlichter B-Seiten-Compilations in Verzückung und unsere Geldbeutel in Schockstarre versetzt. Wer es noch etwas genauer wissen will, dem hilft sicher unser Beitrag zum letztjährigen RSD. An die 400 exklusive Releases gab es letztes Jahr in Deutschland, von denen aber nicht ansatzweise jedes in jedem Laden zu haben war. Das System ist ziemlich ausgefuchst, und so wissen die Händler zum Teil selbst nicht, mit welchen Schätzen sie überhaupt beliefert werden. Wer einen guten Draht zum Plattenhändler seines Vertrauens hat, kann vorbestellen und muss am Stichtag nur noch abholen. Aber auch das Hinpilgern und Sich-Überraschen-Lassen hat seinen Reiz. Diesmal sind knapp 500 Veröffentlichungen angekündigt.

Botschafter des diesjährigen RSD und Nachfolger von Platten-Junkie Jack White ist Public Enemy’s Chuck D. Na klar, oldschool Hip Hop muss übern Plattenspieler laufen. Sein deutsches Pendant ist nach Thees Uhlmann 2013 in diesem Jahr Jahr Style-Kanone Jan Delay. Wer stets solch schicken Zwirn trägt, hört natürlich auch edelstes Vinyl! Hier erzählt er euch schonmal, warum das Leben mit sich drehenden Scheiben besser ist, und Bob Marley das schon immer wusste…. Äh, ja…..

Noch Fragen?

Wofür es am Samstag lohnt sich früher als normal aus den Federn zu schälen und zum Plattendealer zu pilgern, muss jeder selber nachlesen. Das Angebot ist auch diesmal wieder riesig, und der persönliche Geschmack bekanntermassen höchst individuell. Es wartet jedenfalls ein Haufen heißer Scheiß von Arkells, Bad Religion, Bombay Bicycle Club, Broken Bells, Coldplay, Damon Albarn, David Bowie, Dead Kennedys, Dinosaur Junior, Elbow, George Ezra, Hüsker Dü, Fettes Brot, Joy Division, Kings Of Leon, Ray LaMontagne, LCD Soundsystem, Mudhoney, Oasis, OFF!, Otis Redding, Outkast, Pennywise, Nina Persson, Rancid, REM, Sharon Jones & The Dap Kings, Sick Of It All, SLUT, Soundgarden, Bruce Springsteen, Strypes, Thievery Corporation, Tocotronic, etc. Die exakte Liste aller Releases findet ihr hier. Die teilnehmenden Läden hier.

Sehr spannend z.B. sechs unveröffentlichte Songs der East Cameron Folkcore auf einer 10“ (Die Herrschaften haben letztes Jahr als „Support“ der eher fad agierenden Young Rebel Set im Ampere begeistert.) oder Jimi Hendrix‘ „Hey Joe“ in einer Version von Charlotte Gainsbourg feat. Beck. Oder Unveröffentlichtes der John Spencer Blues Explosion, die „Pennyroyal Tea“- 7″ von Nirvana und NOFXs „Punk In Drublic“ als grünes Vinyl. Dazu das neue Pixies Album „Indy Cindy“ (das erste seit 1991) bereits eine Woche vor offiziellem Erscheinen, Bruce Spingsteens „American Beauty“ als 12″ Single, eine Live Platte von Tame Impala und die „Run, Run, Run“ Remix 12″ von The Notwist.

Aber auch wenn’s Status Quo, Frank Zappa, eine Fleetwood Mac 7“, der „King Kong“-Soundtrack oder eine  Version von „Alice Cooper Live in Montreux“ auf limitiertem, weißem 140g Vinyl sein soll, ein Blick auf die Liste lohnt. (Auch wild: „Jethro Tull live in Switzerland“). Vielleicht ist ja auch ein Zuckerl für den sammelnden Papa oder den crazy Woodstock-Onkel dabei.

Die Kurzmoral von der Geschichte: Kauft Platten! Musik wird so wieder zum Erlebnis und dank Download-Codes oder Free-CD-Beigaben muss ja auch keiner auf die digitale Version verzichten. (Schließlich sind wir Plattenliebhaber ja keine technikverweigernden Eremiten im Outback sondern haben auch iPods und digitale Mediatheken.) Wen das Thema Vinyl per se interessiert, dem kann ich noch die aktuelle Ausgabe des VISIONS Magazins empfehlen. Dort widmet man sich in einem ausgiebigen „VINYL MANIA“ Special (inklusive beiliegendem Dokumentarfilm) dem Phänomen Platte und liefert Interessantes rund um das schwarze Gold und seine Renaissance. Dazu gibts eine tolle Aufstellung von empfehlenswerten Plattenläden in der ganzen Republik (plus Österreich und Schweiz) und ein kleines ABC sowie hilfreiche Tipps für Vinyl-Einsteiger.

„With the masses, neck bent into their smartphones, let all of us music lovers GPS our way into a reality that is the Record Store. It’s worth a great try, let’s do this…“ – Chuck D, Botschafter des internationalen Record Store Day 2014.

Für alle die ihn schon sehnsuchtsvoll erwarten, viel Glück beim Jagen und Sammeln am Samstag! Für alle anderen, schaut doch einfach mal im Plattenladen vorbei. Hat was! Und wenn ihr dann auf den Geschmack gekommen seid, schlagt zu! Eine Sammlung beginnt immer mit der ersten Scheibe. Und der zugehörige Plattenspieler ist nicht fern, schließlich ist ja auch bald schon wieder (das richtige) Weihnachten!

 

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