Packt die Badehosen ein – und vergesst die Gummistiefel nicht! Wir können ihn schon riechen, den Sommer. Bald wird die Festival-Saison eröffnet. Die Bands sind gebucht, das Zelt ist griffbereit. Aber wohin? Wir stellen euch in den kommenden Wochen ein paar Festival-Highlights in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in weiter entfernten Regionen vor. Den Anfang macht meine Heimat: Atemberaubende Bergkulissen, planschen im See und dazu, natürlich: gute Musik.

21_2T8A8397

Klar, die Schweiz ist teuer. Wahnsinnig teuer. Nicht nur die Autobahnvignette kostet einen Haufen Geld, auch Bier, Verpflegung und Co. sind in der Schweiz nicht gerade günstig. Zu allem Überfluss machte meine Heimat  in letzter Zeit auch noch mit fragwürdigen politischen Entscheidungen von sich reden. Von diesen Ärgernissen sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen. Denn der Schweizer Festival-Sommer lockt mit einigen hochkarätigen Line-ups – vor unbezahlbar schönen Kulissen. Da wird selbst das Schlammbad zum Spa-Erlebnis Deluxe!

Auch Bands und Künstler mögen den Schweizer Open-Air-Sommer. Laut Judith Holofernes sind Schweizer Festivals eine Art Luxusurlaub: „Die Schweiz hat fantastische Festivals in wunderschöner Natur, wo alle Künstler gerne hinfahren, weil es viel besseres Essen gibt und sich mehr um die Künstler gekümmert wird“, schwärmte die Sängerin mir einst im Interview vor, während sie sich an aufblasbare Whirlpools im Backstage-Bereich erinnerte.

Whirlpools brauchen wir nicht, dafür eine möglichst hohe Dichte an guten Acts. Die bietet unter anderem das Open Air St. Gallen vom 26. bis 29. Juni. Indie-Fans können sich auf George Ezra, The Black Keys, Foals, Sportfreunde Stiller, Junip, The Notwist und Casper freuen, während Elektro-Fans bei Kavinsky, Moderat,  Bonobo und Baauer auf ihre Kosten kommen. Und für die Pop-Fraktion sind u.a. Ellie Goulding und Bastille im Sittertobel am Start. Ein kleiner kulinarischer Tipp: In St. Gallen sollte man unbedingt eine St. Galler Bratwurst probieren! Der perfekte „Katerznüni“.

Das Montreux Jazz Festival, das vom 4. bis 19. Juli am Genfersee stattfindet, bietet neben einem vielseitigen Line-up auch atemberaubende Blicke auf den Genfersee. Während drei Wochen geben sich dort die Stars das Mikro in die Hand. Zu den Highlights zählen die Auftritte von Pharrell Williams, Outkast – die ihr 20-jähriges Bandjubiläum diesen Sommer mit zahlreichen Festival-Auftritten feiern – und Stevie Wonder. Aber auch Lykke Li, Damon Albarn, Eels, Metronomy, MGMT, Jungle, London Grammar, Massive Attack, Banks, Milky Chance, Ed Sheeran und Earl Sweatshirt kommen zur 48. Ausgabe des legendären Festivals, dem Deep Purple einst einen Song widmeten. Ganz klar, die Hütte wird brennen! „Smoke On The Water“ eben.

Ebenfalls am Genfersee im Kanton Waadt findet das Paléo Festival statt. Zwischen dem 22. und 27. Juli stehen in Nyon neben vielversprechenden Schweizer Acts wie Pablo Nouvelle und Oy u.a. internationale Stars wie The Black Keys, Elton John, Stromae, Jake Bugg und Placebo auf den verschiedenen Bühnen.

DSC_5746_Arealübersicht

Keine See-Kulisse, dafür die imposanten Bündner Berge bietet das Open Air Lumnezia. Am 25. und 26. Juli wird das Val Lumnezia, das „Tal des Lichts“ in der Nähe des Dorfes Degen, von Hip-Hop-Beats und Rock-Röhren beschallt. Bestätigt sind u.a. Placebo, Rapper Tyler The Creator, die Kaiser Chiefs und die Blood Red Shoes sowie der Schweizer Erfolgsmusiker Bligg.

Mit einem herrlichem Bergpanorama trumpft auch das Open Air Gampel auf – neben einigen musikalischen Topacts. In den Walliser Alpen sind zwischen dem 14. und 17. August u.a. Marteria, Casper, Die Fantastischen Vier und Frank Turner sowie die Newcomer Royal Blood und Hozier am Start.

Ein urbanes Setting bieten dagegen die Winterthurer Musikfestwochen in der Nähe von Zürich. Die drei Hauptspielorte liegen mitten in der Altstadt. Neben nationalen Künstlern wie Rapper Skor und der Rockband Yokko geben sich in Winterthur zwischen dem 13. und 24. August auch Sohn und Damien Rice die Ehre.

Wer nicht gerne zeltet oder auf dem Weg zur Toilette durch Matsch waten will, ist auch beim  Stadtsommer Zürich gut aufgehoben. Der Fokus liegt auf lokalen Bands, das Programm wird in Kürze bekannt gegeben. Darüber hinaus hat die Stadt an der Limmat – die übrigens ohnehin immer eine Reise wert ist! – mit dem Zürich Open Air ein eigenes City-Festival. Für die diesjährige Ausgabe vom 28. bis 31. August sind u.a. Deadmau5, White Lies, Warpaint, Woodkid und Schweizer Bands wie Jeans For Jesus und Kadebostany gebucht.

Ebenfalls mitten in der Stadt findet vom 10.bis 19. Juli das Moon & Stars statt. Beim Open Air auf der Piazza Grande in Locarno stehen dieses Jahr u.a. Jack Johnson, Zaz und, ja, Dolly Parton auf der Bühne. Italienisches Flair gibt es gratis dazu!

Hip-Hop-Fans kommen beim Openair Frauenfeld auf ihre Kosten. Passend zum 20. Geburtstag des Festivals haben die Veranstalter ein unglaublich prominent besetztes Line-up zusammengestellt. So geben sich zwischen dem 10. und 12. Juli u.a. Pharrell Williams, Macklemore & Ryan Lewis, Outkast, Nas, Angel Haze, T.I., Shootingstar Chance The Rapper und Marteria die Ehre.

Rock-Fans können zwischen dem 12. und 14. Juni beim 10. Greenfield Festival zwischen Gigs von Chuck Ragan, Iron Maiden, Gogol Bordello, Linkin Park und Sepultura wählen. Wer keinen Bock auf Zelten hat, dem bietet das Greenfield Village eine komfortable Alternative: ein Containerhotel direkt auf dem Festivalgelände – separate sanitäre Anlagen inklusive.

Bei Rock Oz Arènes ist der Name nicht unbedingt Programm. Neben Rockacts wie Patti Smith und Airbourne spielen zwischen dem 13. und 17. August in der römischen Arena von Avenches auch Alex Hepburn und Asaf Avidan. Weitere Acts folgen.

Nicht weit von der Berner Innenstadt entfernt findet das Gurtenfestival statt. Auf dem Hausberg, dem „Güsche“, lassen es dieses Jahr zwischen dem 17. und 20. Juli u.a. Biffy Clyro, The Prodigy, Bonaparte und Franz Ferdinand krachen.

Also, der Schweizer Festival-Sommer hat einiges zu bieten. Gummistiefel und Zelt einpacken – und ein dickes Portemonnaie bereithalten, dann klappt das auch mit den freundlichen Nachbarn.

Foto: OpenAir St.Gallen/Michaela Dornbierer, 08EINS/Open Air Lumnezia