Jessas, wie die Zeit vergeht. Eben wurden noch wie wild Listen mit den heißesten, vielversprechendsten jungen Bands und Künstlern erstellt, schon haben die ersten Newcomer ihre Alben veröffentlicht. Doch da kommt noch mehr. Wir haben uns ein bisschen umgehört und stellen euch einige Album-Highlights der kommenden Monate vor. Unter anderem haben Ed Sheeran, The Black Keys und Lykke Li neue Alben am Start. Hinzukommen unzählige Newcomer wie Royal Blood, Broods und Jungle. Und dann wären da noch acht „neue“ Michael-Jackson-Songs.

„To pull a Beyonce“ ist im angloamerikanischen Sprachraum zu einem Synonym für ein plötzlich, quasi aus dem Nichts veröffentlichtes Album geworden. So, wie es Ms. Knowles Ende vergangenen Jahres vorgemacht hat. Laut einem US-Musikmanager sollen bis Juni mindestens drei Alben von Topacts auf ähnliche Weise veröffentlicht werden – ohne Vorankündigung, ohne Promotion- und Marketing-Getöse. Wir haben da ein paar Kandidaten im Visier: U2, Adele, Lil Wayne, The Cure, Outkast, die Red Hot Chili Peppers und Madonna. Das sind aber nur Spekulationen – und ein paar Wunschgedanken.

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Jetzt schon sicher ist die Veröffentlichung des neuen Ed-Sheeran-Albums. Der rothaarige Wuschelkopf legt im Juni sein zweites Album „X“ vor. Für die erste Single, schlicht „Sing betitelt, arbeitete der Brite mit Pharrell Williams zusammen. Eine interessante Kombi!

Auch Lykke Li, Coldplay und Lily Allen melden sich im Mai mit neuen Alben zurück. Ebenfalls bereits bestätigt ist der Release des neuen Black-Keys-Albums „Turn Blue“ für den 9. Mai – darüber wird sich Ursi in Kürze austoben. Einen ersten Vorgeschmack auf ihr neues Werk liefern Dan Auerbach und Patrick Carney mit der Single „Fever„. Der Einfluss von Danger Mouse, der zuletzt mit seinem Seitenprojekt Broken Bells ein tolles zweites Album vorlegte, ist unüberhörbar. Es wird Disco!

Apropos Disco: Schummrige Beats mit dreckig wummernden Bässen werden 2014 aus zahlreichen Clubs dröhnen. Denn genau wie R’n’B feiert auch House, eine melodiöse Spielart elektronischer Musik, seit wenigen Jahren ein Comeback. Was lange Zeit im Untergrund brodelte, hat mit Clean Bandit und Route 94 Einzug in die Charts gehalten. Davon gibt es in den kommenden Monaten noch mehr. Ähnlich wie Clean Bandit setzen auch Gorgon City auf Old-School-Beats, kombinieren UK-Garage, Jungle, Grime, House und Hip-Hop zu einer tanzbaren Mischung. Das Produzenten-Duo aus Nordlondon zählt neben Disclosure und Rudimental zur neuen Club-Generation. Gorgon City arbeiten derzeit an ihrem Albumdebüt. Einen Vorgeschmack liefert „Ready For Your Love“, für das sich Gorgon City den Londoner Singer/Songwriter MNEK schnappten.

London bzw. die Pop-Insel hat auch dieses Jahr wieder einiges in Sachen Pop zu bieten. Schon jetzt zu meinen absoluten Sommer-Favoriten gehören Jungle. Mit ihrem Song „Busy Earnin'“ sorgt das britische Kollektiv um zwei Produzenten namens J & T, die ihre Identät bislang geheim halten, für mächtig Wirbel im Netz. Jüngst wurde die Band von XL Recordings unter Vertrag genommen. Am 8. Mai kommen Jungle mit ihrem Elektro-Funk ins Berliner Berghain, im Juli ist die Band dann beim „Melt! Festival“ zu Gast. Und ein Album soll natürlich auch demnächst erscheinen.

Innovativen Elektro-Pop liefern außerdem die beiden US-Produzenten Le Youth (L.A.) sowie RAC (Portland). Letzterer schnappte sich für den Track „Let Go“  Bloc-Party-Sänger Kele Okereke. „Hollywood“, das er zusammen mit dem US-Elektro-Musiker Penguin Prison aufnahm, ist genauso aufregend.

„Made in UK“
sam smith 2013 - CMS SourceWährend ARD und ZDF hierzulande nicht unbedingt für die Förderung des musikalischen Nachwuchses bekannt sind, hat Tante BBC in UK bereits zahlreichen britischen Jungtalenten zum Durchbruch verholfen. Jeweils Anfang des Jahres geben britische Branchenkenner im Namen der BBC ihre Newcomer-Prognose ab. Auf Platz eins landete dieses Mal Sam Smith. Der Sänger, der auch einen Brit Award in der Newcomer-Kategorie Critics‘ Choice Award abgeräumt hat, landete mit seinem „Money On My Mind“ in UK bereits einen Radio-Hit. Ein Unbekannter ist der 21-jährige Londoner mit der unverwechselbaren Soul-Stimme nicht: Sam Smith arbeitete bereits mit den Londoner Dance-Erneuerern Disclosure zusammen. Hierzulande kennt man Sam Smith, zu dessen Idolen Stevie Wonder und Aretha Franklin zählen, aus dem Formatradio als Stimme des (etwas nervigen) Top-10-Hits „La La La“  von Naughty Boy. Das Solo-Debüt von Sam Smith „In The Lonely Hour“ ist für Ende Mai angekündigt.

Allein unter den Top 5 der BBC-Hotlist finden sich insgesamt vier Briten. Neben Sam Smith setzte sich auch Ella Eyre durch. Die 21-Jährige absolvierte die Brit School, eine Talentschmiede, die bereits Adele oder Amy Winehouse hervorbrachte. Mit letzterer wird die junge Sängerin aufgrund ihrer wuchtigen Soul-Stimme verglichen. Zusammen mit Naughty Boy schaffte es Ella Eyre bereits in die UK-Charts, und mit der Elektro-Formation Rudimental landete sie sogar einen Nummer-eins-Hit.

Ähnlich wie Ella Erye und Sam Smith feierte auch Foxes als Gast-Sängerin bereits Charterfolge. Ihr gemeinsam mit dem deutschen Produzenten Zedd eingespielter Dance-Track „Clarity“ wurde gerade mit einem Grammy als „Best Dance Recording“ geadelt. Für ihr Solo-Debüt schnappte sich Foxes, bürgerlich Louisa Rose Allen, einen gewissen Ghostwriter, den sie bei einem ihrer Live-Gigs kennengelernt hatte. „Wir trommelten z.B. mit Löffeln, um Klänge zu erzeugen“, berichtet die Sängerin. „Er arbeitet wirklich nicht wie ein Produzent, der auf Teufel-komm-raus versucht, einen Hit zu machen.“ Ob es dennoch den ein oder anderen Hit gibt, kann man auf ihrem ersten Studioalbum „Glorious“ nachhören.

slideEinige der Anfang des Jahres heiß gehandelten Nachwuchstalente haben es bereits geschafft. George Ezra zum Beispiel, der es bei der BBC-Hotlist auf Platz fünf schaffte. Sein erstes Konzert war ein Auftritt von der Castingband S Club 7, heute zählt der 20-Jährige aus Bristol Altstars wie Bob Dylan und Woody Guthrie zu seinen Vorbildern. Auf seine EP „Did You Hear The Rain?“ folgt demnächst das erste Album. Mal sehen, ob er den hohen Erwartungen mit seinen Blues-durchtränkten Songs gerecht werden kann.

Sommerhit im Januar

Prognosen, Potenzialchecks und Expertenmeinungen hin oder her – auf Platz eins der UK-Charts hat es Anfang des Jahres eine ganze andere Band geschafft: Clean Bandit mischten mit „Rather Be“, einer UK-Garage/House-Nummer mit Old-School-Feeling, das Feld von hinten auf. Für den Song erhielt das Quartett aus London, das bereits für Bands wie Alt-J und London Grammar als Support auftrat, Unterstützung von Sängerin Jess Glynne, bekannt durch ihre Zusammenarbeit mit Rapper Plan B. Der „Independent“ rief bereits Anfang des Jahres den „Sound Of The Summer 2014“ aus. Ein erster Sommer-Hit im Januar? Äh, warum auch nicht. Und allemal besser als Shakira, Pitbull und Co. Ob es bei dem einen Smash-Hit bleibt, oder noch mehr folgen werden, wird das Debütalbum zeigen, das Clean Bandit im Mai veröffentlichen.

Abseits der viel beachteten Hotlists gibt es natürlich weitere Künstler, die das Zeug zum Durchbruch haben. Dan Croll zum Beispiel taucht auf keiner der Hotlists auf. Der Brite veröffentlicht im April sein Album „Sweet Disarray“. Nina Nesbitt könnte mit ihren poppigen Folk-Songs, die an Amy Macdonald erinnern, ebenfalls ein Mainstream-Publikum begeistern. Vor kurzem veröffentlichte die Schottin, die bereits im Vorpgrogramm von Ed Sheeran auftrat, nach fünf EPs ihr Debütalbum, „Peroxide“. Mit dem richtigen Werbe-Song-Marketing-Superpaket könnte da bis Ende des Jahres noch der ein oder andere Hit rausspringen.

Weniger Mainstream-tauglich ist Bipolar Sunshine, ein Solo-Projekt von Adio Marchant aus Manchester. Und wo Manchester drauf steht, ist auch Manchester drin. Irgendwie. „Wir wollten weg von dem Sound, den viele Leute immer noch mit Manchester in Verbindung bringen“, sagte Bipolar Sunshine gegenüber dem „Guardian“. Er arbeitete bereits mit Rudimental zusammen – wie allem Anschein nach so ziemlich jeder Musiker auf der Insel. Inspirieren lässt er sich von so unterschiedlichen Musikern wie den Arctic Monkeys, Kanye West, Kendrick Lamar und Prince. Als Wunschkollaborationspartner nennt er u.a. Adele und Dizzee Rascal. Derzeit arbeitet Bipolar Sunshine an einem Longplayer.

1231801-43477I34790Rotschopf Chlöe Howl war, genau wie Sam Smith und Ella Eyre, für den Critics‘ Choice Award, mit dem im Rahmen der Brit Awards jährlich ein vielversprechender britischer Nachwuchskünstler gefördert wird, nominiert. Die Sängerin überzeugt mit poppigen Elektrobeats und wird aufgrund ihrer frechen Texte bereits mit Lily Allen verglichen. Ihr Debütalbum soll im Herbst erscheinen.

Fans der leisen Töne dürften bei Nick Mulvey gut aufgehoben sein. Der britische Singer/Songwriter erinnert mit seinen modernen Folk-Songs an Mumford & Sons. Auch der Ire Andrew Hozier Byrne, kurz Hozier, sorgt mit seinen bluesigen Nummern für Gänsehaut.

Elektro-Gefrickel mit Gefühl liefern Arthur Beatrice. Die filigranen Songs des Londoner Quartetts wurden bereits mit so unterschiedlichen Acts wie Ellie Goulding, The XX und The Smiths verglichen. Seit Jahren tauchen sie immer wieder auf dem Newcomer-Radar der Fachpresse auf. Die Band ließ sich Zeit, wartete den Hype ab. Ihre erste Platte „Working Out“ ist gerade erschienen.

Royal BloodWeitere britische Bands, deren Namen man sich merken sollte, sind u.a. Thumpers, The 1975, das Londoner Duo We The Wild, das Rock-Duo Royal Blood aus Brighton, das sich auf Bass und Drums beschränkt und die Arctic Monkeys auf Tour begleitet, Brit-School-Absolventin Rainy Milo, die Jazz und Hip-Hop verknüpft, sowie Youthkills, ein britisches Duo, bestehend aus den Söhnen von zwei Duran-Duran-Boys.

Außerdem werden in den kommenden Monaten u.a. Alben von bereits etablierten Acts wie The Horrors, den Manic Street Preachers, Professor Green, Tori Amos, Owen Pallett und Emeli Sandé erwartet.

Und sonst so?

Nicht nur die Pop-Insel sorgt für frischen Stoff. Auch in anderen Ländern brennen kreative Köpfe darauf, vom Heimstudio im Schlafzimmer oder der Garage aus die großen Bühnen zu erobern. Aus Neuseeland etwa kommt das Duo Broods, bestehend aus Multi-Instrumentalist Caleb Nott und seiner jüngeren Schwester Georgia Nott, die den Gesang übernimmt. Mit ihren leicht triphoppigen Songs, die an den Sound von Landsfrau Lorde erinnern, dürfte sich das gutaussehende Geschwisterpaar aus Auckland rasch eine Anhängerschaft erspielen.

Auch die Schweiz hat einige vielversprechende Newcomer am Start: Im Auge behalten sollte man das Churer Duo From Kid, dessen Debütalbum im Herbst erscheint, die Band Silver Firs und Soundfrickler Pablo Nouvelle, beide aus Bern.

Aus Schweden, das uns mit Icona Pop eine der Pop-Sensationen des vergangenen Jahres bescherte, kommen Kate Boy, die mit ihren düsteren Synthie-Pop-Stampfern dieses Jahr ebenfalls für Zündstoff sorgen dürften. Betörendschön sind nicht nur die beiden Zwillingsschwestern Miranda and Elektra Kilbey, die als Say Lou Lou gemeinsam Musik machen, sondern auch ihr Sound, filigrane, elektronische Popmusik. Etwas derber kommt Elliphant daher. Die junge Schwedin, bürgerlich Ellinor Olovsdotter, arbeitete mit Hit-Macher Dr. Luke zusammen und bezeichnet ihren Stil als „danskhall“, eine Mischung aus Dancehall und Pop. Dänemark hat mit Mø alias Karen Marie Ørsted, ebenfalls eine talentierte Musikerin am Start.

Hipster-Herzen dürften bei den Beats der Brooklyner Indie-Band Haerts (sic), den Wild Ones aus Portland, dem zarten Elektro-Pop von CHPLN sowie der deutschen Sängerin Luca Vasta höher schlagen. Letztere war früher VIVA-Moderatorin und landete mit ihrer verspielten Single „Cut My Hair“ bereits einen Hit. Für ihr gerade erschienenes Debüt „Alba“ arbeitete sie u.a.mit Casper-Produzent Daniel Schaub zusammen. Hip-Hop-Fans fiebern auf das Album-Debüt von Chance The Rapper hin. Der 21-Jährige aus Chicago, bürgerlich Chancelor Bennett, wird seit dem Release seines Mixtapes „Acid Rap“ als neuer Rap-Prinz gehandelt und arbeitete mit so unterschiedlichen Acts wie Lil Wayne und James Blake zusammen. Eminem, Kendrick Lamar und Macklemore & Ryan Lewis gehören zu seinen prominenten Fans.

Neues altes Material von Jacko

Ein neues Album wird es auch von Michael Jackson geben. Auf „Xscape“, das am 9. Mai über Sony Music erscheint, gibt es acht Songs des „King of Pop“ zu hören, die er vor seinem Tod vor fünf Jahren eingesungen hatte. Die Stücke wurden von zeitgenössischen Produzenten wie Timbaland und Rodney Jerkins, einem langjährigen Partner von Michael Jackson, auf den neuesten Stand gebracht. Wie das klingt und ob dieses Prinzip funktioniert, verraten wir euch in Kürze.

An guter Musik wird es in den kommenden Monaten jedenfalls nicht mangeln. Und die ein oder andere Überraschung haben die Labels mit Sicherheit auch in petto.

Fotos: Danny Clinch, Universal Music, Sony Music, Warner Music