Wer nach einem feinen Album für die ersten wirklich warmen Abende auf dem Balkon sucht, kann jetzt damit aufhören: Ray LaMontagnes „Supernova“ erscheint am 2. Mai.

titelRay LaMontagne. Der ehemalige Arbeiter einer Schuhfabrik wird bei uns in Europa in der ganzen Flut der Singer/Songwriter gern vergessen. Wieso, ist mir ein Rätsel. „Trouble“ und „God Willin‘ & the Creek Don’t Rise“ sind beides wirklich große Alben, die in seiner Heimat auch die Aufmerksamkeit bekommen haben, die sie verdienen. Jedem sei hier „For the Summer“ ans Herz gelegt. Nicht umsonst hat der Mann auch einen Grammy für das beste zeitgenössische Folk-Album mit nach Hause nehmen dürfen.

Nun aber zur neuen Platte: „Supernova“ wurde von keinem Geringeren als Dan Auerbach von den Black Keys produziert. Wir erinnern uns: Ich selbst bin großer Black-Keys-Fan und in meinen Augen (oder besser: Ohren) macht Dan Auerbach, der „Producer of the Year“ 2013, meistens alles richtig. Auerbach hat LaMontagne also von dessen Farm in Massachussetts in sein Aufnahmestudio in Nashville gelockt und mit ihm zehn Songs aufgenommen. Und, Surprise, „Supernova“ hat einen psychedelischen Rock-Anstrich verpasst bekommen, ohne dass der Folk-Grundton verloren geht. Auerbach hat an allen zehn Tracks auch mitgewirkt: E-Gitarre, Backing Vocals, Mellotron – im Hintergrund ist es ganz oft unverkennbar er.

„Lavender“ als Opener ist perfekt: Hammond-Orgel und Akustik-Gitarre klingen so, als wollten sie den Zuhörer direkt mit in den „Summer of Love“ 2014 nehmen. LaMontagne singt jedenfalls von lavendelfarbenem Himmel und Verstecken-Spielen. Und weil wir uns jetzt schon so schön im Sommer-Groove befinden, freuen wir uns auch auf den zweiten Track, „Airwaves“ (Ich gebe zu, es ist einer meiner liebsten). LaMontagne flüstert und säuselt fast die Hälfte seines Textes, in dem es um die Schnellebigkeit unserer Zeit geht und dem Glück, mal aus der großen Stadt zu fliehen. Und logisch, weil es einer meiner liebsten ist:  Die Folk-Töne überbieten hier den psychedelischen Sixties-Sound. Und wenn man es bis jetzt noch nicht bermerkt hatte: „She’s the One“ ist ganz deutliche Auerbach-Handschrift. Wenn man LaMontagnes Stimme gegen Auerbachs austauschen würde, hätte man fast einen Black-Keys-Song.

artEs sind die Blues-Gitarre, das ab und zu dominante Schlagzeug und die Hammond-Hooks, die „Supernova“ ganz klar in die Schublade des Black Keys-Sängers schubsen. Aber um Gottes Willen – nicht zum Schlechteren! Alles hat im Gegensatz zu den früheren Alben von Ray LaMontagne den leicht psychedelic anmutenden Touch der Sixties und das klingt verdammt gut. Die Mischung macht es aus!

„No Other Way“ klingt so sehr nach Beatles zu „Abbey Road“-Zeiten, dass sich eigentlich nur verneigen kann. Der Titeltrack „Supernova“ ist – wie soll ich es anders sagen – super. Ganz klar mehr Ray LaMontagne als Dan Auerbach, ganz klar ein großer Song. Vielleicht, weil es einer derjenigen ist, in denen LaMontagne weniger säuselt und flüstert als dass er singt. Ich bin nicht immer größter Fan der Pariah Dogs, die den Folk-Sänger auf dem letzten Album begleitet haben, aber ein Song der alten Machart zwischen den ganzen anderen kann nicht schaden und tut auch gut – wir wollen uns ja keinen ganz neuen Ray LaMontagne zusammenschrauben.

Ein Song? Naja, gut, dann halt zwei: „Ojai“ ist auch gleich noch so einer. Mir fast schon ein wenig zu Wild-West-lastig mit dem Saloon-Piano und der Country-Gitarre, aber fair enough, auch das ist eben Ray LaMontagne. Und dann geht’s auch schon steil dem Ende entgegen: Mit zwei Songs, die über den Sixties-Sound und Auerbachs E-Gitarre uns auch lang nach dessen Verschwinden einen guten Sommer zurück in Erinnerung rufen werden. Nach guten 42 Minuten muss man einfach auf Repeat drücken.

Was bleibt? Ray LaMontagne klingt auf „Supernova“ nicht so schwer und nachdenklich wie sonst – und das ist sicher nicht zuletzt Dan Auerbach geschuldet. Die beiden bilden ein großartiges Aufnahme-Duo, sie ergänzen sich perfekt. Auerbach allein könnte nie ein so folkiges und ruhiges Album ernsthaft auf dem Markt werfen und LaMontagne könnte nie seine Akustik-Gitarre gegen die elektrische Version von Auerbach eintauschen, die der Platte aber den leichteren, frischen Anstrich verpasst.

„Supernova“ ist ein wirklich schönes, sehr schönes Album, bei dem man sich vor den beiden federführenden Künstlern nur verbeugen kann. Wer bisher dachte, dass der Produzent nicht allzu wichtig wäre: Think again! Wenn solche Arbeitssymbiosen immer so gut funktionieren würden, wünschen wir uns definitiv mehr davon. Vor allem wünschen wir uns aber, dass genau diese Arbeitsbeziehung bestehen bleibt. In diesem Sinne: Auf einen schönen Sommer, die erste Platte für den Soundtrack dazu habt ihr jetzt ja!


Ray LaMontagne – „Supernova“ Exklusiver Albumstream on MUZU.TV.

„Supernova“ von Ray LaMontagne erscheint am 2. Mai bei Sony Music.

Fotos: Sony Music