Wenn die Augustines rufen, dann erscheinen die Münchner. Zahlreich. Zurecht, denn die Show der New Yorker enttäuschte kein bisschen. „A special night“, meinte Sänger Billy McCarthy. Wir sind immer noch leicht geflashed, so super war’s.

artWilkommen in der Sauna! „Die Sauna“ war gestern abend ein rappelvolles Hansa39 auf dem Münchner Feierwerksgelände. Seit einer Woche war das Konzert der Augustines ausverkauft und das bekam man zu spüren: Für Leute mit Berührungsängsten war der gestrige Abend nichts. Für Fans der New Yorker Combo dafür umso mehr.

Schon nach dem ersten Song „Headlong into the Abyss“ entschuldigte sich Frontmann Billy McCarthy beim Publikum: „I am f*cking sick, I have been in bed all day.“ Er würde die Hilfe des Publikums benötigen, denn so ganz allein bekäme er die Show heute wegen seines Fiebers nicht gebacken. Kein Problem für die Münchner an diesem Abend: Nach gut anderthalb Stunden zeigten sich die Augustines beeindruckter als erwartet ob der Mitsingfähigkeiten der Besucher.

In besagten gut 90 Minuten spielten sich die inzwischen vier Augustines durch ihre zwei Alben. Keines der beiden kam zu kurz, oft folgte auf einen Track der aktuellen, selbstbetitelten Platte ein Lied der Vorgängerscheibe „Rise Ye Sunken Ships“. „Chapel Song“, „Cruel City“, „Augustine“, „Nothing to Lose but your Head“ und „Philadelphia“ – letztendlich haben sie alle Wünsche erfüllt. Als größter Moment wird den Zuschauern in München die erste Zugabe in Erinnerung bleiben: „East Los Anegeles“ in einer Akustik-Version. Vier Augustines und das ganze Hansa39 singen gemeinsam.

Augustines_at_the_Bowery_01Die Augustines klingen ab und zu wie eine der ganz großen Stadionbands – und das nicht im schlechten Sinne, sondern wie eine Band, die Songs macht, die einen bewegen und gleichzeitig mitreißen. Bei denen jeder auch nach dem vierten Bier den fast schon hymnisch anmutenden „ohhhooooohhooo“-Chor halbwegs mitsingen kann und auch ein Tränchen wegwischen kann, weil die Texte so verdammt ehrlich sind. Gäbe es die  „ohohooos“ bisher nicht im Vokabular, die Augustines hätten sie erfunden. Man merkt, wenn so gut wie alle im Publikum mitsingen, dass die Songs der Augustines vielleicht für größere Spielstätten als das Hansa39 gedacht sind. Aber verwunderlicherweise funktioniert es im Kleinen wie im Großen (Wir haben uns Ausschnitte des Auftritts im Londoner Koko angeschaut) perfekt.

Das Quartett kommt so sympathisch rüber, so nett und so sehr wie die Buben von nebenan, die gleich die nächste Runde Bier für alle holen. Und deshalb ist es auch nicht kitschig, wenn McCarthy sich bei den Zuschauern bedankt: In Zeiten von Spotify und anderen Streaming-Diensten wäre es als Musiker nicht immer leicht. Inzwischen würde die Zukunft einer Band oft von den zahlenden Konzertgängern entschieden. Oder auf den Punkt gebracht: „Without you guys, there is no us.“

Und genau deshalb gibt es auf die mehrfach gestellte Frage der Augustines „Munich, are you with us?“ auch nur eine Antwort: „Yes. Forever.“

Fotos: Julia Bauer (Vielen Dank!), Bob Sanderson (live at the Bowery Ballroom, 31. März 2014)