Eigentlich müssten wir für dieses Thema glatt eine neue Rubrik bei uns einführen. Denn obwohl es hier um Musikveröffentlichungen geht, können wir es nicht bei GEPRESST einordnen. Das ist genau einer der Knackpunkte bei Joey Capes frisch gegründetem Label One Week Records. Die hier erscheinende Musik kann einzig über das neue Label als Download bezogen werden. Und das zu einem extrem fairen Preis. Aber das ist noch lang nicht alles, was uns bei diesem Neuzugang in der Labellandschaft aufhorchen lässt.

MWoerz_JoeyCapeTausendsassa Joey Cape hat wieder zugeschlagen. Weil er anscheinend mit seiner Band Lagwagon, der irrwitzigen Cover-Kombo Me First And The Gimme Gimmes, der Allstar-Formation Scorpios und seinen Solo-Projekten noch nicht ausgelastet ist, hat er jetzt auch noch sein eigenes Label gegründet. Mit One Week Records zeigt er  Labels und Download-Imperien die lange Nase und kommt dazu noch mit einem sehr spannenden musikalischen Konzept ums Eck. Was den Vetrieb angeht, beschreitet Cape mit seinem Label neue Wege. Die Musik wird es weder als Platte oder CD noch bei den üblichen verdächtigen Download-Imperien zu kaufen geben. Streamen ist übrigens auch nicht. Einzig auf der Website von One Week Records können die Alben als Download erworben werden. Und das zu einem echten Kampfpreis. Läppische 5$ werden pro Album fällig. Mehr als fair.

Interessanter ist aber noch die musikalische Idee hinter dem Label, dessen Name wörtlich zu nehmen ist. Cape lädt sich für eine Woche einen Musiker-Freund nach Hause ein, und nimmt mit ihm/ ihr in dieser Zeit ein Solo-Album mit 10 Songs auf. Irgendwo zwischen Plattenlabel, Studioprojekt, warholmäßiger Factory und Bed & Breakfast soll hier intensive, ehrliche Musik entstehen, die nicht in monatelangen Studiosessions kaputtgekopft und sterlisiert wurde. Keine Zeit für übermäßige Zweifel, keine Zeit für Schnickschnack.

The idea stems from my long-time love affair with demos. I am often disappointed with the big production that follows. I don’t want to hear what the studio sounds like, I want to hear what the artist sounds like.  The goal here at One Week Records is to produce high quality recordings that are an honest representation of an artist’ creativity. – Joey Cape über „One Week Records“.

Das Endergebnis zeigt dann den jeweiligen Künstler von einer etwas anderen Seite. Im Grunde ist es so etwas wie die Fortsetzung dessen, was Cape schon mit seinem Best Buddy Tony Sly perfektioniert hat. Die altgedienten Punk-Rock Kracher nochmal in akustisches Gewand zu stecken und ihnen so eine ganz neue Qualität zu verleihen. Oder auch vollkommen Neues zu erschaffen. Oh Mann, da fällt wieder auf, wie sehr der gute Tony doch fehlt. Irgendwie will man sich immer noch nicht daran gewöhnen, dass die beiden nie wieder gemeinsam auf einer Bühne stehen werden. Umso schöner, dass das bewährte Konzept nun zu neuen Ehren kommt und sogar richtig groß aufgezogen wird. Und wie cool muss es wohl sein mit einem der lässigsten Kerle im Musikgeschäft eine Woche lang Frühstückstisch, Couch und Dusche zu teilen?

Chris_Brian_CoverZum Geburtstag am gestrigen 16. Mai debütiert One Week Records dann auch gleich mit den ersten zwei Alben. Den Anfang machen Capes Scorpios Kumpel Brian Wahlstrom und Flatliners-Frontmann Chris Cresswell. Während ersterer am Piano zuhause ist (Ben Folds lässt grüßen), ist Kanadier Cresswells Instrument ganz klassisch die Gitarre. Und auch Cape selbst macht mal einen Gastauftritt am Mikro. Kollege Cresswell taucht dann sogar mal auf einem Wahlstrom-Song auf, und ich schätze das Klavier auf Cresswells „Stitches“ ist direkt wieder die Revanche von Wahlstrom. Hat der Cape die beiden zum Schluss noch in der gleichen Woche bei sich einquartiert? Der alte Fuchs. Sein „Do-It-Yourself“-Ansatz macht übrigens auch vorm Cover-Design keinen Halt. Der jeweilge Künstler malt das Artwork höchstselbst. Mit Papier und Bleistift. Das ist ziemlich konsequent und ziemlich cool.

Beide Alben sind seit gestern auf www.oneweekrecords.com für je 5$ zu haben. Ein erstes kurzes Reinhören bestätigt, was eigentlich nicht anders zu erwarten war. Gefällt auf jeden Fall! Der dritte Streich ist auch schon angekündigt. Joe Bergeron wird für eine Woche bei Herrn Cape einziehen. (Ich google den dann gleich mal…..)

Hier gleich noch zwei Hörbeispiele für euch:

 

Man darf gespannt sein, womit das selbsternannte Troubadour Fantasy Camp des Joey Cape in Zukunft noch so aufwarten wird (ich hätt da schon ein paar Kandidaten für die Warteliste). Wir geben aber jetzt schonmal beide Daumen hoch für diesen neuesten Coup des musikalischen Super-Dudes und ab jetzt auch noch offiziellen King of DIY!

 

Fotos: PR