Der Brite Douglas Dare kommt mit einem besonderen Debüt um’s Eck: Klavier, Percussion, Elektro-Beats, Gesang und lyrische Texte. Das ist so außergwöhnlich, dass man sich den jungen Herrn aus Dorset unbedingt merken sollte.

Douglas Dare - Whelm_press photo 02_by Dusan Kacan_WEB

Erst im November des letzten Jahres entschlossen sich Douglas Dare und sein Produzent Fabian Prynn ein Album aufzunehmen. Dass das alles so schnell ging und so gut ankommt, damit haben hatten sie nicht gerechnet. Die BBC urteilte „Very strange and wonderful… one to watch“ und wir geben da Recht. Es ist die Mischung, die es ausmacht. Manche der zehn Tracks auf dem Debüt „Whelm“ klingen unfassbar schwermütig, werden aber durch Prynns Percussion wieder aufgelockert. Ganz klar, man muss sich auf das nicht gerade vor Optimismus sprühende Album einlassen: Das Klavier, das die beiden extra für die Aufnahmen gesucht und auch gefunden haben (verbeult und alt musste es sein!), gibt oft Melodien in moll wieder und Dares ab und an fast schon flehender Gesang berührt den Zuhörer auf ganz besondere Weise. Dare ist so, man könnte die Verwundbarkeit nicht spielen.

Douglas Dare, der dem Album „Whelm“ den  Gedichtband „Nine Songs“ beilegt, befasst sich in seinen Liedern nich nur mit persönlichen Geschehnissen aus seinem Leben, sondern auch mit wahren Geschehnissen. „London Rose“ erzählt etwa die Geschichte der Londoner U-Bahn zur Zeit des Zweiten Weltkriegs als sie als Luftschutzbunker benutzt wurde und in den Tunneln unter der Stadt unfassbares Leid zum Alltag gehört. Leid gehört auch zu der Geschichte der irischen Magdalenenheime, die Dares Thema in „Whitewash“ sind.

„Swim“ und „Unrest“  liegen als einzigen zwei Lieder eine dominantere, elektronische Instrumentalisierung zugrunde. Douglas Dare braucht kein anderes Instrument außer seinem Klavier und das beherrscht er so gut, dass man richtig merkt, wie er seinen Emotionen über das Instrument freien Lauf lässt. Die Percussion ist sehr gut gemachtes Beiwerk.

Die Schwere der Lieder, die Moll-Tonlage, der einfühlsame Gesang und die eher spartanische Percussion-Begleitung machen aus „Whelm“ ein sehr eindringliches Album, das sicher nicht die perfekte, leichte Begleitung für die kommenden Sommertage ist. Allerdings war das auch nicht die Intention des Klavierlehrer-Sohns Douglas Dare:

„Ich wollte ein Album aufnehmen, das den Hörer entfliehen lässt; etwas opulentes und umfassendes, dessen Tiefe und Charakterstärke bei genauerem Hinsehen entdeckt werden kann.Verschlungen zu sein. Begraben zu sein. Überschüttet zu sein.“

Wer sich dieses „Überschüttet sein“ in echt anschauen will, hat Glück: Douglas Dare ist gerade auf Tour bei uns.

19.05. ROSTOCK (DE) JAZ
21.05. HAMBURG (DE) Nachtasyl
22.05. HANNOVER (DE) Feinkostlampe
23.05. ERFURT (DE) Franz Mehlhose
26.05. BERLIN (DE) Roter Salon
27.05. MÜNCHEN (DE) Atomic Café
12.07. DÜSSELDORF (DE) Open Source Festival

Wir sind gespannt, wie dieses ungewöhnliche Album live umgesetzt wird und freuen uns schon sehr auf das Konzert im Atomic. Und wir finden, dass „Whelm“ ein ungewöhnliches und ungewöhnlich mutiges Album ist. Es ist nicht einmal ansatzweise mit den Grundelementen gängiger Musik-Genres vereinbar: Schwere, lyrische Texte, Klavier, nur das Nötigste drumherum. Es braucht mehr davon!

„Whelm“ von Douglas dare ist am 16. Mai bei Erased Tapes erschienen. 

Foto: Dusan Kacan