FM Belfast aus Island: Die vermutlich tanzwütigste Band wo gibt, gab sich die Ehre im Münchner Freiheiz. Wie’s war? Zu kurz, wir hätten gern die ganze Nacht weitergetanzt.

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Vorab: Isländer sind anders, zum Glück. Denkt man an Musik von der Insel, fallen einem zuerst Sigur Rós und Björk ein. Und jetzt auch  FM Belfast. Die Band aus Reykjavik, die bei ihren Live-Auftritten je nach Verfügbarkeit aus drei bis acht Leuten besteht, überzeugte am Freitagabend: Beats, gute Laune, Lametta. Die hatten Bock! Wir auch!

Um kurz nach 22 Uhr ging es los und das Freiheiz verwandelte sich in eine einzige wogende, springende und tanzende Masse. Ich habe wirklich schon viele Konzerte besucht, aber dass ab dem ersten Song, ja dem ersten Takt, alle (und ich meine wirklich ALLE) mitgehen, das habe ich selten erlebt. Egal, wo man stand – ganz vorn an der Bühne oder an der Biertheke ganz hinten – es stand einfach keiner still. Die Gang um Lóa, Árni, Árni und Örvar feuerte die Tanzmeute an und belohnten sie dafür mit Konfetti- und Lamettaregen. Und natürlich mit ihren beat- und elektrolastigen Songs: „I don’t wanna go to sleep“, „Par Avion“, „Everything“, „Brighter Days“ und „Underwear“ – da wurde keines der vier Alben vernachlässigt und da stand auch kein Tanzbein still. „Underwear“ wurde eine fast zehnminütige Version, in der die letzten Lametta-Fetzen ins Publikum geworfen wurden und sowohl Publikum als auch Band noch einmal komplett durchdrehten.

Ab und zu schrammen die Isländer haarscharf an zu drögem Mainstream-Eurotrash-Dance vorbei, aber finden immer wieder den Weg zurück auf die  gute Seite. Dass es eine Dance-Combo schafft, Rage Against the Machine, die Beastie Boys, Oasis und Technotronic anhand von Covern an nur einem Konzertabend zu vereinen, hätte man auch nicht wirklich für möglich gehalten. Es ist erstaunlich, dass die Band komplett auf Live-Instrumente verzichtet und alles doch so wenig nach kühlem Elektro klingt. Gleichermaßen verwunderlich ist, dass die Nasen auf der Bühne offensichtlich immer noch mehr Spaß haben als das Publikum. Wenn man sich umsah, hatte eigentlich jeder Besucher nur ein breites Grinsen im Gesicht.

Logisch, FM Belfast trifft genau unsere Zeit: Glitzer-Glitzer auf der Bühne, Elektro-Beats, Hosenträger, Stirnbänder und Schnauzbärte schreien laut und deutlich „Hipster’s Paradise“. Aber was solls’s? Keinem wurde an diesem Abend das Hipster-Label qualvoll aufgedrückt, dafür waren die anderthalb Stunden Show viel zu lustig. FM Belfast sind für eine gute Zeit gekommen oder um es mit Donald Gislason, Musikwissenschaftler und selbst großer Fan isländischer Musik, zu sagen:

„I don’t know what it is about those guys. It’s almost surreal: Everybody has a good time at an FM Belfast concert.“

Word.

Die wilden Isländer sind noch ein wenig auf Tour bei uns unterwegs. Wer einfach besagte „good time“ haben, tanzen und springen will, sollte sich deshalb hier einfinden:

30. Mai – Mannheim, Maifeld Derby
31. Mai – Neustrelitz, Immergut Festival
07. Juni – Lüneburg, Lunatic Festival
19. Juli – Gärfenhanichen, MELT! Festival
25. Juli – Diepholz, Appletree Garden Festival
26. Juli – Dortmund, Juicy Beats

Foto: PR