Wer ist nur dieser Douglas Dare? 23 Jahre alt, aus Dorset, spielt exzellent Klavier und besingt den Weltschmerz in seiner ganzen Schönheit. Ein sehr ungewöhnlicher Abend im Atomic Café.

Am Dienstagabend sah das Atomic Café in München ganz anders aus als sonst: Wo sonst das wilde Partyvolk zu Britpop und Indietronic abgeht, saßen die Menschen auf dem Parkettboden. Der Grund: Douglas Dare. Seine Musik, die nur aus Gesang, Piano und Percussion besteht, war genau der richtige Soundtrack für einen verregneten Dienstagabend wie den letzten.

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Er sieht ein bisschen aus wie Harry Potter in blond (und das soll keinesfalls abwertend klingen, denn ich mag den Zauberschüler) – die runde Brille, die langen Haare, das etwas nerdige Outfit. Und er ist nett. Er erzählte kleine kurze Geschichten zwischen den Stücken seines Debüts „Whelm„, mit dem Douglas Dare zum ersten Mal überhaupt auf Tour, in Deutschland unterwegs ist: von zu salziger Pizza, von den Fragen, die ihm zu manchen Songs gestellt würden, von seinem Percussionist Fabian Prynn, der normalerweise immer mehr Applaus bekäme als er selbst. Davon, dass er backstage im Atomic Café die Poster der Bands, die schon vor Ort gespielt haben, sah und jetzt davon träumt, vielleicht auch einmal in einem Stadion zu spielen.

Prynn und Dare sind ein eingespieltes Duo: Wenn diese minimalistisch instrumentalisierten Songs nämlich auf der Bühne genauso perfekt funktionieren wie auf der Platte, an der man ja feilen uns werkeln konnte, dann kann man sich nur verneigen. Neben Dares Klavier steht nur noch Prynns Sammelsurium an Becken, Drums und eine Snythie auf der Bühne. Und dann geht es los: Alle Songs des Debüts gibt Dare zum besten, „Caroline“ und „London’s Rose“ komplett allein. Überraschenderweise passt auch in der Live-Version die Mischung von Piano und Percussion, von Songs ohne und mit Elektro-Loops perfekt zusammen. Während sich die Begleitung bei „Clockwork“ oder „Lungful“ angenehm zurückhält, steht sie bei  „Swim“ und „Unrest“ klar im Vordergrund. Mich als Laien verblüfft, wie sekundengenau Prynn arbeitet, wie er nie auch nur einen Einsatz verpasst, wie sehr alles klingt wie auf der wirklich außergewöhnlichen und ungewöhnlich stimmigen Platte.

Während seiner Show fordert Dare das Publikum mehrfach auf, Fragen zu stellen oder sich für später am Merch-Stand welche zu überlegen. Oft werde er gefragt, worum oder um wen es im Song „Caroline“ ginge, in dem er von 130 Seiten-Briefen erzählt. Dem Publikum verriet er es in München nicht, allerdings wäre er offen für Vorschläge gewesen. Da einer seiner Songs „Swim“ heißt, wäre auch eine beliebte Journalistenfrage, ob er denn schwimmen könne. Völlig absurd, einen 23-jährigen aus Dorest, aufgewachsen in einer Stadt am Meer auf einer Insel, so etwas zu fragen. Für alle Zeiten: Er kann es. Und Douglas Dare kann nicht nur schwimmen, sondern auch großartige Musik fabrizieren – auf Platte wie jetzt auch erwiesenermaßen live. Urteil: einfach nur groß.

Foto: themusicminutes