Northcote, das ist die Band rund um Matt Goud aus Kanada. Letzte Woche machte der Punk-turned-Singer/Songwriter aus Saskatchewan Stopp in München und trat im Vorprogramm von Chuck Ragan auf. Wir schauten vorbei uns sagten „Hallo!“.

artMatt Goud spielte sich über Punkrock und Hardcore zum Singer/Songwritertum, passt damit also genau in die Riege, deren Gallionsfigur irgendwie Chuck Ragan ist. Der große Unterschied: Goud aka Northcote kommt aus der kanadischen Provinz Saskatchewan, der Heimat Country-Kanadas. Der Provinz, in der nur eine gute Million Menschen mehr als 650.000 Quadratkilometer bewohnt. Dort, wo sich quasi Hase und Igel „Gute Nacht“ sagen. Punk? Hardcore? Alles außer Country? Wie kommt’s?

Du bist ja schon ein bisschen länger im Geschäft. Bevor du dich solo aufmachtest, hast du in einer Christian Melodic Hardcore Band  gespielt. Wie lange hast du in der Band Means gespielt und wie kam es zu dem Übergang zum Singer/Songwriter?
Ich habe etwa acht Jahre bei  Means gespielt, von 16 bis 24. Ich spielte damals schon zwei oder drei Akustik-Shows pro Jahr und ich schrieb eine Menge der Gitarren-Parts für die Metal-Band auf einer Akustik-Gitarre. Mir kam der Übergang also gar nicht so seltsam vor. Die Konzerte sind aber ganz anders: Mit Means waren wir sehr vel mit Hardcore- und Post-Hardcore-Bands unterwegs, spielten viel in Kellern und Clubs, also nicht in Bars mit Alkohollizenz, damit unsere vor allem 16- bis 23-jährigen Fans da hingehen konnten. Als ich älter wurde, wollte ich aber einfach etwas anderes ausprobieren. Irgendwann war der Sound für mich einfach nicht mehr zeitgemäß. Mir ist das Genre immer noch sehr wichtig und ich denke gern an die Konzerte mit den anderen Bands zurück.

Fehlen dir diese Zeiten?
Nein. Wir gaben für zwei Jahre ungefähr alles als Band. Wir schliefen auf Tour in einem Lieferwagen, keiner trank, wir steckten einfach nur zusammen. Das war interessant, eine gute Erfahrung. Ich bin wirklich stolz auf unsere Band. Der Sound war echt gut. Ich glaube, nach ein paar Jahren suchten wir alle neue Herausforderungen und das war’s dann eben mit Means.

Apropos „Tour“. Du warst bei der Revival Tour bei den kanadischen Shows in Montreal und Toronto dabei. Empfandest du die Revival Tour eher als Wettstreit unter den verschiedenen teilnehmenden Musikern oder als coole Künster-Kombo?
Ich spielte ja nur diese beiden Shows, aber die waren wie ein einziges großes Fest. Man kann die verschiedenen Stile und Persönlichkeiten der Leute hautnah erleben. Bei den Shows war Cory Brannon dabei, den mag ich sehr, auch Dan Adriano vom Alkaline Trio. Ich glaube, die Vision für die Revival Tour war, dass man verschiedene Leute unter einem Deckmantel zusammenbringt. Man spielt nicht einfach nur eine, seine Show, sondern man kommt auf die Bühne und geht wieder und kommt zurück – man spielt gemeinsam mit den anderen Künstlern eine große Show.

Erzähl mal von Saskatchewan! Woher kam da deine Liebe zur Musik?
Ich glaube, Saskatchewan ist größer als Deutschland [Yep, ist es und zwar 300.000 Quadratkilometer größer]. Dort lebt etwa eine Million Menschen und die Region ist von Landwirtschaft und dem Öl-Industrie geprägt. Viele wären aber überrascht wieviel gute Kunst es in Saskatchewan gibt: Wir haben ein ziemlich bekanntes Theater und coole, einzigartige Indie-Bands. Es ist ein außergewöhnlicher Mix. Man tut sich zusammen: Die aggressiven Hardecore-Bands spielten Konzerte mit den melodiösen Indie-Bands, die klingen wie The Shins. Es war ganz normal, dass im Rahmen einer Show vier verschieden Genres untergebracht wurden, von Hip Hop bis Hardcore. Diese Ausgangslage ist ziemlich einzigartig für einen Start im  Musik-Business. Wenn man in Toronto wohnt, dann ist man gleich in einer bestimmten Musiker-Clique, einem bestimmten Genre. Das gab es bei uns in Saskatchewan nicht.

Wie war denn das Publikum im ländlichen Kanada? War es leichter ein gutes Publikum zu den Shows zu locken?
Naja, ein „gutes Publikum“ waren etwa 75 Leute. Jetzt, wo man älter ist und viel dort gespielt hat, bekommt man auch leichter mehr gute Zuhörer. Aber nach wie vor sind die Städte einfach klein.

Welche war deine bisher liebste Live-Show?
Die laufende Tour ist wirklich etwas ganz Besonderes. Es ist meine zweite Europa-Tournee und ich darf mit Künstlern spielen, zu denen ich aufblicke. Bei der ersten Tour durch Europa war alles neu und frisch. Jetzt, auf der zweiten, erinnert man sich an manche Leute und man spielt in manchen Städten zum zweiten Mal, es fühlt sich also irgendwie echter an. Ich dachte nie, dass ich mehr als einmal nach Europa kommen würde… Ich bin mit also ziemlich sicher, dass so manche Show auf dieser Tour das Potenzial zu meiner Lieblingsshow haben wird. Wenn ich zurückblicke, waren die Support-Slots für die Revival-Tour und Frank Turner super, aber auch einige Folk-Festivals in Kanada, wo ich mit Country-Bands gespielt habe. Wir spielten ein Festival, auf dem der Soul-Sänger Charles Bradley Headliner war, das war auch wirklich groß.

Und welches ist das beste Konzert, das du mal besucht hast?
Ich sah dieses Jahr Brand New. Das war seit langem die beste Show, die ich gesehen habe. Und einer meiner Helden ist Neil Young, der hat sicher auch ein „bestes Konzert“ beigesteuert.

Was für Musik hörst du denn?
Die letzten paar Jahre über habe ich meine Liebe zu Soul entdeckt: Charles Bradley oder auch Otis Redding höre ich oft zuhause. Jetzt gerade läuft aber aber auch viel Grunge aus den Neunzigern, Afghan Whigs, R.E.M und Pearl Jam, bei mir.

Du wirst manchmal in einem Atemzug mit Dave Hause und The Gaslight Anthem genannt. Setzt dich das unter Druck?
Oh, das ist ein Kompliment, oder? Ich bin von diesen Bands großer Fan. Da ist schon eine Art Druck, aber eher wenn es darum geht, wofür Northcote steht: Welchen Song will ich mit der Welt teilen? Welche Ideen sind mir als Band wichtig? Was braucht eine Show – Ermutigung, Denkanstöße, politische Ansichten? Diese Dinge beschäftigen mich mehr als aller anderer Druck. Als Singer/Songwriter versucht man das Wichtige im Leben zu filtern und genau das spornt mich an: Was wichtig ist.

Northcote sind noch auf Tour. Wir empfehlen: Hingehen!

Fotos: PR