Servus und Grüezi aus der Schweiz! Renzo und Ursi sitzen im Medienzentrum des OpenAir St. Gallen und erzählen euch, was sie gestern, an ihrem ersten Tag hier, alles so erlebt haben. Mit dabei: Foals, London Grammar, Ellie Goulding, The Black Keys und Bonobo. Und unsere Slideshow gleich hier zum Durchklicken:

Festivals. Immer wieder ein Erlebnis. Dieses Jahr sind wir in der Schweiz, campen nicht, aber schauen uns alles Mögliche an. Vorab: Manche Sachen laufen im Schweizer Kanton St. Gallen anders als zum Beispiel bei uns in Deutschland: Die 20.000 Besucher dürfen zelten, wo sie wollen. Mehr oder weniger. Wer also direkt neben dem Mischzelt campen will, kann das durchaus so machen. Mann darf allerlei Zeug mit aufs Konzertgelände nehmen: Neben dem Zelt auch gern eine Gruppe an Klappstühlen – denn bequemer schaut sich’s schon im Sitzen. Es ist ein sehr entspanntes Festival, die Bühnen sind nah beieinander und die Leute wirklich alle sehr nett. Fetziger Nebenfact: Swiss Milk hat nicht nur den größten, sondern auch den Stand, der am meisten Disko ist. Aber jetzt zum Grund unseres Besuchs: La Mucke!!!

Paradeband im Sittertobel

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Als wir auf das Gelände kommen, spielt gerade Prinz Pi. Joa, kann man sich anhören, muss man nicht. Wir werden erst wirklich zu Festivalbesuchern, als Foals aus England auf die Bühne kommen – also 18.45 Uhr. Komische Uhrzeit für eine der besten Live-Bands Englands. Die Paradeband des Math-Rocks. Math-Rock?! Okay, wir bleiben bei Indie-Rock. Eine Stunde lang spielt sich das Quintett um Yannis Philippakis durch seine drei Alben. Die Highlights der Setlist standen ja eigentlich schon vorher fest: „Inhaler“ und „My Number“ ihres zweiten Albums „Total Life Forever“. Foals sprechen nicht viel, aber das haben sie eigentlich auch nicht nötig. Solide Performance!

Wir schleichen uns zu London Grammar auf die kleinere der beiden Bühnen, die Zeltbühne. Holla, da ist es brechend voll. Stellt euch einen U-Bahn-Wagon zur Rush Hour vor, nachdem eine Bahn ausgefallen ist. Und dann nochmal so viel. Von der Bühne aus betört uns die britische Band um Sängerin Hannah Reid mit Songs wie „If You Wait“ und „Strong“. Der kosmische Gesang ist auf Dauer dann aber doch etwas zu viel und wir genehmigen uns unser erstes Bier. Ein festival’scher Vollrausch wird hier bissl schwierig. Ein weiteres Merkmal der Schweiz: teuer. Egal, ein kühles Bier und wieder rüber vor die Hauptbühne, wo uns Ellie Goulding bezirzt.

Ellie Alien

art_gouldingDie britische Pop-Chanteuse hat sich hübsch gemacht. Ganz in schwarz, bauchfreies Top, schwarze Hose mit einem seltsamen Schurz und dunkle Plateauschuhe. Mitten auf der Stirn glitzert es. Ellie hat sich ein Shanti-Shanti-Steinchen aufgeklebt. Soll ihr für den Festival-Auftritt womöglich Glück bringen. Wir wissen es nicht. Geholfen hat es leider nicht. Die Pop-Show wirkt etwas deplatziert, für dumpfe Dubstep Beats und knarzige Bassdrums ist das Publikum (noch) nicht bereit. Ellie Goulding gibt sich sichtlich Mühe, dancet in ihrem bauchfreien Top über die Bühne. Und alles schreit nach Neunzigern: nicht nur das Outfit, auch die neongrellen Lichteffekte und die UK-Garage-Streusel erinnern an das Jahrzehnt, das uns popkulkturell geprägt hat. Selbst Ellie Gouldings größter Hit „Lights“ kann nicht brillieren.

Traurigsein mit Dan Auerbach

Zeit fürs Abendessen. Schnitzelbrot und Raclette lassen wir, erstmal, links liegen, und stürzen uns stattdessen aufs indische Curry. Frisch gestärkt geht es auf zum Highlight des Abends. The Black Keys spielen auf der Hauptbühne. Aber was ist das? Dan Auerbach sieht irgendwie mitgenommen aus. Traurig sieht er aus, Ursis musikalischer Held der Gegenwart. Er versteckt sich regelmäßig hinter Patrick Carneys Schlagzeug und faselt was von Nacktschwimmen in der Sitter und der langen Geschichte des Festivals. Hmmmm. Zwischen den Songs geht auf der Bühne immer wieder das Licht komplett aus. Was ist da nur los? Das Set ist geprägt von den melancholischeren Songs des Duos. Auerbach, der nach einer hässlichen Scheidung inzwischen allein erziehender Vater in Teilzeit ist, scheint diese Trennung in jedem einzelnen Song zu thematisieren und seiner Ex-Frau ins Gesicht zu spucken – mit einem weinenden Auge. Patrick Carney hingegen ist eine Maschine an den Drums. Was für eine coole Sau! Sie lassen sich ein bisschen zur Zugabe bitten, kommen aber nach zehn Minuten Gegröhle von Seiten des Publikums doch noch. Mit „I got mine“ beenden die zwei aus Ohio das Set. Es klingt wie eine Katharsis: Nach all dem Schlechten, das dem Sänger widerfahren ist, ist dieser Song seine Erlösung. Ursi hat die Black Keys schon weitaus fröhlicher erlebt (Central Park 2012, bittesehr!), letztendlich leidet sie aber mit. Hoffentlich wird Dan Auerbach bis zur Hallentour im Herbst wieder.

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Bevor wir uns auf den Heimweg in die Jugi machen – wir zelten nicht, falls wir das noch nicht erwähnt hatten – statten wir Bonobo auf der Sternenbühne noch einen Besuch ab. Die federleichten, housigen Beats des Briten kommen gut, als jedoch ein Saxophon ausgepackt wird, und wir an Loungemucke anno 1982 von Sade und George Michael erinnert werden, suchen wir das Weite. Mit „Careless Whisper“ im Ohr treten wir den Nachhauseweg an. Der hat es dann doch noch in sich. Ein kleines bisschen durch die Innenstadt und ein kleines bisschen die Gässchen bzw. den Hügel hinauf gekraxelt, dort wartet dann unser Bett. Denn: No Zelt for us!

Und heute? Wir sind früh hier angekommen, auf einem blitzblank gereinigtem Gelände. From Kid aus Chur haben uns aufgeweckt und jetzt geht’s dann hardcore weiter: Bilderbuch, The Notwist, Junip, Casper, Chvrches, Moderat, Moop Mama und Kavinsky. Das alles wartet auf uns in den nächsten 15 Stunden und auf euch hier in Bälde.

Fotos: themusicminutes.com (jawohl!)