Die WM ist in vollem Gange, die Grusel-Dusel-Partie von gestern überstanden, aber das hier hat zur Abwechslung mal nichts mit Fussball zu tun. 2014 macht keine Ausnahme und setzt den Trend in Sachen „Ich hab echt das Gefühl kein Jahr vergeht so schnell wie dieses!“ gnadenlos fort. Grade war doch noch dieser nicht vorhandene Winter und aktuell hängen wir schon seit Wochen unsere Beine in die Isar?! Der richtige Zeitpunkt um kurz auf die erste Hälfte dieses Jahres zurückzuschauen. Was hat erfreut, was erstaunt und worauf darf man noch hoffen. Und damit das erste Halbjahr (und ein klein bisschen auch schon das zweite) den passenden Soundtrack bekommt, gibts am Ende die entsprechende Playlist dazu.

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Die Alben.

Hier war erwartungsgemäß einiges los, hatte sich Ende 2013 ja schon ein großes Jahr in Richtung Gitarrenmusik angekündigt. Es kam bis jetzt soviel raus, dass ehrlicherweise noch nicht mal jedes Album die Spielzeit bekommen hat, die es braucht um es in einer Hitliste einzustufen. Ich will das also noch nicht in eine Reihenfolge pressen. Auf eine Top 10-20 lege ich mich lieber erst Ende des Jahres fest (oder wohl eher Anfang 2015). Aber hier schonmal die bisherigen Favoriten der ersten Jahreshälfte, lose vorsortiert:

Brody Dalle – Diploid LoveAgainst Me! – Transgender Dysphoria Blues, La Dispute – Rooms Of the House, Matula – Auf Allen Festen, Instrument – Read Books, Möngöl Hörde – Möngöl Hörde, PUP – PUP, Jack White – Lazaretto,  Manchester Orchestra – COPE, Marcus Wiebusch – Konfetti, Notwist – Close To The Glass, Chuck Ragan – Live At Skater`s Palace, Augustines – Augustines, Elbow – The Takeoff And Landing Of Everything, DŸSE – Das Nation.

Ich erkenne ein klares Muster. Gitarre, mehr Gitarre und extra viel Gitarre. So hab ich mir das vorgestellt! Und es kommt ja noch so viel!!! (siehe Vorfreude).  Mal schauen, ob ich das Ende des Jahres überhaupt zu einem Best Of zusammendampfen kann.

 

Die Live-Shows.

20 Konzerte glatt waren es in dieser ersten Jahreshälfte und da waren schon einige ganz, ganz tolle Shows dabei. Vom grellbunten Art-Rock-Disco-Dance-Spektakel, über den furiosen Auftritt der neuen Transgender Ikone des Punk bis hin zu einem völlig wüsten Rumpelmucke-meets-Comedy-Konzert zweier völlig irrer Sachsen. Gleiches Spiel wie oben. Hier erstmal die eindrucksvollsten Live-Erlebnisse ohne finales Ranking. Eine Hitliste gibts dann, wenn das Konzertjahr 2014 durch ist. Vielleicht.

The Notwist (Zirkus Krone), Arcade Fire (Junge Garde Dresden), Against Me! und Quicksand (Rock Im Park), DŸSE (Backstage Club), The National (Zenith), Iron Chic (Kafe Kult), La Dispute und Brand New (beides Strom), Matula (Sunny Red) und Instrument (Atomic Café).

Das waren 11 von 20. Das spricht entweder für mein Unvermögen mich zu entscheiden oder für eine Top-Qualität an Shows und somit ein exzellentes erstes Konzert-Halbjahr. Ich einige mich auf eine Mischung aus beidem.

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Die Aha-Momente.

Ein paar interessante Erkenntnisse sind auch immer dabei. Man lernt nie aus….

Rock im Park ist und bleibt ein Albtraum in der Festivallandschaft. Dieses Line-Up Massaker ist wirklich durch nichts zu entschuldigen. ABER, ein Abstecher für einen Abend, zu zwei Shows auf der Clubstage, das kann man durchaus machen. Vor allem wenn diese beiden Bands Against Me! und Walter Schreifels Quicksand sind.

Nur eine gute Show spielen, reicht nicht immer. Tadellos raushauen, dabei aber das Publikum spüren lassen, dass man diese Stadt ja so gar nicht leiden kann, und sicher in nächster Zukunft auch nicht wieder kommt, ist nicht ganz so cool. Damit mein ich euch, liebe Captain Planet. Die Bedingungen waren vielleicht nicht 100% ideal, aber sowas kommt halt vor. Dann lieber Klappe halten, oder gleich nicht hier spielen. Dass ihr danach bei einem Schwätzchen ganz und gar liebenswert wart, hat der Rest des Publikums nämlich leider nicht mehr mitbekommen. Schade.

Ein Konzertquartett (4 Abende, 4 Shows) setzt der Kondition schon genug zu. Man braucht es wirklich nicht noch mit zwei vorgelagerten Partyabenden einläuten.

Manchmal klappt es mit Bands, die man mal wirklich, wirklich spitze fand, einfach nicht mehr so richtig. Auch musikalische Beziehungen gehen auseinander. Schon mit Boombox hats bei uns gekriselt, aber die Hoffnung, dass das vielleicht wieder wird, wurde noch nicht aufgegeben. Ich fürchte aber, manchmal wirds halt einfach nimmer. Die erste Single vom kommenden Beatsteaks Album ist nämlich leider gar nicht meins.

 

Die Vorfreude.

Mindestens so interessant, wie der Blick zurück, ist der nach vorn. Und so wie es aussieht, lässt sich auch die zweite Jahreshälfte nicht lumpen. Vollalarm an allen Ecken und Enden!

Zumindestens einer meiner drei Wünsche aus dem letztjährigen Rück- und Ausblick wurde schon erhört. Ryan Adams lebt!!! Nachdem ich seine Homepage, auf der sich ungefähr zweimal im Jahr was tut, weiterhin zweimal wöchentlich checke (ein bisschen irr, ich weiß) gibt es nun seit gut zwei Wochen endlich News. Im Herbst kommt ein neues Album, die erste 7″ ist schon bestellt. Aber wichtiger noch, ein neues Album heißt vielleicht auch eine Tour und dann gnade ihm Gott wenn er seinen Hintern nicht in erreichbare Nähe schwingt. Ein Kurztripp nach Übersee wäre dann doch fast eine Spur zu krass. Auch für mich. Daumen Drücken ist angesagt! (und ab sofort ein täglicher Homepage-Check).

Alt-J, inzwischen nur noch zu dritt, haben nach ihrem Wahnsinns-Debüt ein neues Album für September angekündigt. „This Is All Yours“ soll es heißen und die erste Single „Hunger Of The Pine“ gibts bereits zu hören. Die ist 1 A der Hammer, trotz oder vielleicht gerade wegen des durchaus gelungenen Miley Cyrus Samples (Eine gute Stimme hat sie ja, die kleine Schnalle.). Eine Tour, auch jenseits der Insel, wäre natürlich ganz toll!

Der Foo Fighters Weg zur Weltherrschaft geht im November in eine neue Runde. Das kommende Album (November!) wird in noch nie dagewesener Form aufgenommen, soviel orakelte sich mighty Dave schon durchs Netz. Inzwischen weiß man, sie nehmen jeden Track in einer anderen (US-)Stadt auf und beziehen jeweils die musikalische Geschichte dieser Region mit ein. Das Ganze wird dann auch noch filmisch begleitet in Form einer HBO TV-Doku mit reichlich Interviews und Background Material, bei der Hr. Grohl Regie führt. Selbstverständlich. Was hätten wir auch sonst erwartet. Immer wieder poppt die Band gerade in den Staaten auf, gibt Überraschungskonzerte in einer Pizza-Butze oder den Gassen von New Orleans, oder kündigt handverlesene Festival-Auftritte an und treibt Fans und Medien in den Wahnsinn. Man darf also gespannt sein, was das Endprodukt sein wird, und was im Herbst noch so alles auf uns zukommt (Konzerte bitte!). Nachdem kürzlich ein Foto von Dave Grohl im weißen Haus die Runde machte (Arm in Arm mit einem Empfänger der Medal Of Honor und augenscheinlichem Fan der Band), werden wir ja vielleicht auch Barack Obama himself in der Doku wiedersehen. Wenn ich das jemandem zutraue, dann Dave Grohl.

Rämmbämmbämmm – RVIVR kommen! Im Herbst!!! Hysterische Vorfreude auf Wiedergutmachung des verpassten Kafe Kult Konzerts Anfang letzten Jahres und endlich, endlich die Krawallschachtel meines Herzens, Erica Freas live!

Dazu freue ich mich schonmal auf Konzerte von Marcus Wiebsuch, Caribou und Off! (Von Hamburger Schule über tanzbaren Ambient Electro zu Hardcore. Passt.) Sehr gespannt bin ich auf den wüsten Stilmix der Schweden von GOAT, die völlig rabiat durch 17 Genres pflügen und wohl ein psychodelisches Voodoo-Spektakel zwischen Afrobeat, Soul und Krautrock zur Aufführung bringen. Werd ich mir auf Empfehlung anschauen. Stichwort, Horizont erweitern.
Ein kurzes Stoßgebet geht an der Stelle noch an John K. Samson. Mach was! Allein oder mit den Weakerthans, bitte bring was raus, oder komm vorbei und spiel für uns. Bitte! Das würde auch die fancy Fabkes sehr erfreuen.

Ein neues Rise Against Album kommt schon diesen Monat. Die erste Single geht zwar eher auf Nummer sicher, klingt dabei ein bisschen wie ein Klon aus bereits existierenden Songs der Band, aber ich hoffe trotzdem weiterhin auf eine gute Platte. Der Tim macht das schon.

fthcMein Wunsch nach einer Verschnaufpause für Frank Turner (unser inoffizielles Blog-Maskottchen) hat sich nur bedingt erfüllt. Zwar lässts der Solo-Turner in Richtung Album etwas langsamer angehen – das neue Werk ist „erst“ für 2015 angekündigt – aber dafür hat er mal eben eine Cover-EP und ein Hardcore Album mit seiner Band Möngöl Hörde rausgehauen und springt deswegen live gerade in doppelter Mission auf den Festival- und Clubbühnen Europas rum. Er wills halt so. Neueste Aktion, er geht jetzt unter die Schriftsteller! Eine Art Tourtagebuch soll es wohl werden und mit ziemlicher Sicherheit spannend und unterhaltsam. Denn was seine Songtexte und Blogposts angeht, macht ihm so schnell keiner was vor und da der Zähler aktuell bei Show 1584 steht, sollte es an erzählenswerten Kuriositäten nicht mangeln. Auch dieses Projekt wird wohl erst 2015 vollendet sein, aber ich freue mich jetzt schon ein bisschen drauf.

Und auch mein zweites Hauptlaster, zusammenzufassen unter „Bewegtbild“, will wieder bedient werden. Nach dem Ende von Game Of Thrones Staffel 4 heißt es unter anderem Warten bis zur neuen The Walking Dead Staffel 5 im Herbst. Es muss für die Zwischenzeit also dringend neues Serienmaterial her. Ich schätze, ich muss ein paar alte Perlen ausgraben, die bisher an mir vorbeigegegangen sind. Vorschläge sind jederzeit willkommen! Kinomäßig wird sich aktuell erstmal ins Filmfest München gestürzt („Ping Pong Summer“ lässt auf einen hübschen 80ies Soundtrack hoffen), und im September dann ins Fantasy Filmfest. In Kürze gibts auch endlich die The National Doku Mistaken For Strangers. Hier versucht sich Frontmann Matt Berningers Bruder Tom als Dokumentarfilmer. Das Resultat, ein eher ungewöhnliches filmisches Tourtagebuch, lief schon auf diversen Festivals und wird seit Monaten von allen Seiten mit Lob überschüttet. Ich bin sehr gespannt!

Mindestens so gespannt, wie auf den lang ersehnten Nachfolger zu „Garden State“. Wish I Was Here heißt das gute Stück, das Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Zach Braff über eine Crowdfunding Kampagne finanziert hat. Des Machers unangefochtene Lieblingsband The Shins haben eigens für den Film einen Song geschrieben, ebenso Bon Iver („Heavenly Father“ kann man seit gestern hier anhören). Mit Beiträgen von Paul Simon und einer Titelsong-Kollabo zwischen Cat Power und Coldplay klingt der Soundtrack dann nach einem hochkarätigen Indie-Mix-Tape. (D.h. wenn Coldplay da nicht schon auf ihrem Eurodance Trip waren, siehe aktuelle Schocker Single „Sky Full Of Stars“. Alter! What the F***???)

Bevor mir noch mehr einfällt, mach ich hier lieber Schluss und übergebe das Wort an meine Mitstreiter. In Kürze also auch die Ersten Halbzeiten von Ursi und Renzo.

Aber vorher noch die Playlist. Viel Vergügen!