Velojet, das sind René, Marlene, Lisi und Michael. Sie kommen aus Österreich und machen Musik, die manchmal so veträumt wie direkt aus den Sechzigern klingt. Das beste: Sie spielen noch auf einem Festival diesen Sommer.

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Vier Alben haben Velojet bisher veröffentlicht, mit ihrer letzten Platte „Panorama“ definierten sie sich letzten Oktober etwas neu: „Panorama“ klingt eindeutig mehr nach Sechziger-Pop à la Beach Boys und Beatles als ihre Vorgängerwerke, die sich eher noch dem gefälligen Indie verschrieben. „Wir hatten diesmal richtig Zeit an der Platte zu arbeiten“, erklärt Sänger und Gitarrist René im Gespräch mit uns. „Bei den anderen Alben hatten wir nie wirklich Zeit, waren immer unter Zugzwang. Für „Panorama“ hatten wir uns eine einjährige Live-Pause genommen. Unser Produzent hat uns bekräftigt, Neues auszuprobieren. Sachen, die man eben nicht bei all den anderen Bands hört.“ – „Wir sind viel gereist vor dem Album und haben einen anderen Blickwinkel auf manche Dinge erlangt“, fügt Bassistin/Sängerin Marlene hinzu. „Wir haben uns von den Reisen inspirieren lassen: Indien, Thailand, Balaton.“ René und Marlene waren also gemeinsam auf Reisen und hörten sich durch die Musikgenres der Welt: Siebziger Jahre-Synthie-Pop,  Jean-Michel Jarre, Instrumentalmusik hätten die beiden, die das Schreiber-Duo bilden, begleitet – „keine Indie-Musik!“ war die Devise.

Eigentlich nicht weiter verwunderlich: Obwohl Velojet oft in die Indie-Schublade gesteckt wurden, hörten sie selbst nie die Indie-Britpop-Musik, sondern hätten eigener Aussage zufolge für die Entwicklung ihrer Band auf die Musik von 1990 bis 2005 gut verzichten können. Beatles, Kinks und Beach Boys statt Artctic Monkeys, Bloc Party und Strokes. Umso mehr freuen sie sich, dass man das auch auf „Panorama“ hören kann – dass es viel eher klarer Pop mit Sechziger-Anleihen ihrer eigenen musikalischen Helden ist als eine Kopie der Kopie. Das Album wurde in Finnland auf einer abgeschiedenen Insel aufgenommen. „Großartig“ wäre das gewesen, so René. Das Haus, in dem aufgenommen wurde, war ein früheres Gemeindehaus und das spürte man wohl auch vor Ort: Die Österreicher fühlten sich drei Wochen lang perfekt aufgehoben in dem Haus, in dem geschlafen, geschrieben und aufgenommen wurde. Als Zuckerl lebten sie die komplette Einsamkeit aus: kein Radio, kein Internet – nur die komplette Konzentration auf das Album ohne den sonst für sie üblichen Zeitdruck während der Aufnahmen. Das Resultat? Eine Platte, mit der sie zufriedener sind als mit allen anderen zuvor. Oder wie FM4 urteilte: „The result is an exuberant, sparkling, fresh, and hymnic album capable of triggering neuronal fireworks of happiness.“

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Velojet spielen nicht so wahnsinnig gern große Shows. Sie mögen kleine Festivals und kleine Shows – wie die im Münchner Atomic zum Beispiel. Als sich René und Marlene mit uns unterhielten, hatte René gerade einen Verletzung an der Hand , nicht das Förderlichste als Gitarrist. Als Ersatzinstrument hatte er sich kurzerhand eine Kindertrommel zugelegt. Die Handverletzung des Gitarristen war auch der Grund dafür, dass die Tour nur am Wochenende stattfand. Zwei Shows hintereinander halfen so gar nicht beim Genesungsprozess.Und live sind die Österreicher eine Schau: René verausgabt sich nach eigener Aussage immer, also wirklich jedes Mal. Irgendwas täte ihm am nächsten Tag immer weh, irgendetwas blute immer oder wäre offen angeschlagen. Da geht es auf der Bühne nicht zimperlich her, da gibt’s Gin Tonic und die ganze Band feiert mit als wäre sie im Publikum. „Ohne Exzess macht es eben weniger Spaß“, so Marlene und René. Sehr sympathisch!

Zum Schluss klären wir noch auf, woher der Name kommt: Aus Clockwork Orange. Da gab es den „Velocet“-Milkshake. Diesen Namen hatte sich allerdings schon eine britische Band gekrallt, also wurde man kreativ und hat einfach einen Konsonanten ausgetauscht. Nicht zu Velojets Nachteil, denn von der anderen Band hört man gar nichts mehr. Wer Velojet jetzt noch live im Sommer sehen will und sich ihrer Mischung aus Beatles-Beach Boys-Sound hingeben will, kann das noch am 31. August beim Obstwiesenfestival tun – angeblich eh einem der schönsten Festivals wo gibt.

Fotos: PR, www.velojet.com