Der Fußball-Sommer ist zu Ende, der richtige Sommer hat gerade angefangen. Zeit für einen kurzen Halbjahresrückblick. In den letzten sechs Monate wurden einige tolle neue Alben veröffentlicht, andere enttäuschten. Und der Herbst, der bringt nicht nur jede Menge neuer Musik, sondern auch frischen Stoff für lange TV-Abende.

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Die Konzerte.

Hinsichtlich Konzerte war ich in den letzten Monaten etwas faul. Der Scooter-Gig Anfang des Jahres war ein Erlebnis der etwas anderen Art. Sicherlich nach wie vor nicht meine Musik, aber Respekt vor diesen Herren, was sie in 20 Jahren alles geleistet haben. Beim m4music in Zürich begeisterten mich vor allem die Auftritte von Broken Bells und Kakkmaddafakka, schlimm waren dagegen Left Boy und der Rock’n’Roll-Zirkus von Bonaparte wirkte etwas abgenutzt. Mit einem fetten Grinsen im Gesicht ließen uns Hercules & Love Affair nach ihrem Gig im Strom zurück. Die US-Truppe verwandelte den Club kurzerhand in eine queere House-Party anno 1983. Eines der Highlights der Saison war für mich auch Casper. Vor allem bei seinem Auftritt im Zenith Anfang April – mein erstes Mal – überzeugte er mich mit seiner unfassbar mitreißenden und hochprofessionellen, aber dennoch sehr emotionalen und nahbaren Show. Der Kerl hat’s wirklich drauf. Ein paar Wochen später beim Openair St. Gallen wiederholte sich der Spaß. Dieses Mal machten sich bei mir aber bereits Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Eine ähnliche, verkürzte Setlist und für meinen Geschmack zu viel Mitmach-wir-hüpfen-klatschen-stampfen-jetzt-alle-zusammen-Theatralik. Mein Highlight beim Open Air St. Gallen waren Junip mit einem sehr gechillten Set. Abends machte uns Kavinsky mit viel Elektro-Wumms noch einmal richtig wach. Sein an Justice erinnernder Auftritt war ein genialer Rausschmeißer. Neu entdeckt habe ich dank ihres Konzerts  im Frühjahr in der Muffathalle Metronomy. Die Briten legten, vor rosa Wölkchen und im College-Style, ein ziemlich cooles Set hin. Ihr letztes Album „Love Letters“ lief darauf bei mir auf Heavy Rotation. Womit wir bei den Alben wären.

Die Alben.

Das dritte Album von Metronomy, „Love Letters“, ist im Vergleich zum von mir immer noch innig geliebten Debüt zwar etwas brav ausgefallen, dennoch finden sich darauf einige tolle Songs. Sehr gefreut habe ich mich über das zweite Broken-Bells-Album „After The Disco“. Ein Album voll mit frischen Pop-Melodien. In meine Top 10 des Jahres wird es sicherlich Pharrell Williams schaffen. Völlig unvoreingenommen gab ich mich seinen perfekten Pop-Produktionen hin. Songs wie „Marilyn Monroe“, „Hunter“ und „Gust Of Wind“ werden mich im August durch Portugal begleiten (zum Glück sitzen im Auto zwei Pharrell-Phans). Sein ehemaliger Schützling, Kelis, schafft es ebenfalls unter meine Halbzeit-Favoriten. Ihr neues Album „Food“ wartet mit einigen gelungenen Soul-Nummern auf. Vor allem von der ersten Single „Jerk Ribs“ kann ich nicht genug kriegen. Anfang Sommer haben dann Chromeo mit „White Women“ das Feld von hinten aufgemischt. Ihre schlichten und harmlosen, aber sehr catchy House-Nümmerchen passen perfekt zur Jahreszeit. Schade, dass sie ihre Europa-Konzerte abgesagt haben. Ach ja, mein persönlicher Sommerhit kommt dieses Mal von Jungle. „Busy Earnin'“ bei Wassermelonen-Feta-Salat auf’m Balkönli, im Auto zum See, auf’m Rad in die Arbeit – und immer funky-fresh. Im Januar erschienen, aber den perfekten Sommer-Sound liefert auch der Soundtrack zu „The Secret Life Of Walter Mitty„. Neben den Songs von José Gonzalez sind es vor allem die 80s-Cover-Versionen, etwa „Escape“ von Jack Johnson, die mich auch in den kommenden Monaten noch begleiten werden. Enttäuscht war ich dagegen von Lily Allens drittem Streich. Bereits auf ihrem letzten Album hatten ihre Songs einiges von ihrer anfangs experimentierfreudigen, frischen Art eingebüßt. Auf „Sheezus“ geht sie auf Nummer sicher, biedert sich dem Zeitgeist an und kopiert sich selbst. Bäh. Dennoch werde ich ihr – auch wenn das nur schief gehen kann – im Oktober eine Chance geben, wenn sie in unser aller Lieblingslocation spielt. Stichwort: Vorfreude.

Die Vorfreude.

Viele schöne Sachen kommen da. Live freue ich mich im November auf Jungle – die dankenswerterweise noch nicht groß genug sind, um im Zenith zu spielen. Das neue Tricky-Album ist, wie nicht anders zu erwarten, düster geworden. Und schaurigschön. Gespannt bin ich auf das neue Album von Mister Kravitz. Immerhin war er, nach, räusper, Whitney Houston und Janet Jackson, mein drittes Konzert im Hallenstadion Zürich. Viel mehr als solider Altherren-Rock ist aber wohl nicht zu erwarten. Es sei denn, er hat mit Justice zusammengearbeitet. Hat er aber nicht. Viel spannender dürfte das zweite alt-J-Album ausfallen. Bereits die ersten beiden vorab veröffentlichten Songs ließen Großes erahnen. Eine Blues-Nummer und ein auf einem Miley-Cyrus-Sample basierter Popsong. Groß wird mit Sicherheit auch das dritte Album von Adele. Seit Monaten wird gemunkelt, dass sie uns einen Beyoncé macht, und ihr neues Werk, vermutlich „25“ betitelt, quasi aus dem Nichts und ohne Vorankündigungspipapo veröffentlicht. Ihr US-Label Columbia hat ja mit Beyoncé, David Bowie und Daft Punk bereits ähnlich verrückte Aktionen gestartet. Außerdem bin ich gespannt auf die neuen Alben von Caribou und Sinkane. Außerdem: Róisín Murphy hat vor kurzem eine EP mit Italo-Disco-Klassikern eingesungen. Ja, die Irin singt Italienisch, und das mit der Aussprache macht sie gar nicht mal so schlecht. Die Musik allerdings ist eher, na ja. Dennoch hoffe ich nach wie vor auf ein neues Solo-Album meiner Lieblings-Pop-Diva.

Die letzten Wochen verbrachte ich mit „Game Of Thrones“. Nachdem mein Kiefer nach dem „Red Wedding“ immer noch schmerzt, brauche ich dringend Nachschub. Bis kommendes Jahr die neuen Folgen starten, halte ich mich erstmal mit „Sherlock“ über Wasser. Wird mir das zu komplex und abgehoben, entspanne ich zwischendurch mit den älteren Folgen von „The Walking Dead“ und „Homeland“, bevor es dann endlich mit „Mad Men“ weitergeht. Ganz oben auf meiner Liste steht derzeit aber „True Detective“. Ursi und Kerstin sind ja bereits angefixt.

Die beiden haben natürlich auch 2014 Teil 1 Revue passieren lassen. Hier lang zu den ersten Halbzeiten von Ursi und Kerstin.